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Archive for the ‘Kopfgeschüttelt’ Category

Wenn’s im Rücken zwickt und knotet, weil man zu viel am Schreibtisch gesessen oder zu schwere Kleinkinder rumgeschleppt hat und eindeutig zu selten tanzen war, kann das schon mal auf die Gedankengänge ausstrahlen oder auf die tapsigen Finger oder beides. Jedenfalls habe ich eine dieser Spam-Mails, die ich sonst routiniert ignoriere, versehentlich angeklickt statt sie zum Löschen wegzuwischen. Und dann bin ich an dem Wort »Massagen« hängen geblieben. (mehr …)

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Buchcover Stefano Benni: Prendiluna. Roman

© Verlag Klaus Wagenbach

Ich übersetze gerade Stefano Bennis Prendiluna, einen angenehm abgedrehten Roman über den Wahnsinn dieser Welt im Allgemeinen und der italienischen Gesellschaft im Besondern und darüber, wie man es schafft, unter diesen Umständen zu den »Gerechten« zu gehören. In einem Kapitel besucht die Protagonistin Prendiluna (eine pensionierte Lehrerin, die ihre zehn Katzen an zehn Gerechte verschenken muss, um die Apokalypse zu verhindern) eine ehemalige Schülerin, die nun in einem Sexshop arbeitet. Diese schenkt ihr zum Abschied ein Dildofon.

Der Klingelton dieses Dildofons besteht im italienischen Original aus zwei Zeilen des Scherz­lieds »Mal d’Africa« (Afrikaweh), auch bekannt unter den Titeln »Africa lontana« (Fernes Afrika), »Il pianto di Zambo« (Zambos Klage) oder einfach »La canzone di Zambo« (Zambos Lied), nämlich:

»La negretta disse a Zambo
Non ti voglio senza gambo«

(Die kleine [N-Wort] sagte zu Zambo
Ohne Stängel will ich dich nicht).

Wie gehe ich damit in der deutschen Übersetzung um? (mehr …)

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Bereits im Oktober letzten Jahres ging die Website zum Forschungsprojekt #frauenzählen online. Die Hauptergebnisse der Studie, für die innerhalb eines Monats 2036 Buchbesprechungen in 69 deutschen Medien (Print, Hörfunk, TV) sozialwissenschaftlich ausgewertet wurden, sind folgende:
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»A… Stopp!«, halte ich mein innerliches »Aber« an, das zu einer Grundsatzdiskussion anheben will. Schließlich bin ich doch übers Wochenende aufs Land gefahren, um mich zu erholen. Den Kopf aus- und ein paar Muskeln anspannen, damit für die Herausforderungen der nächsten Monate wieder Energie da ist.

Blick durch Blattwerk auf einen klaren SeeIch bleibe also entspannt, was mich aber nicht daran hindert, mich zu wundern. Offenbar bewege ich mich in der Stadt üblicherweise in so weit ‚aufgeklärten‘ Kreisen, dass die mir hier auf dem Land entgegenprallenden stereotypen Erwartungen an ’normale‘ Arbeitsteilung der Geschlechter wie aus einer anderen Zeit zu kommen scheinen. In der Stadt wurde meine männliche Begleitung jedenfalls noch nie per Handschlag dafür bedauert, kein Taschengeld zu bekommen, nur weil ich den Eintritt für beide zahle.

Auch der Humor des jungen und mit guter Stimme ausgestatteten Musikers in einem anderen Etablissement hier auf dem Land baut relativ einseitig auf Männer-Frauen-Witzen auf. (mehr …)

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Ein internationales Forscherteam hat die Wikipedia in 13 Sprachausgaben nach den umstrittensten Einträgen durchforscht. Auf diese Weise hoffe man, mehr über das menschliche Zusammenleben zu erfahren,wie einer der Mitautoren erklärt (Süddeutsche Zeitung). Aber was sollte man da erfahren können?

Vor ziemlich genau zwei Jahren erschien auf Zeit Online ein Artikel über eine Heidelberger Forschergruppe, die den sogenannten „Dispute Index“ entwickelt hat, demzufolge die Umstrittenheit eines Wikipedia-Artikels ein Indikator für die geopolitische Instabilität des Landes ist, auf das er verweist. (Blogkow berichtete: Die Biochemie der Weltgeschichte: Wikipedia als geopolitisches Orakel).

Wenn sich nun das Ranking des internationalen Forscherteams der umstrittensten deutschen und englischen Wikipedia-Artikel mit der Hypothese des Heidelberger „Dispute-Index“ verknüpfen lässt (was voraussetzen würde, dass dieser auch für die Umstrittenheit des betreffenden Landesartikels selbst gilt), würde das bedeuten, dass derzeit Kroatien, USA, EU, Kosovo und Mazedonien besonders von geopolitischer Instabilität bedroht sind.

Stimmt die Hypothese der Heidelberger Forscher, könnte man nun durch Einfügen oder Entfernen entsprechender Links im Internetlexikon maßgeblich Einfluss auf den Lauf der Weltgeschichte nehmen, wie er sich in der Prognose darstellt. Die zu erwartende Umstrittenheit solcher Eingriffe müsste dann unvermeidlich den Edit- zum Cyberwar eskalieren. Die Folgen wären nicht auszudenken.

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Ich komme gerade aus dem Osthessischen zurück. Ob es auf den noch heute spürbaren Einfluss von Bonifacius und Sturmius (nicht einer Comic-Lektüre, sondern den gewissenhaften Worten einer Stadtführerin entnehme ich diesen Namen) zurückzuführen ist, habe ich nicht herausfinden können. Doch offenbar scheint es dort ein ungeschriebenes Gesetz zu geben, als Frau keinerlei Leidenschaft beim Fußballgucken zu zeigen.

Ein Indiz dafür waren bereits die in Bayern-Trikot und -Hut im Brauhaus sitzenden Damen. Trotz ihrer Aufmachung zeigten sie keinerlei Anteilnahme am Champions League-Spiel auf der Leinwand. Und auch nach dem Spiel von Begeisterung oder Freude keine Spur.

Den letzten Beweis aber lieferte ein Besuch der Damentoilette im Keller:

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Die Apokalypse wird nicht stattfinden, weil sie immer schon statthat. Seitdem bekannt geworden ist, dass am heutigen Tag des Weltuntergangs als einziger Ort auf der Erde das südfranzösische Bugarach am Rande der Pyrenäen verschont bleiben soll, und dass dort  Außerirdische landen und auserwählte Menschen retten werden, ist das 200-Seelen-Dorf ein globales Medienphänomen. Heute tummeln sich dort aber keine Aliens, sondern vor allem internationale Fernsehteams, die sich gegenseitig filmen und darüber Bericht erstatten, wie über die Berichterstattung der Berichterstattung Bericht erstattet wird.BildDie Wort Apokalpsis kommt aus dem Griechischen und leitet sich ab von apo (ab, weg, von-weg) und kalypsein (verhüllen, verbergen, bedecken). Es heißt also: enthüllen, aufdecken, entblößen, im Partizip Perfekt Passiv entblößt, schamlos sein und übertragen dann erst offenbaren, kundtun. Apokalypsis ist also die Enthüllung, die Aufdeckung, die Offenbarung. Jacques Derrida hat in seinen Überlegungen zur Apokalypse (Passagen Verlag 1997/2012) darauf hingewiesen, dass die Aufklärung selbst ein apokalyptisches Projekt ist, weil ihr es darum geht, alle Schleier wegzureißen, alles zu entdecken, aufzudecken und zu enthüllen, keine Geheimnisse mehr zu dulden, nichts Verborgenes mehr übrigzulassen.

Tatsächlich entspricht ein solcher Zustand dem, was man als die Konvergenz der Idee des Überwachungsstaates und der sogenannten Post-Privacy-Gesellschaft nennen könnte, in der nicht nur nichts mehr versteckt werden kann, sondern auch gar nichts mehr versteckt und verborgen werden soll. Absolute Transparenz und Öffentlichkeit ist das Ergebnis einer Apokalypse, einer medialen Apokalypse. Der Philosoph und Transparenz-Theoretiker Byung-Chul Han erklärte neulich im Süddeutsche Zeitung Magazin, dass die Transparenzgesellschaft von uns verlange, alles nach außen zu kehren, zu enthüllen, zu entkleiden und zu exponieren: „Wir steuern auf eine Katastrophe zu“. Die Apokalypse wird aber nie stattfinden, weil sie immer schon statthat.

Wenn nun an dem vermeintlich vor ihr verschont bleibenden Ort das Nicht-Stattfinden der immer schon statthabenden Apokalypse enthüllt wird, dann ist die Enthüllung der scham- und schonungslosen Selbstexponierung der Ereignislosigkeit die Apokalypse der Apokalypse. Das nicht stattfindende Ereignis ist das eigentliche Ereignis der Aufklärung. Man klärt sich gegenseitig darüber auf, wie man sich darüber aufzuklären versucht, dass es nichts mehr aufzuklären gibt – außer die Aufklärung selbst.

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