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Posts Tagged ‘Fußball’

Ich komme gerade aus dem Osthessischen zurück. Ob es auf den noch heute spürbaren Einfluss von Bonifacius und Sturmius (nicht einer Comic-Lektüre, sondern den gewissenhaften Worten einer Stadtführerin entnehme ich diesen Namen) zurückzuführen ist, habe ich nicht herausfinden können. Doch offenbar scheint es dort ein ungeschriebenes Gesetz zu geben, als Frau keinerlei Leidenschaft beim Fußballgucken zu zeigen.

Ein Indiz dafür waren bereits die in Bayern-Trikot und -Hut im Brauhaus sitzenden Damen. Trotz ihrer Aufmachung zeigten sie keinerlei Anteilnahme am Champions League-Spiel auf der Leinwand. Und auch nach dem Spiel von Begeisterung oder Freude keine Spur.

Den letzten Beweis aber lieferte ein Besuch der Damentoilette im Keller:

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Leider habe ich zu spät daran gedacht. Es wäre sicher eine lohnende Geschäftsidee gewesen, rechtzeitig vor dem gestrigen Abend ein Zwiebelschneidelokal aufzumachen – wie in Grass‘ Blechtrommel. Dann hätten diese Typen gestern in meiner Kneipe gesessen und mir Geld dafür bezahlt, beim Zwiebelschneiden Rotz und Wasser zu heulen. Das wäre auch für die wenigen noch Zurechnungsfähigen angenehmer gewesen, als zuzusehen, wie die in ihre Fahnen Gewickelten Altkleidercontainer umwerfen oder ihren Frust an unschuldigen Baustellenumzäunungen auslassen …

Ob Rainald Grebe eigentlich auch an Die Blechtrommel gedacht hat, als er in einem seiner Lieder textete:

Ich kann mir vieles vorstellen, ich hab viel Fantasie – aber zwiebelschneidende Nazis konnt‘ ich nie.

Vielleicht wären die Einnahmen also doch nicht so üppig ausgefallen. Und eigentlich habe ich auch Besseres zu tun, als in ihrem Größenwahn gebremsten Schwarz-Rot-Gold-Nasen ihre Zwiebelschalen hinterherzuräumen.

Dann drücke ich jetzt lieber ganz entspannt für den dritten Platz die Daumen – und wenn es nicht reichen sollte, verteile ich hinterher gerne ein paar Taschentücher.

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Ja, ja, mittlerweile ist es wohl bei jedem mehr oder weniger WM-interessierten Nutzer von Informationsdiensten angekommen: am Sonntag findet eine Neuauflage des „Klassikers“ Deutschland gegen England statt.

Bereits im Vorfeld werden zahlreiche Interpretationen geboten: Ein Teil der Experten stützt sich bei der Analyse  vorwiegend auf die beteiligten Handlungscharaktere und deren  möglichen Konstellationen. Andere versuchen den dem Duell zugrunde liegenden Ideenkonflikt in den Mittelpunkt ihrer Interpretation zu stellen. Schließlich werden sogar mentalitätsgeschichtliche Aspekte herangezogen, um  mögliche Reaktionen auf den ja noch unbekannten Ausgang des „Klassikers“ abschätzen zu können. Dr. Patrick Ian Watson beschreibt den englischen Seelenzustand nach dem möglichen Ausscheiden wie folgt:

Dann wird sich eine lange Geschichte des Versagens fortsetzen. Die Engländer sind daran gewöhnt, dass die Nationalmannschaft versagt. Es gehört sozusagen zum Selbstverständnis.

Diese Unerschütterlichkeit ist beruhigend. Zwischenzeitlich sind auch in Deutschland kritische Stimmen von ehemals beteiligten Akteuren zu hören, die angesichts der Banalität des Fußballspiels die Frage aufwerfen, ob die Gattungszuweisung als „Klassiker“ überhaupt haltbar ist. Im Fußball sind die Gattungsgrenzen schließlich noch fließender (oder sollte man gleich sagen: beliebiger?) als in anderen Disziplinen: Tragödie, Komödie, Märchen, Utopie… Seit kurzem gibt es auch den Vorschlag, die Phantastik stärker in den Blickpunkt zu nehmen – oder wie sollte man die nachfolgend beschriebene Begegnung gattungstheoretisch korrekt einordnen?

England geht dreimal in Führung, Deutschland gleicht dreimal aus. Mit einem 3:3 geht es in die Verlängerung, dann trifft Özil, auf der Gegenseite Rooney zweimal, mit dem Schlusspfiff Schweinsteiger zum 5:5. Elfmeterschießen. Die zehn ersten Schützen verwandeln, und nicht nur die. Sämtliche Bankspieler auch, die ersten zehn müssen noch einmal ran, die Bankspieler ebenfalls, irgendwann verschießt Schweinsteiger, im Gegenzug Gerrard. Nach 118 Elfmetern bricht der Schiedsrichter wegen vollkommener Übermüdung der Spieler die Begegnung beim Stande von 59:59 ab.

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Der Spickzettel, Teil 2

Am Sonntag ist wieder soweit. Erst gilt es 120 Minuten spannend-erfolgloses Fußballgedudel zwischen England und Deutschland zu überstehen, um dann 10 Minuten Elfmeterschießen im Zeitraffer zu überleben.

Einem Maulwurf – nein, kein Franzose – innerhalb der Three Lions sei Dank, gelangte ein klitzekleines Detail der englischen Vorbereitungen nun an den deutschen Trainerstab: Die Liste der englischen Elfmeterschützen. Nach langwieriger aber ertragreicher Videoanalyse war es Chefscout Urs Siegenthaler und Towarttrainer Andy Köpke möglich, bereits jetzt einen Spickzettel für Manuel Neuer anzufertigen. Völlig überraschend wurde dieser Spickzettel an die Autoren des hiesigen Blogs weitergeleitet (Danke, Franz!) und  soll daher im Folgenden  der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt werden.

Anmerkung des Autors: Mit Wettbewerbsverzerrung ist aufgrund der Veröffentlichung des Spickzettels nicht zu rechnen. Alle Angaben ohne Gewähr, Haftungsausschluss siehe Impressum. Es gilt die Fair Use Doktrin.

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… in Fortsetzung des Beitrags von mimmiamara „Konferenzreisen in den Zeiten der Aschewolke“.

Im deutschen Sprachgebrauch gibt es derzeit ein neues Modewort, das alle anderen zu überflügeln scheint: Vuvuzela/s. Noch vor sieben Tagen wusste in Deutschland kaum jemand, was das ist, diese südafrikanische farbenbunte Krach-Tröte aus Plastik.

Doch seit am vergangenen Wochenende die WM begonnen hat und Deutschland sich im Fußball-Fieber befindet, wird sogar in den ‚Tagesthemen’ von der Vuvuzela gesprochen. ModeratorInnen variieren das Wort fantasievoll und sagen es so oft wie möglich (meistens in einer neuen Version), damit sie es sich, so scheint es, selbst besser merken. (mehr …)

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Gelsenkirchen im November 2009. Das Testspiel der deutschen Fußballnationalelf gegen die Elfenbeinküste ist gerade beendet, da diktiert der Kölner Lukas Podolski den anwesenden Reportern folgenden Satz in die Notizbücher: „Der Robert hat uns zugeschaut.“ Er beschreibt damit auf die ihm eigene Art vor allem einen Umstand: Robert Enke, soeben verstorben, ist in diesem November allgegenwärtig. Und soll – so der Wunsch der Verantwortlichen – auch allgegenwärtig bleiben.

Der Robert hat uns zugeschaut.

Nicht-Vergessen: Robert-Enke-Stiftung

Wortlaut der Traueranzeige des DFB: „Wir alle werden Robert Enke nicht vergessen und in guter Erinnerung behalten.“ Medien und Öffentlichkeit schließen sich an, der Tenor ist überall der gleiche: Robert Enke, sein Schicksal, darf nicht vergessen werden. Dennoch, knapp eine Woche vor dem ersten Gruppenspiel der deutschen Elf scheint Robert Enke nicht Nicht-Vergessen. (mehr …)

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Die Fußball-WM steht vor Tür oder besser vor dem Kontinent. Denn anstatt in heimischen Gefilden müssen unsere Soccer-Gurus ihre Fähigkeiten diesmal auf dem afrikanischen „SubKontinent“ unter Beweis stellen. Neben allerlei fußball-martialischer Ästhetik erwartet den hoffnungsvollen Zuschauer dabei auch die eine oder andere Lektion in Sachen Biologie und Genetik. Im Interview mit dem Tagesspiegel ließ Bundestrainer Joachim „Jogi“ Löw seine Expertise bereits anklingen und konstatierte in Bezug auf den zukünftigen Gruppengegner Ghana:

Physisch haben die Afrikaner vielleicht durch ihre Genetik allen anderen etwas voraus.

Da der Jogi als Vertreter der postkolonialen Biologie(wissenschaft)en nach 1945 sich aber durchaus der Problematik des Genetikbegriffs bewusst ist, präzisiert er an anderer Stelle seine Vorstellungen weiter:

Die Afrikaner haben enorme Vorteile, weil sie genetisch bedingt eine unglaubliche Ausdauer, Schnelligkeit und körperliche Präsenz mitbringen.

Die jeweiligen Interviewpartner und anwesenden Pressevertreter scheinen mit dieser Form der Rhetorik kein Problem zu haben. Mit Verweis auf den BundesJogi zitieren sie das deutsche Sieger-Gen und könnten somit dazu beitragen, dass das Konzept des Postkolonialismus auch in Deutschland endlich einer breiten Öffentlichkeit verständlich wird.

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