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Archive for the ‘Rezipiert’ Category

Für die Sprachkünstlerin Barbara Köhler war Textarbeit immer auch Beziehungsarbeit, wovon wir uns einiges abschauen können. Dabei ging es – wie für die meisten Schreibenden – zunächst einmal um die Beziehung als Autorin zur Sprache: „Ich rede mit der Sprache, manchmal antwortet sie./ Manchmal antwortet auch jemand anders“, heißt es im ersten Gedicht des Bandes Blue Box von 1995. Außerdem setzte sie ihre Texte in Beziehung zu Texten der Tradition, in ihrem Debütband Deutsches Roulette von 1991 etwa mit der Lyriktradition von Novalis und Hölderlin über Brecht hin zu Bachmann und Celan. Für Niemands Frau von 2007, „An Odyssey for Our Time“, wie es im Titel eines wissenschaftlichen Bandes dazu heißt, hatte sie sich sogar Griechisch „soweit draufgedrückt“, dass sie mithilfe eines Wörterbuchs mit dem Originaltext der Odyssee in Dialog treten konnte.

Auch ihr Gedicht an der Fassade der Alice-Salomon-Hochschule in Berlin, mit dem das vieldiskutierte Gedicht „Avenidas“ von Eugen Gomringers überschrieben wurde, tritt formal und inhaltlich mit diesem Subtext in Beziehung, legt sich wie ein Palimpsest darüber. (mehr …)

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Auf der Fortbildung zum Thema Sprachwandel im Literarischen Colloqium Berlin, von der ich zuletzt berichtete, beschäftigte sich ein Vortrag und eine Werkstatt mit dem Thema »Leichte Sprache« als ein Produkt bewusster Sprachlenkung. Als Vortragende eingeladen war die Linguistin Bettina M. Bock, die neben den Themen Inklusion, Schulbuch, DDR (z.B. Publikationen zum Sprach­gebrauch von IM), auch zu Leichter Sprache geforscht und das Buch Leichte Sprache – kein Regelwerk herausgegeben hat (Volltext als PDF-Download bei der Universität Leipzig).

»Leichte Sprache« – was ist das überhaupt?

Foto der gleichnamigen Powerpoint-Folie

»Das macht die Bundes-Bank. Erklärt in Leichter Sprache«

Die Leichte Sprache ist eine künstlich geschaffene Varietät des Deutschen, die intuitiv in der Praxis entwickelt wurde. Die benannte Zielgruppe ist durchaus heterogen: Menschen mit sogenannter geistiger Behinderung/ Menschen mit Lernschwierigkeiten, Deutschlernende, Menschen mit geringen Lese­kompetenzen, Jugendliche mit geringer Bildung, Demenzkranke … (mehr …)

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Am 5. September hatte das Literarische Colloquium Berlin zu einer ganz­tägigen Übersetzer*innen-Fortbildung zum Thema »Fremde Texte – eigene Texte« eingeladen. Die Übersetzerinnen Gabriele Leupold und Eveline Passet, Kuratorinnen dieser Fortbildungsreihe, sagten einleitend, das Thema sei u.a. inspiriert von der Welle hoch­kochender Emotionen im Mailing-Forum des Berufs­verbands der Literatur­übersetzer*innen, nachdem der Verbands­name geschlechter­gerechter angepasst wurde zu »Verband deutsch­sprachiger Übersetzer/innen literarischer und wissen­schaftlicher Werke e.V.« (mit Slash, also keines­wegs allzu neu­modisch oder diversere Geschlechter mitberück­sichtigend, und man kann nicht behaupten, dass der Name vorher besonders griffig gewesen wäre, weshalb intern ohnehin alle nur VdÜ sagen). Es solle jedoch nicht nur um das Gendern gehen, sondern all­gemeiner darum, inwieweit wir beim Über­setzen von Texten eigene An­passungen vornehmen.

Referent am Rednerpult, neben ihm an die Wand projiziert steht

Anatol Stefanowitsch stellte seinem Vortrag im LCB eine Inhaltswarnung voran.

Um hoch­kochende Emotionen ging es auch im Vortrag des Sprach­wissenschaftlers Anatol Stefanowitsch, bekannt u.a. durch Sprachlog.de und den »Anglizismus des Jahres«. (mehr …)

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Derzeit höre ich in Berlin noch öfter Italienisch als üblich, weil sich den hier lebenden Italiener*innen, die ich in Läden oder auf Spielplätzen in meinem Kiez treffe, noch die sommerlichen Städte-Tourist*innen hinzugesellen.
Diese bekommen auf http://www.cosafarei.it/berlino 13 Tipps, was sie in Berlin unbedingt machen sollten. Spannender als die einigermaßen vorhersehbaren touristischen Highlights fand ich die anschließenden vier Hinweise, was Italiener*innen in Berlin lieber nicht tun sollten:
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Vor Jahren habe ich hier im Blog mal Adam und Eva herangezogen, um über unterschiedliche Schuldgefühle und Schuldzuweisungen bei als Männer oder Frauen sozialisierten Menschen zu schreiben (vgl. den Beitrag »Der Apfel ist schuld«). Durch einen spannenden Text von Debora Antmann im Missy Magazin über »Die sechs Geschlechter im Judentum« ist mir (wieder einmal) aufgefallen, wie christlich geprägt meine als allgemein widergegebene Behauptung war, »Eva sollte schuld an der Vertreibung aus dem Paradies sein, weil sie Adam verführt habe«. (mehr …)

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Bereits im Oktober letzten Jahres ging die Website zum Forschungsprojekt #frauenzählen online. Die Hauptergebnisse der Studie, für die innerhalb eines Monats 2036 Buchbesprechungen in 69 deutschen Medien (Print, Hörfunk, TV) sozialwissenschaftlich ausgewertet wurden, sind folgende:
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Am 6. März 2019 hatte das Literarische Colloquium Berlin sich und uns James Baldwin »auf Wiedervorlage« gelegt (vgl. Veranstaltungsankündigung). Erster Programmpunkt war der Dokumentarfilm I Am Not Your Negro (Raoul Peck, 2016), der auf beeindruckende Weise deutlich macht, wie aktuell Baldwins Werk auch heute noch ist und dass die notwendige grundlegende Veränderung der Verhältnisse noch immer aussteht.

Anschließend waren die Übersetzerin Miriam Mandelkow, deren Neuübersetzungen von Baldwins Werken seit 2018 bei dtv erscheinen, und die Autoren Max Czollek, Michael Götting und Temye Tesfu eingeladen, Lieblingstextstellen aus Baldwins Texten vorzustellen und zu diskutieren. (mehr …)

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Über den Papierhandtüchern in einer Toilette steht "Auch als e-Book erhältlich"

Alle Fotos: mimmiamara

Zwischen Familie, Beruf und Berufung war dieses Jahr nur ein halber Tag in Frankfurt drin, aber auch in ein paar Stunden auf der Buchmesse kann mensch viele Inspirationen tanken, auf Schritt und Tritt alte Bekannte treffen und sich gepflegt betrinken.

Frisch angekommen, schlendere ich durch Halle 3.1 und wundere mich gerade noch, warum der Stand der Deutschen Bundes­bank direkt neben den Religionen zu finden ist. Soll man auch an sie glauben?

Über das Leben mit dem täglichen Antisemitismus

Da stolpere ich schon in eine Veranstaltung, auf der Blogger­kollegin Juna Grossmann ihr aktuelles Buch Schonzeit vorbei. Über das Leben mit dem täglichen Anti­semitismus vor­stellt (mehr auf https://irgendwiejuedisch.com). Sie plädiert für die Beschäftigung mit lebenden statt nur mit toten Jüdinnen und Juden. Es sollte auch in der Bildung viel mehr um heutiges jüdisches Leben gehen; statt Gedenk­stätten zu besuchen, also z.B. Bücher lebender Jüdinnen­*Juden lesen. Weil die jüdische Gemeinde eher klein ist und nicht jede*r persönlich eine Jüdin kennt, gibt es u.a. Aktionen wie „rent an jew“ für Schul­klassen. (mehr …)

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Robert Menasse erzählt die EU als von Menschen gemacht – und deshalb tragikomisch

Foto der Spiegelung von Publikum und Bühne in der Glasdecke des AtriumsAls ich Unter den Linden in Berlin dieses repräsentative Atrium mit gewöhnungs­bedürftiger Akustik betrete, trauere ich ja doch ein wenig der intimen Atmosphäre im Buchhändler­keller nach, wo ich vor etlichen Jahren Robert Menasse bei seiner Lesung aus Ich kann jeder sagen lauschte und wo man von allen Plätzen jede Träne im Augenwinkel des Autors erkennen konnte. Aber natürlich sei ihm der Deutsche Buchpreis gegönnt, er hat ihn verdient! Und so gehe ich wenigstens in der literatur­interessierten Menge unter, als Robert Menasse zu Beginn erst einmal ein Foto von uns schießt. Er sei ja auf Facebook und weil er da nichts Persönliches schreibe, wisse er nie, was er reinstellen soll, also postet er Fotos seines „geliebten Publikums“.

Dann aber setzt er sich zu Moderator Thomas Böhm (von den „Literatur­agenten“ auf Radio 1) auf die Bühne und erzählt von der Entstehung seines Romans Die Hauptstadt bzw. vor allem von Brüssel und Europa. Vieles davon konnte man literarisch eingebettet schon bei der Lektüre seines Romans erfahren, in der Mündlichkeit hat es jedoch erneut seinen Reiz – insbesondere Menasses schön österreichische Aussprache von „Schwein“. (mehr …)

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Teil des Problems sein

Seit knapp zwei Jahren lebe ich nun in Wilhelmsburg. Die hiesigen Diskussionen und Berichte um Entwicklung und Gentrifizierung des Stadtteils begleiten mich seither permanent, wohl auch, weil ich Teil des Problems bin. Für die Süddeutsche Zeitung hat der Journalist Thomas Hahn sich nun des Themas angenommen und in einem Beitrag vor allem drei Parteien zur Sprache kommen lassen: Marvin Willoughby, aufgewachsen in Wilhelmsburg, als Basketballprofi durch die Republik getourt und aktuell Geschäftsführer der Hamburg Towers, einem in Wilhelmsburg beheimateten Basketballverein mit Bundesligaambitionen; Karen Pein, Geschäftsführerin der IBA-Stadtentwicklungsgesellschaft, die sich mit ihrer Gesellschaft als „städtischer Projektentwickler“ nichts weniger zum Ziel gesetzt hat, als die „Stadt [Hamburg] neu zu bauen“; und Lutz Cassel, parteiloser Vorsitzender des Stadtteilbeirates und Musikredakteur in Rente, dem vor allem der soziale Wohnungsbau ein Anliegen ist. (mehr …)

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