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Posts Tagged ‘frühling’

Ohne Neid blickt sie auf Sekt und Kuchen am Nachbartischchen, auf das ausgelassene Lachen, das ihr an anderen Tagen vielleicht zu laut oder aufgesetzt vorgekommen wäre. Heute gefällt ihr das rauschende Leben um sie herum, in das sie sich still schmunzelnd einfügt. Wozu Fernweh entwickeln, ob New York, Las Vegas, Japan oder was auch immer gerade angesagt wäre, wenn die Sonne scheint und bei allen mindestens ein Lächeln herauskitzelt.

Heute keine Apple-Parade drinnen im Café, jeder für sich vor seinem Schutzschirm gegen die Welt. Nein, die Sonne lacht, und alle kommen aus ihren Löchern, holen sich irgendwo eine Pizza oder Sushi, flanieren oder setzten sich in den Park. Natürlich kommen auch die ganzen Tölen der Umgebung raus, aber selbst das stört sie heute nicht. Sie betrachtet den Typ dahinten mit dem Tattoo, der ständig auf sein iPhone schaut, als erwarte er sehnsüchtig eine sms oder mail. Jaja, die Liebe oder der Frühling oder beides macht sogar diese harten Kerle wuschig wie sonst nur die Aussicht auf einen dicken BMW oder Audi, an dessen Steuer sie ein bisschen angeben können. Oder verfällt sie gerade in Klischees?

Versunken betrachtet sie die Crema auf ihrem Espresso, spürt den Bewegungen der letzten Nacht nach, die sie noch in ihren Knochen spürt, den Rhythmen in ihren Sehnen, der Musik in ihren Muskeln. Nicht mal Wein hatte sie getrunken, der sie aus der Achse hätte werfen können, war trotzdem berauscht gewesen, hatte sich so fortlaufend im Kreis bewegt, war bewegt worden, bis sich die letzten Töne in der Nacht verloren hatten und diese bald dem Tag gewichen war. Nicht aus der Achse, aber aus der üblichen Bahn geworfen fühlt sie sich nun nach nur wenigen Stunden Schlaf, als habe sie die Fassung verloren, in die sie sonst eingeschraubt ist, ein Glühlämpchen am Dynamo der Welt. Alle um sie herum noch Teil des Getriebes, scheinen auf der Suche nach irgendetwas und wenn nur nach der Unvernunft, sich im März schutzlos der Sonne auszuliefern, um möglichst schnell braun zu werden. Sie gehört heute einer anderen Zeit an, aus Glück und Nichts und Güte, als seien Wünsche und Suchbewegungen verjährt. Wenn jetzt kein kühler Wind aufkommt, dafür aber bald Weltfriede und Gleichwürdigkeit aller Geschlechter und Körperformen eintritt, ist alles gut, denkt sie.

Doch als sie aufsteht und ihren Caffè bezahlt, weiß sie plötzlich, dass auch sie auf einer profaneren Suche ist, dass ihre Suchbewegung weitere Bewegungssuche sein und was sie also zu Hause schnell mal googlen wird: wann in Gepunkt die nächste Milonga stattfindet.

für kallibri und die suchenden von 2011, für schweigen, tanzen und trashtexten

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Ich-will-Frühling!! Das ist eine auf Facebook-Seiten gerade sehr vehement vertretene Forderung.

Daher eine kleine Aufmunterung, ein Rat aus dem „Immerwährenden Hauß= und Land=Wirthschaffts=Calender“ von 1696:

»Der Anfang des Frühlings ist gemeiniglich angenehmer als das End/
dieweiln das Ende windig und truncken zu seyn pfleget.
Es ist aber die angenehmste und lustigste Zeit des gantzen Jahrs/
und gleichsam eine Figur des zukünfftigen Lebens/
in welchem … nach einem kalten schaurichten Winter … die Ewige Freud erlanget wird.«

… klingt doch nicht schlecht: das Ende wird trunken sein und es ist immer noch die lustigste Zeit des Jahres und später, in der Ewigkeit, solls genauso weitergehen.
Also durchhalten und weiter auf den Frühling bestehen!

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