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Archive for the ‘Heureka!’ Category

Wie ein Abend im Italienischen Kulturinstitut auf tierische Art den Spieltrieb weckte

Auf einer Bühne zwischen zwei Großbildschirmen sitzen drei Menschen, die Moderatorin steht am Stehpult davor.

Die Übersetzer*innen Walter Kögler, Amalia Urbano, Michaela Heissenberger und Martina Kempter gestalten einen anregenden Abend im Italienischen Kulturinstitut Berlin; Foto: Rita Seuss.

Alljährlich am 30. September, dem Todestag des Bibel­übersetzers Hieronymus im Jahre 420, wird der Internationale Übersetzertag gefeiert. Zahlreiche Veranstaltungen machen an diesem Tag auf die Bedeutung übersetzter Literatur aufmerksam und zeigen, wer hinter den Übersetzungen steht. Da uns Übersetzungen auch an allen anderen Tagen des Jahres begegnen, mag der Bericht über eine anregende Veranstaltung im Rahmen des diesjährigen Hieronymus­tags hoffentlich auch mit einem guten Monat Verspätung noch Interesse wecken. (mehr …)

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In den letzten Monaten ist hier auf unserem Blog ja nichts mehr weiter passiert. Das liegt unter anderem daran, dass die meisten oder fast alle von uns fertig mit dem Promovieren sind und nun keine Zeit mehr zum Prokrastinieren (oder andere Möglichkeiten dafür gefunden und bevorzugt) haben. Es ist sogar so, dass die Mitglieder unseres Blogkollektivs voneinander größtenteils gar nicht mehr wissen, was sie mittlerweile eigentlich machen. Viele sind der Wissenschaft geblieben und einige von uns haben dafür versucht herauszufinden, was andere Wissenschaftler_innen so machen, wenn sie arbeiten. Das ist ein längeres Projekt, von dem hier früher schon einmal kurz berichtet wurde. Nun ist tatsächlich ein Buch darüber erschienen: Library Life: Werkstätten kulturwissenschaftlichen Forschens, veröffentlicht in dem neu gegründeten meson press Verlag.

Ausgehend von den Laborstudien der Science & Technology Studies sind wir darin der Frage nachgegangen, wie eigentlich ein wissenschaftlicher Text entsteht. Dafür haben wir die persönlichen Schreiborte von Kulturwissenschaftler*innen verschiedener Disziplinen aufgesucht und sie befragt. Was wir dann in den Werkstätten kulturwissenschaftlicher Wissensproduktion in Erfahrung gebracht haben, ist ein unvermutet komplexes Zusammenspiel technisch-materieller, praktischer, medialer, sozialer, institutioneller, ökonomischer, politischer und ideeller Dimensionen einer Form von Arbeit, von denen man meinen könnten, man bräuchte doch eigentlich nur Stift und Papier dafür. Die Vielfalt der Dinge, Verhältnisse und Zustände, derer es bedarf, um einen Text zu fabrizieren, hat uns jedenfalls überrascht und wir fanden es interessant genug, darüber selbst etwas zu schreiben.

Das Buch ist als open access Publikation erschienen und kann auf der Verlagsseite kostenlos als PDF heruntergeladen werden. Demnächst wird es auch als Druckausgabe erhältlich sein. Neben verschiedenen – teils sehr erstaunlichen – Aufschreibesystemen und Arbeitstechniken geht es darin auch um die Rolle der Produktionsverhältnisse, in denen Wissenschaftler_innen verschiedener Statusgruppen ein für sie praktikables Forschungsarrangement einrichten müssen. Wie das gelingt, hängt von sehr vielen Dingen ab: Wie man in einer bestimmten Disziplin arbeitet, was man dafür zur Verfügung hat, die Räume und Zeiten, die man dafür in Anspruch nehmen kann, wie die Geräte funktionieren (oder auch nicht), die man dafür braucht, welchen einen Eigensinn sie entwickeln, was für Vorlieben, Erfahrungen und Einfälle man entwickelt, was die anderen von einem wollen und nicht zuletzt auch, ob und wie man davon leben kann.

Über die Arbeitsbedingungen von Akademiker_innen wird ja in letzter Zeit häufiger in den Zeitungen berichtet und diskutiert. Unser Buch mag daher auch ein Anlass sein, das Thema dieses Blogs „Kultur oder Wissenschaft“ in diesem Licht vielleicht etwas wiederzubeleben – sofern unser eigenes „Library Life“ dafür Raum und Zeit lässt. Kommentare zu dem Buch oder eigene Erfahrungsberichte, die das Bild noch bunter, vielleicht sogar klarer oder auch komplizierter machen, sind jedenfalls herzlich willkommen.

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Happy Ruhetag!

Da persona madrelingua tedesca posso dire
La lingua tedesca mi è cara come una madre.
E siccome anche una madre, almeno un giorno
Ha bisogno di riposo
Lasciamola riposare oggi
Che è il suo giorno.

14. September 2013 Die deutsche Sprache tut so viel für uns. Gönnen wir ihr eine Pause! (Ruhe-)Tag der deutschen Sprache.

Finalmente può dormire fino a tardi
E mangiare la prima colazione al letto.

E poi
Magari anche in altri giorni ci viene in mente
Di farla riposare
E vedremo
Che ci sono tante altre lingue belle nel mondo
Madri di altre persone
E son tutte belle le mamme del mondo!

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Ein internationales Forscherteam hat die Wikipedia in 13 Sprachausgaben nach den umstrittensten Einträgen durchforscht. Auf diese Weise hoffe man, mehr über das menschliche Zusammenleben zu erfahren,wie einer der Mitautoren erklärt (Süddeutsche Zeitung). Aber was sollte man da erfahren können?

Vor ziemlich genau zwei Jahren erschien auf Zeit Online ein Artikel über eine Heidelberger Forschergruppe, die den sogenannten „Dispute Index“ entwickelt hat, demzufolge die Umstrittenheit eines Wikipedia-Artikels ein Indikator für die geopolitische Instabilität des Landes ist, auf das er verweist. (Blogkow berichtete: Die Biochemie der Weltgeschichte: Wikipedia als geopolitisches Orakel).

Wenn sich nun das Ranking des internationalen Forscherteams der umstrittensten deutschen und englischen Wikipedia-Artikel mit der Hypothese des Heidelberger „Dispute-Index“ verknüpfen lässt (was voraussetzen würde, dass dieser auch für die Umstrittenheit des betreffenden Landesartikels selbst gilt), würde das bedeuten, dass derzeit Kroatien, USA, EU, Kosovo und Mazedonien besonders von geopolitischer Instabilität bedroht sind.

Stimmt die Hypothese der Heidelberger Forscher, könnte man nun durch Einfügen oder Entfernen entsprechender Links im Internetlexikon maßgeblich Einfluss auf den Lauf der Weltgeschichte nehmen, wie er sich in der Prognose darstellt. Die zu erwartende Umstrittenheit solcher Eingriffe müsste dann unvermeidlich den Edit- zum Cyberwar eskalieren. Die Folgen wären nicht auszudenken.

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Der Kot ist die zusammengepresste Summe sämtlicher Indizien gegen uns. (Elias Canetti, „Masse und Macht“ 1960)

Sewer Cloud by Philipp Ronnenberg

Canettis Befund über den immanenten Zusammenhang von Macht- und Verdauungsvorgängen erlangt in Zeiten von Prism, Tempora & Co durch eine zukunftsweisende Technologie gänzlich neue Bedeutung. Im Rahmen seiner Entwicklung von Post Cyberwar Networks hat der Konzeptkünstler Philipp Ronnenberg die Sewer Cloud ersonnen, die Daten in DNA speichert, die in urbanen Kanalisationen herumschippert:

The insertion of data into the DNA is developed, amongst other reasons, to solve the problem of data storage. 1 gram of DNA is capable of storing up to 700 terabytes of data. This scientific development could provide alternative uses and novel ways of exposure of data. […]

The Sewer Cloud is a living, self-reproducing data network in the sewerage system of London. This living network is based on the insertion and extraction of data into the algae species Anabaena bacteria, which lives in water.

Data insertion and extraction out of algae could be regarded as a ‘grey area’ act; it would be legal to do so, but a lot of content that one could find in this network could be illegal. Corner shops would be providing machines where the extractions and insertions would take place. – (gefunden auf nerdcore.de)

Mit der informationstechnischen Erschließung städtischer Abwässer eröffnet die Sewer Cloud nicht nur enorme Möglichkeiten für big data, sondern – natürlich – auch ganz neue Herausforderungen für allfällige Überwachungsmaßnahmen und quasi die Kompostierung personenbezogener Daten. Es dämmert die Post-Privacy Ära der Toilette. – Wenn Elias Canetti das geahnt hätte:

der privateste Augenblick ist jener der Absonderung; wirklich allein ist man nur mit seinem Kot.

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Der schwedische Philosoph und Direktor des Oxford Future of Humanity Institute Nick Bostrom ist unter anderem für seine Simulations-Hypothese bekannt, die er kürzlich noch einmal auf Telepolis dargelegt hat. Bostrom zufolge ist es nicht nur denkbar, sondern sogar wahrscheinlich, dass ‚wir‘ oder zumindest die meisten von ‚uns‘ in einer simulierten Wirklichkeit also in der Matrix leben.

Seine Argumentation beruht dabei auf drei grundsätzlichen Möglichkeiten, von denen mindestens eine wahr sein müsse:

  1. Alle Zivilisationen und damit auch unsere werden aussterben, bevor sie das Know-How erlangt haben, eine vollständige Simulation der Wirklichkeit erfolgreich durchzuführen. Mit anderen Worten: Die Wirklichkeit selbst hindert sie daran, die Matrix zu bauen.
  2. Keine Zivilisation, die das entsprechende technologische Niveau erreicht, wird je versuchen, eine derart aufwendige Simulation der Wirklichkeit durchzuführen, vielleicht weil sie es für sinnvoller hält, ihre Ressourcen für andere Dinge zu verwenden. Mit anderen Worten: Ihr eigenes Interesse hindert sie daran, die Matrix zu bauen.
  3. Die dritte Möglichkeit besteht darin, dass keine der ersten beiden Möglichkeiten zutrifft, so dass also eine simulierte Wirklichkeit existiert. Mit anderen Worten: Der Bau der Matrix wurde nicht verhindert und wir leben mit hoher Wahrscheinlichkeit darin.

Bostrom versteht die Wahrscheinlichkeit dabei ganz mathematisch. Die entsprechenden Gleichungen finden sich in Nick Bostrom: „Are You Living in a Computer Simulation?“, in:Philosophical Quarterly 53 (2003) 211, S. 243-255. Kurz gefasst lautet das wahrscheinlichkeitstheoretische Argument: Wenn Annahme (3) richtig ist, dann ist es leicht möglich, eine astronomische Anzahl simulierter Welten zu schaffen. Je größer aber die Zahl der simulierten Welten, desto mehr Menschen leben in solchen. Folglich steigt damit die Wahrscheinlichkeit, dass ‚wir‘ in der Matrix leben. (mehr …)

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In den vergangenen Jahren haben wir auf dem Blog gelegentlich über verschiedene Erfahrungen mit Orten und Räumen der wissenschaftlichen Arbeit berichtet. Zum Beispiel darüber, wie man in die russische Nationalbibliothek hereinkommt, welche Macht das Regal und seine Einräumer auf den Prozess der Wissensproduktion haben, wie man sich auf Archivreise (k)eine Unterkunft sucht, über die DB-Lounge als geselligen non-place akademischer Pendelexistenzen oder über den Geschmack des Archivs.

Heute las ich auf dem Blog von Hadmut Danisch, der dort Ansichten eines Informatikers verbreitet, einen bemerkenswerten Bericht über seinen Versuch, sich unter Bedingungen „teuflischer Sicherheit“ in einer (nicht näher bestimmten*) Bibliothek anzumelden. Bemerkenswert ist dabei vor allem seine Geschichte über ein diabolisches Schließfachsystem:

Bereits am Schließfach für die Klamotten kam ich ins Straucheln. Das übliche Fach in der üblichen Größe mit dem üblichen Schloss für das übliche 1-Euro-Pfand mit dem üblichen kleinen schwarzen vierkantigen Schlüssel vom üblichen Hersteller. Gerade noch rechtzeitig fiel mir die Abweichung vom Üblichen auf: Normalerweise steht die Schließfachnummer auf dem Schlüssel, damit man das Fach wiederfindet, in dem man sein Hab und Gut hinterlegt hat. Bei diesem Schlüssel stand auf jeder der vier Seiten ein Nummer, manche graviert, manche eingepresst, manche eingekratzt. Auf jeder Seite eine andere Nummer, und keine stimmte.

Auf seine beiläufige Nachfrage am Informationsschalter (wo es noch kompliziertere Probleme zu lösen galt), was es mit der verwirrenden Beschriftung des Schlüssels auf sich habe, erfährt der Autor von der Bibliothekarin:

Das sei Absicht, entgegnete sie trocken. Aus Sicherheitsgründen.

Verstehe ich nicht. Wieso denn das? (mehr …)

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