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Archive for the ‘Rezipiert’ Category

Vorweg: Das ist keine Werbung! Wäre ja peinlich, nur was zu posten, um eine Band – nämlich Mainfelt – zu pushen, oder?! Nennen wir es eine kleine „Hommage“ – das klingt doch gleich ganz anders, anspruchsvoller, nicht so billig. Und es geht ja auch um nichts weniger als das Erreichen eines großen Ziels: mindestens 100%, ganz oder gar nicht – aber dazu am Ende mehr.
Was also hat es mit den 4 sympathischen Herrschaften aus Südtirol bzw. ihrer Musik auf sich, dass sie hier bewor…ähm ich meine: vorgestellt werden sollen?
©Mainfelt/Severin Dostal

©Mainfelt/Severin Dostal

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„Man muss sich das Übersetzen als eine ernste Angelegenheit vorstellen.“

Ich also rein in den Bus, dann S-Bahn, schon sitz ich im LCB diesen beiden Typen gegenüber. Anzug, einer sogar mit Weste, beide blau gemusterte Hemden – haben die sich abgesprochen? Bei einem der Hals etwas länger, insgesamt ‘ne Bohnenstange. Erzählen die ganze Zeit von irgendeinem Streit im S-Bus. Bei der Pointe geht’s immer um ‘nen Knopf am Ausschnitt und irgendeinen Lackaffen. Wiederholungszwang? Oder haben die was genommen?

In jedem Fall sind Frank Heibert und Hinrich Schmidt-Henkel Wiederholungstäter, und das schon seit 34 bzw. 29 Jahren. Zum Glück für alle Leser*innen übersetzter Literatur! Nun haben sie gemeinsam eine Neuübersetzung der Queneau’schen Stilübungen vorgelegt und alle Besucher*innen der Buchprämiere am 26. Mai zudem noch mit ihrem Entertainmenttalent beglückt.

Obwohl die kurze Begebenheit, die Raymond Queneau in 120 Stilübungen immer wieder neu aufschrieb, keinerlei erzählenswerten Plot hat, kommt doch keinen Moment Langeweile auf. Im Gegenteil, lange habe ich nicht mehr so Tränen gelacht, z. B. bei der Stilvariante „Makkaronisch“ , also ein Text im sogenannten Küchenlatein („Sol erat altissimus in himmelo, caloria enormissima. Senatus populusque Parisiensis schwitzabant …“), oder bei den „Italianismen“, die Hinrich Schmidt-Henkel auch in folgendem Video performt, das der Suhrkamp-Verlag zu diesem Buch gedreht hat:

Vor realem Publikum wirkten die beiden Übersetzer noch gelöster und schienen selbst einen Heidenspaß zu haben. Auch hier betrieben sie zugleich Aufklärung: (mehr …)

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Neudings erscheinen auch auf VICE Artikel über die Zustände in den Universitäten. Der Literaturwissenschaftler Ole Petras hat heute einen lesenswerten Text darüber geschrieben, dass die Studierenden seines Fachs, in dem es ja vor allem um das Lesen  von Büchern geht, keine Bücher mehr lesen, die nicht beim Prüfungsamt abgerechnet werden können, weil sie das sonst von der planmäßigen Erfüllung ihres workloads abhält.

Die Katze beißt sich hier übrigens in den Schwanz: Wenn die Möglichkeiten einer eingehenden Beschäftigung sinken, sinkt notwenig auch das Komplexitätsniveau und mit ihm die Relevanz des Faches. Ist dieser Status erstmal erreicht, kürzt die Politik ihre exzellenzbasierten Zuwendungen, wodurch sich die geschilderte Situation verschärft. Ich dramatisiere ein bisschen, aber es geht ja um Strukturen, nicht um Sonderfälle. Niemand möchte die alte Ordinarien-Universität zurückhaben, in der die Professoren nach Willkür und Gewissen schalteten. Aber die Eventualität von der Autorität einer verdienten Forscherin oder eines Forschers, in die Geheimnisse des Faches eingeführt zu werden, setzt eine andere Grundhaltung voraus als Angst. Die Durchdringung eines Faches braucht Zeit, Muße, Ruhe und lässt sich nur sehr bedingt komprimieren.

Ich schließe mit einem eigentlich überflüssigen Plädoyer für die offene Universität und ein entkrampftes Curriculum. Ferner schweige ich von der Situation der Heerscharen befristet angestellter Lehrkräfte. Es bleibt zur Zeit nichts als der Versuch, sich die eigene Begeisterung für den Gegenstand zu bewahren und in allen Fällen bürokratischen Irrsinns eine gesunde Resilienz an den Tag zu legen. Man kann nicht alles wegoptimieren. Und wenn es einen Bereich geben sollte, der von der (auch gesellschaftlich ja nicht sooo super laufenden) Ökonomisierung aller Lebensbereiche ausgenommen ist, dann die Universität. Der Elfenbeinturm, in dem wir einem beliebten Vorurteil zufolge noch immer sitzen, ist schon seit langer Zeit aus Plastik. Und wird einer Gummizelle immer ähnlicher. Was wir brauchen, ist ein Baumhaus. Und eine Neuordnung des Rabattsystems.

In unserer Studie Library Life gibt es übrigens auch ein Kapitel, das sich mit dem Verhältnis von Muße und Nutzen (in) der Wissenschaft als eine Frage beschäftigt, die schon in der Antike dahingehend diskutiert worden ist, ob Wissenschaft bzw. Gelehrsamkeit von otium (Muße) oder negotium (Geschäft) bestimmt sein sollte. Seneca hatte klar für das otium optiert. Wenn Schiller später die erbärmliche Gestalt des im 18. Jahrhunderts überall anzutreffenden „Brotgelehrten“ verächtlich machte, um den philosophischen Kopf zu adeln, der den Lohn für seine Mühe nicht (wie eben der Brotgelehrte) in Geld und Anerkennung, sondern allein in der Versenkung in seinen Gegenstand suche, so würden heute wohl die Meisten aus den „Heerscharen befristet angestellter Lehrkräfte“ auf ihr Brotgelehrtendasein liebend gern verzichten, um sich mußevoll dem hingeben zu können, was sie sich vom Studium ihres Fachs vielleicht einmal versprochen hatten. Macht sich dieses Versprechen heute schon vom Studium an verdächtig? Müßig jedenfalls wird der Rat zur Muße, wenn der Lohn, den sie verspricht, in keinem Arbeitsplan und Rabattsystem mehr abgerechnet werden kann.

Wie auch immer die Diskussion über die Reform der Universitäten ausgehen wird – man sollte Baumhäuser irgendwo im Curriculum mit unterbringen.

Mehr über Library Life gibt es hier.

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In der ZEIT (24/2015) ist letzte Woche ein Artikel erschienen, in dem sich 7 WissenschaftlerInnen verschiedener Disziplinen sich Missstände an den Universitäten beklagen. Ein sich wiederholendes Thema ist dabei die Bürde des ständigen Schreibens von Anträgen, das zunehmend die eigentliche Forschungszeit auffrisst. Anträge zu schreiben ist notwendig geworden, um die eigene Arbeit zu sichern – zum einen finanziell; zum anderen aber auch, um sie zu legitimieren, indem man quantifizierbare Leistungen produziert.

Die Anforderung an Wissenschaft, „sichtbar“ zu sein, führe aber, besonders in den Geistes- und Kulturwissenschaften, nicht nur zu einer bürokratischen Belastung, die das, was sie ausweisen soll, eigentlich behindert, sondern auch zu einer qualitativen Veränderung der wissenschaftlichen Tätigkeit und ihrer Akteure, wie Barbara Zehnpfennig erklärt, die Politische Theorie und Ideengeschichte an der Universität Passau lehrt:

Die immer wieder geforderte „Sichtbarkeit“ besteht etwa darin, dass man als Professor viele internationale Kontakte hat, nur noch in Netzwerken forscht, interdisziplinär arbeitet und viele Drittmittel einwirbt. Das sind Dinge, die man nach außen präsentieren kann, weil sie quantifizierbar sind.

Das Problem mit dem geisteswissenschaftlichen Tun ist ja, dass so schlecht sichtbar ist, worin es eigentlich besteht – außer im Reden und Schreiben von Texten. Wozu die Texte aber gut sind, ist auch nicht ohne Weiteres sichtbar. Und was alles getan werden muss, damit Texte überhaupt entstehen – lesen, denken, diskutieren, schreiben – ist kaum in Zahlen auszudrücken.

Insofern findet hier – folgt man der herrschenden Logik – auch keine Forschung statt. Genau dies ist eine der problematischen Folgen jenes Drucks, Sichtbares zu produzieren: das Nichtsichtbare gerät in Rechtfertigungsnot.

Beugt man sich diesem Rechtfertigungsdruck nicht und hält einfach an der tradierten Praxis geisteswissenschaftlicher Arbeit fest, lässt sich das eigene Tun vor dem Hintergrund nicht mehr legitimieren. Darum sei ein bestimmter Forschertypus, der genau das tut, was er eigentlich tun soll, in dem System nicht mehr beschäftigungs- oder berufungsfähig, wie Zehnpfennig kritisiert:

Wenn ein Bewerber für einen geistesgeschichtlichen Lehrstuhl, wie geschehen, mit dem Argument abgelehnt wird, er sei ein „Gelehrter“, läuft etwas entschieden falsch.

In der kürzlich bei meson press erschienenen Studie Library Life. Werkstätten kulturwissenschaftlichen Forschens, haben wir  versucht, die Arbeit von Kultur- und Geisteswissenschaftlern sichtbar zu machen. Dabei sind wir auch zu der Vermutung gelangt, dass der Gelehrte eine aussterbende Spezies ist, jedenfalls an der Universität. Versteht man ihn als den natürlichen Bewohner des vielkritisierten, patriarchal und feudal organisierten „Elfenbeinturms“, muss man dem nicht unbedingt nachtrauern. Es betrifft aber auch den Typus „kritischer Intellektueller“, dem es gerade auf die gesellschaftliche Relevanz seiner emanzipatorisch verstandenen Tätigkeit ankommt. Auch er kann den Wert seines Tuns nur schlecht quantifizieren – und dadurch in dem System auf Dauer nur schlecht behaupten, wenn er Ansprüche auf die Quantifizierbarkeit seiner Arbeit zurückweist.

Ein anderes Problem adressiert Marcus Kracht, Professor für Theoretische Computerlinguistik und Mathematische Linguistik an der Universität Bielefeld, indem er auf die kaum problematisierten energetischen Grundlagen akademischer Forschung hinweist:

Wissen kostet Geld, aber auch Strom. Manchmal stelle ich mir vor, was passieren würde, wenn an der Universität der Strom ausfällt: Es gäbe es keine Experimente mehr, keine Literaturrecherche, keine Notenvergabe, keine Verwaltung. Das Stromnetz ist unsere Achillesferse. Doch wir forschen kaum über solche wachsenden Abhängigkeiten.

Einige dieser materiellen Abhängigkeiten der vermeintlich ganz immateriell operierenden Geistes- und Kulturwissenschaften haben wir in unserer Studie auch in den Blick genommen. Überraschende Einsichten haben wir dabei gerade bei den Dingen erlangt, die noch nicht einmal Strom, aber bestimmte Zeiten, Orte und Ordnungen brauchen, die wiederum von sehr vielen anderen Dingen abhängen, über die in der Regel nicht nachgedacht wird, wenn man über Wissenschaft spricht. Darüber aber vielleicht mehr in einem späteren Beitrag.

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Während die Konferenz Zugang gestalten dieses Jahr im Hamburger Bahnhof eine „Zwischenbilanz der unterschiedlichen Projekte zur Digitalisierung des kulturellen Erbes“ zog (vgl. die Eindrücke von der letztjährigen Konferenz im Jüdischen Museum Berlin), beschäftigte sich zeitgleich nicht allzu weit entfernt auch der Literaturbetrieb mit der Digitalisierung. Die Deutsche Literaturkonferenz hatte am 13. November zu einem Symposium mit dem Titel „Voll digital. 10 Jahre E-Books: Schreiben, Lesen und Verlegen“ ins Grimm-Zentrum der Humboldt-Universität eingeladen.

Blick zum Rednerinnenpult vor vollbesetzten Zuschauerreihen

Die Schriftstellerin Nina George beim Symposium „Voll digital“ am 13.11.2014

Auch hier ging es um Zugang und wie er sich gestaltet bzw. wie wir ihn gestalten sollten. Kathrin Schmidt erzählte in ihren einführenden, wohlgewählten Worten, wie sie selbst nach und nach erst Zugang finden musste zum elektronischen Buch. Mittlerweile kann sie mit E-Books jedoch so gut ihrem Vielleserinnentum frönen, dass ihr Mann nur noch einmal im Jahr statt monatlich neue Regalbretter anbringen muss. Auch habe sich das Spektrum ihrer Lektüre erweitert, weil sie nun virtuell auch zu Büchern ‚greife‘, die sie eher nicht auf dem Wohnzimmertisch liegen lassen würde, um Diskussionen zu vermeiden. Um welche Bücher es sich dabei handeln könnte, ließ Kathrin Schmidt offen.

Nina George, ebenfalls Schriftstellerin, führte in ihrem späteren Beitrag aus, dass sich die Warengruppe 483 – Buchhandelsbegriff für Erotika – als E-Book besonders gut verkaufe. (mehr …)

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Happy Ruhetag!

Da persona madrelingua tedesca posso dire
La lingua tedesca mi è cara come una madre.
E siccome anche una madre, almeno un giorno
Ha bisogno di riposo
Lasciamola riposare oggi
Che è il suo giorno.

14. September 2013 Die deutsche Sprache tut so viel für uns. Gönnen wir ihr eine Pause! (Ruhe-)Tag der deutschen Sprache.

Finalmente può dormire fino a tardi
E mangiare la prima colazione al letto.

E poi
Magari anche in altri giorni ci viene in mente
Di farla riposare
E vedremo
Che ci sono tante altre lingue belle nel mondo
Madri di altre persone
E son tutte belle le mamme del mondo!

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Dieses Buch kann man nicht rezensieren. Man kann es nur zitieren. Denn alles, was man beim Lesen über das Buch denkt, artikuliert es kurz darauf selbst.

„Gerald Linds literarisches Debüt Zerstörung ist, die Terminologie des Textes aufgreifend, ein Phallogozentrismus auto(r)erotischer Art, eine gut geölte Selbstauratisierungs- und -inszenierungsmaschine, eine Galerie des megalomanischen Self-Making, ausschließlich bestückt mit autohagiographischen Texten, das eigenikonographierte Portrait of the Academic as Angry Young Artist, ein Anti-Entwicklungsroman mit sich verlaufendem Handlungsbogen.“

Blaues Buchcover von Gerald Lind: Zerstörung, mit einer 13 darauf.

Buchcover © Neofelis Verlag

So charakterisiert die „Patentrezension“, die das Buch im „Appendix I“ gleich mitliefert, das Romandebüt des promovierten Österreichers. Vom Verlag als „Roman“ verkauft, steht im Buch selbst: „Ich scheiße auf einen Untertitel. Ich scheiße auf eine gattungspoetische Deklaration.“ Ein Benennungsvorschlag für die Textsorte findet sich dann in einer Fußnote der „I. Hauptrede“, die in Form einer Seminararbeit über den Roman Zerstörung von Gerald Lind verfasst ist: Es handelt sich ihr zufolge um einen „intratextuelle[n] Paratext“. Da der Text zum Paratext nicht existiert bzw. beide in eins fallen, tragen mit Kürzeln belegte Zitate aus dem in den Hauptreden analysierten Roman Zerstörung (wenn sie nicht aus einem anderen Teil des Buches übernommen sind) die Seitenzahl der Seite, auf der sie zitiert werden. Der „Themenkomplex Literatur und/als wissenschaftliches Schreiben“, um den und in dem der ‚Roman‘ somit kreist, wird natürlich ebenfalls vom Autor selbst benannt (S. 69) und ausführlicher beschrieben (S. 109 f.).

Dieser Exorzismus eines promovierten Germanisten und Kulturwissenschaftlers, der das aufgesogene Wissen durch Zerstörung wieder loswerden, aus dem Denk- und Schreibgefängnis der Wissenschaft ausbrechen will, um literarisch schreiben zu können, fing nach Aussage des Autors auf der Rückfahrt von einer Konferenz an, wo er alles listete, was ihn nervt: (mehr …)

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