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Posts Tagged ‘Familiengeschichte’

Das Verhältnis von Kolonialismus, Antikolonialismus und Emanzipation ist vieles, aber gewiss nicht eindimensional; dennoch wurde es oft genug eben so gedacht. [1] Beispielsweise vor gut dreißig Jahren von meinem Vater, der als Kader einer – zuletzt durch Sven Regeners Neue Vahr Süd zu neuer Prominenz gekommenen – maoistischen K-Gruppe glaubte, jede Einmischung eines Staates in einem anderen sei imperialisitisch und böse, jeder Kampf gegen eine solche Einmischung antiimperialistisch und gut, was dann folgerichtig zu einer Parteinahme für das „Demokratische Kampuchea“, soll heißen für die Roten Khmer, und gegen den „vietnamesischen Imperialismus“, soll heißen gegen die Beendigung des Massenmordes in Kambodscha, führte.

Genauso eindimensional nur in umgekehrter Richtung machte es sich 100 Jahre zuvor Jules Ferry, als er die bis heute fortwesende [2] Idee der mission civilatrice ausformulierte, nach der die Eroberung und Kontrolle eines „unzivilisierten“ Landes durch die Kolonialmacht den Kolonisierten nach einiger Zeit zum „zivilisierten“ Glück  gereichen sollte – dass die Realität nicht nur im französischen Imperium anders aussah, bedarf keiner weiteren Ausführung.

Weitere 30 Jahre zuvor glaubte Marx irgendwo zwischen diesen Polen zu wissen, der Kolonialismus sei grausam und das von ihm angerichtete Leid „sickening“, doch erfülle er dabei die Aufgabe, mit überkommenen Ordnungen, mit „despotism“, „superstition“ und „traditional rules“ aufzuräumen und somit den Weg für die angedachte „wirkliche“ Emanzipation freizumachen – auch das hat, vorsichtig ausgedrückt, so nicht hingehauen.

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