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Posts Tagged ‘Bahnfahren’

Nun, da die Wahl hierzulande ganz anagrammatisch zu einem Schlund-Date wurde (mehr zu Anagrammen auf Wikipedia), fiel mir wieder ein, dass ich mich im Juni auf amüsantere Art mit dem Land beschäftigt habe, in dem ich lebe.

Auf dem Weg zu einem Workshop mit dem Titel »Versfuß mit Pferdefuß« lautete eine der Aufgaben zur spielerischen Vorbereitung eigentlich, ein Anagramm-Gedicht aus dem Wort »Deutschland« zu machen. Im Zug hatte ich jedoch weder eine Schere zum Ausschneiden und Verschieben von Buchstaben dabei, noch war die Internetverbindung im Niemandsland zwischen Spandau und Braunschweig gut genug, einen der verfügbaren Online-Anagramm-Rechner zu verwenden. Der Anagramm-Generator auf sibiller.de hätte mir beispielsweise unter anderem folgende Gedichtzeilen ausgespuckt:

DEUTSCHLAND
SCHALTEND DU
STACHELND DU
LATSCHEND DU

Also vertrieb ich mir die Reisezeit stattdessen mit dem Verfassen von Akrosticha über unser Land. Eines hatte tatsächlich schon mit der bevorstehenden Wahl zu tun, geisterte mir doch noch die morgendliche Radionachricht durch den Kopf, dass eine große Partei sich gerade für einen Wahlspruch mit zugehörigem Twitter-Hashtag entschieden habe. Das ergab in meiner Fingerübung dann Folgendes: (mehr …)

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Neulich auf der Durchreise, in irgendeinem Café einer deutschen Provinzstadt, wurde ich Zeuge eines Gesprächs zwischen drei Frauen, Ende 50, Anfang 60 am Nebentisch.

Frau 1:   Der Mensch muss wieder dahin kommen, dass jeder machen kann, was er will.
Kurze Pause
Es geht um was anderes im Leben.

Frau 2:  Isch kenn mi net aus.

Frau 3:  Müssen wir noch was essen, wenn wir noch einen Jägermeister nehmen?

Frau 1:  Es hat alles Ursache und Wirkung. Das gilt auch fürs Geistige. Wenn du sagst, du bist blöd, dann wirst du`s auch.

Frau 3:  Von irgendwas kann die Menschheit immer untergehen.

schaukelbabuschka

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Schon länger habe ich in meiner Pendelexistenz ein Problem mit der Polizei. Nicht weil ich selbst vom Aussehen her in die rassistischen Raster falle, nach denen Polizist_innen an Bahnhöfen Personenkontrollen durchführen. Sondern weil es mich jedes Mal moralisch empört und irgendwie hilflos dastehen lässt, wenn ‚Stichprobenkontrollen‘ so offensichtlich nach rassistischen Kriterien erfolgen. Noch im Sommer hatte ich mich bei Pro Asyl erkundigt, was ich gegen dieses Fremdschämen am Bahnhof tun könnte. Die freundliche Antwort gab meinem Schamgrund zwar einen Namen – „so was nennt man racist profiling und ist leider nicht neu“ – musste aber noch davon ausgehen, dass es nicht illegal ist und dass es individuell wenig Möglichkeiten gibt, das einzuschränken. Es gehe deshalb vor allem darum, die Öffentlichkeit immer wieder darauf aufmerksam zu machen, wie Flüchtlinge durch absurde Auflagen wie die Residenzpflicht eingeschränkt und bei Verstößen dagegen unnötig kriminalisiert werden. Diese Aufmerksamkeit versuchen auch die Betroffenen selbst durch Protestaktionen herzustellen.
Nun hat vorgestern immerhin das Oberverwaltungsgericht Rheinland-Pfalz entschieden,

dass die Bundespolizei im Rahmen von Personenkontrollen in Zügen Personen nicht anhand ihrer „Hautfarbe“ auswählen darf (Aktenzeichen 7 A 10532/12.OVG).
Das Gericht hat einer solchen Praxis eine klare Absage erteilt und sie für nicht vereinbar mit dem deutschen Grundgesetz erklärt. (Pressemitteilung des Deutschen Instituts für Menschenrechte)

Vielleicht stoße ich nun bald nicht mehr auf rassistische Polizeikontrollen. Wie schnell solche Entscheidungen allerdings in der Polizeipraxis ankommen, bleibt abzuwarten. Immerhin können aufmerksame Bürger_innen sich nun – sollte mensch wieder unfreiwillig Zeug_in werden – auf dieses Urteil berufen und die Beamt_innen an die Unzulässigkeit von racist profiling erinnern.

Das kann aber nur der Anfang sein. (mehr …)

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Die Sonne scheint und man freut sich trotz samstäglichen Frühaufstehens auf einen weiteren spannenden Buchmessentag. In der Bahnhofshalle angekommen schwant einem bereits: Es kann nichts Gutes heißen, wenn schon auf der Anzeigentafel der Hinweis „Zug stark besetzt“ erscheint. Auf dem Bahnsteig findet man gerade noch so einen Platz zwischen all den mehr (Manga-Kostüme) oder weniger bunten Leuten. Der einfahrende Zug Richtung Frankfurt ist dann aber schon so voll, wie es einem immer von japanischen U-Bahnen erzählt wird. Man erinnert sich an das letztjährige Schlangestehen vor den Buchmessenrollentreppen, das Gedrängel in den Gängen und den Sauerstoffmangel in Halle 4.1. Also versucht man gar nicht erst, diejenige zu sein, die den Stehplatz der einzigen aussteigenden Person ergattert. Publikumstage auf der Buchmesse sind eher unmögliche Tage.

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"Zugabteile II", Foto: (c) KlauzZzZwischen Kassel-Willhelmshöhe und Berlin, 23. Februar 2012

Als ich in den Zug umstieg, der mich in die Hauptstadt zu einer interdisziplinären Konferenz über „Materialität, Ästhetik und Inszenierung von Rechtskörpern“ bringen sollte, kramte ich nach meinen Reisedokumenten. Ich hatte mir einen Fensterplatz reservieren lassen, da ich nicht riskieren wollte, für einen dreistelligen Betrag mehrere Stunden in einer aussichtslosen Lage verbringen zu müssen. Der Zug war ziemlich voll. Technisch gesprochen: optimales Fleischgewicht. Darauf war ich bereits von dem Bahnangestellten am Schalter vorbereitet worden. Seit ich das letzte Mal diesen Service in Anspruch genommen habe, ist der Preis für Reservierungen von 1 auf 4 Euro gestiegen. Die 300%ige Preissteigerung hatte ich allerdings gleichmütig hingenommen, da mir die Reisekosten ja ohnehin erstattet würden.

Als ich Platz 85 in Wagen 6 mit meinem dokumentierten Anspruch darauf erreichte, hatte sich der Zug bereits in Bewegung gesetzt. Ich stand vor einem 6er-Abteil, in dem sich eine Familie breit gemacht hatte. Zwei Mädchen saßen am Fenster, eins davon auf meinem Platz; die Mutter an der Tür mit ausgestreckten Beinen den Eintritt für jeden Neuankömmlich versperrend; der Vater gerade ein Picknick auf den übrigen noch unbesetzten Plätzen vorbereitend. Auf dem Boden lag allerlei Gepäck so verteilt, dass man nicht wusste, wie man ohne Umstände einen Fuß hätte in das Abteil setzen sollen.

„Hier ist alles schon voll“, erklärte die Mutter, nachdem ich es endlich gewagt hatte, die Tür aufzuziehen. „Es ist kein Platz mehr frei. Oder haben Sie…“

„…ich habe eigentlich eine Reservierung“, entgegnete ich in zurückhaltender Tonlage, während ich mit meinem Dokument nur andeutungsweise in die Richtung meines Platzes wies, weil ich mir noch nicht sicher war, wie ich im Weiteren vorgehen würde. Sollte ich meinen Anspruch durchsetzen? Das hätte bedeutet, die nötigen Selbstbehauptungsverfahren und Umräumvorgänge einzuleiten und vor allem, eines der beiden Mädchen vom Fenster zu vertreiben.

„Das geht nicht. Da sitzen schon die Kinder“, kürzte die Mutter meine Überlegungen ab. Der Vater pellte unverdrossen Frühstückseier. Ich blickte zu den beiden Mädchen. Da saßen sie und setzten mich mit ihrer Unschuld unter Druck. Die jüngere von beiden hätte meinen Forderungen weichen und auf einen langweiligeren Platz in der Mitte des Abteils wechseln müssen. Und dann? Vielleicht würde sie traurig oder sogar bockig und schließlich anfangen, herumzujammern. Oder es wäre ihr egal und sie würde bald vergnügt weiterspielen, jauchzen und eben so meine Ruhe stören. Eines war klar: Ich war ein unerwünschter Eindringling und meine Bedürfnisse nach einer entspannten Bahnfahrt waren mit den Ansprüchen der Familie in diesem Abteil nicht zu vereinbaren.

„Sie müssen sich woanders einen Platz suchen“, insistierte die Mutter, die mir indesssen noch zugestand, notfalls den Klappsitz, unter den sie nach wie vor ihre Beine streckte, freizugeben, so dass ich mich also auf den dürftigen Eckplatz im Eingangsbereich hätte quetschen können. Entweder ich machte jetzt also mit allem Nachdruck meinen Anspruch geltend, mit all den unvorhersehbaren Konsequenzen für den weiteren Fortgang der Reise, oder ich akzeptierte die ultima ratio in Gestalt zweier Gören. (mehr …)

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Seit ich optisch zu den Normalbürgern übergelaufen bin, muss ich mich bei Personenkontrollen am Bahnhof nur noch fremdschämen. Wer leicht graumeliert dunkelblonde Haare hat, kann wohl gar kein Krimineller sein – selbst wenn (oder vielmehr gerade wenn) Kriminalität so weit gefasst wird, dass schon die zufällige Geburt in einem ‚falschen‘ Land oder von den ‚falschen‘ Eltern dazu gehört, so sie in verweigerter Aufenthaltserlaubnis oder eingeschränkter Reisefreiheit mündet.

Als meine Haare noch hennarot leuchteten und ich in selbstgenähten Kordminiröcken und leicht ramponierten Schnürstiefeln unterwegs war, wurde auch ich am Bahnhof von Polizisten aus der Masse der Reisenden herausgefischt, musste mich ausweisen und meinen Rucksack durchsuchen lassen. „Ihr Idioten, wenn ich in das Raster falle, nach dem Ihr die Leute auswählt, dann findet Ihr doch maximal die kleinen Fische, die nur irgendwelches Zeug verticken, weil sie selbst arme Schweine sind. Diejenigen, die im großen Stil mit Drogen Geld verdienen, fallen optisch sicherlich viel eher in Eure Vorstellung vom ‚deutschen Normalbürger‘, und wer weiß, ob die überhaupt Bahn fahren.“ Sowas Ähnliches dachte ich mir damals zwar, aber ich hatte keinerlei Ohnmachtsgefühl, konnte ich doch selbst entscheiden, ob ich diese Gedanken auch ausspreche, wie freundlich oder unfreundlich, kooperativ oder den Prozess verzögernd ich mich der Situation stelle – ich wusste ja, dass sie die Falsche herausgefischt hatten und bei mir nichts finden würden. Damals war ich offenbar auch noch nicht so in Eile.

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Als notorische Bahnreisende ist mir die Spezies der Autofahrer_innen eher fremd. Ich verstand also nur Bahnhof, als ich an einem ebensolchen, von mir häufig frequentierten Ort das folgende Schild las:

Was mensch als Autofahrer_in so alles erleben kann. Welche Welten mögen sich da wohl eröffnen, wenn man mit einem Auto einen Stellplatz ansteuert? Aber was vor allem hat es mit dem Zyklus des  Parkens auf sich?

Haben Autofahrer_innen so zwei Tage bevor sie parken wollen oder müssen grundlos schlechte Laune, sind schräg drauf und fangen wegen jedem Mist an zu heulen? Und schmerzt es dann erstmal einen Tag, wenn das Auto in den Stellplatz eingeparkt wurde, bis man entspannter loslassen kann und sich an die vorübergehend neue Weltsicht ohne Auto gewöhnt hat?

Wenn mich jemand aufklären könnte …

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