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Posts Tagged ‘Germanen’

Was Mitarbeiter_innen kulturwissenschaftlicher Einrichtungen in den sogenannten Semesterferien tun, dürfte unschwer zu erraten sein: Sie beschäftigen sich natürlich weiter mit Kultur. Ich zum Beispiel bei einer Team-Fortbildung u. a. mit der Kommunikationskultur im Kollegium. Mindestens so spannend und zu noch ausgelassenerer Stimmung führend war jedoch der abendliche Aufbruch zu Feldforschungen in mittelhessischer Ethnologie.

Wähnte ich Gießen schon als Mittelpunkt des prallen Lebens, belehrte mich das „Musik und Szenelokal Oxygen“ eines Besseren. Von außen durch wenig farbenfrohes Grau getarnt, entpuppte es sich innen als Hort deutscher Kultur vom Feinsten. Statt Sauerstoff und Musik war die Szene allerdings in erster Linie von zwei Kegelbahnen bestimmt.

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Leider habe ich zu spät daran gedacht. Es wäre sicher eine lohnende Geschäftsidee gewesen, rechtzeitig vor dem gestrigen Abend ein Zwiebelschneidelokal aufzumachen – wie in Grass‘ Blechtrommel. Dann hätten diese Typen gestern in meiner Kneipe gesessen und mir Geld dafür bezahlt, beim Zwiebelschneiden Rotz und Wasser zu heulen. Das wäre auch für die wenigen noch Zurechnungsfähigen angenehmer gewesen, als zuzusehen, wie die in ihre Fahnen Gewickelten Altkleidercontainer umwerfen oder ihren Frust an unschuldigen Baustellenumzäunungen auslassen …

Ob Rainald Grebe eigentlich auch an Die Blechtrommel gedacht hat, als er in einem seiner Lieder textete:

Ich kann mir vieles vorstellen, ich hab viel Fantasie – aber zwiebelschneidende Nazis konnt‘ ich nie.

Vielleicht wären die Einnahmen also doch nicht so üppig ausgefallen. Und eigentlich habe ich auch Besseres zu tun, als in ihrem Größenwahn gebremsten Schwarz-Rot-Gold-Nasen ihre Zwiebelschalen hinterherzuräumen.

Dann drücke ich jetzt lieber ganz entspannt für den dritten Platz die Daumen – und wenn es nicht reichen sollte, verteile ich hinterher gerne ein paar Taschentücher.

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Dass ein so genanntes „großes Turnier“ vor der Tür steht, erkennt man hierzulande eindeutig an dem vermehrten Auftreten von Schwarz, Rot und Gold. Denn nicht einmal beim Song Contest kann man so gut zeigen, dass in Deutschland „endlich wieder“ alles normal – und normal heißt flaggenschwingend – ist, wie man es beim Fußball kann. Nun will ich mich aber gar nicht lange damit aufhalten, dass schon das seit 2006 immer wiederkehrende Herausschreien der Normalität nicht auf Normalität, sondern auf Leichen im Keller verweist. Auch nicht damit, dass eine solche Normalität vielleicht gar nicht erstrebenswert ist. Stattdessen erfreue ich mich an den illustren Formen, die diese drögen drei Farben so annehmen. Zum Beispiel in der „FANtastischen“-Produktauswahl des Discounters Penny. (mehr …)

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Manchmal drängt das innere Kopfschütteln nach außen und ich spüre den Windhauch auf den Wangen. Zum Beispiel vor Kurzem, als ich unter der Rezension eines Sammelbandes zu Judenbildern in Literatur und Film, in dem gerade die Konstruiertheit ‚des Juden‘ (im namenlosen Singular) herausgestellt wurde,  den Link „Bin ich Jude? Genetische Herkunftsanalysen, Judentum DNA-Test“ fand. Dort wird mit Aussagen wie

Im Gegensatz zu Dokumenten sind genetische Informationen fehlerfrei.

mit dem Wunsch der Menschen nach „Gewissheit“ über ihren ‚Ursprung‘ gerechnet und Geld verdient – schließlich kostet so ein Test ab 105 Euro aufwärts. Indirekt wird mit solchen Behauptungen auch die Aussagekraft von Natur- vs. Kulturwissenschaften verhandelt. Obwohl die Schweizer Firma zugibt, dass sich über die Jahrhunderte nur eine „gewisse“ genetische Homogenität herausgebildet habe und „[j]e nach genetischem Profil […] eine eindeutige Zuteilung nicht möglich“ sei, verspricht sie doch, „über Ihre wahre Abstammung“ zu informieren.

Mich interessiert vor allem mein Urstamm, zu welchem Volk ich gehöre,

soll mir eingeredet werden, und unter den Top 4 scheint neben jüdischer Abstammung die von Wikingern, Kelten und Germanen zu stehen, wie die Verlinkung nahelegt.

Angeblich sollen die genetischen Studien zeigen, dass Rassismus Unsinn ist, weil nur sechs Prozent aller Deutschen väterlicherseits germanischen Ursprungs sind, während jeder Zehnte jüdische Vorfahren habe. Die Fixierung auf die ‚Wahrheit der Gene‘ aber birgt m.E. die Gefahr, erst recht so etwas wie ein ‚jüdisches Gen‘ zu postulieren und gesellschaftlich, familiär, religiös, kulturell und politisch bedingte, historisch gewachsene Differenzen zu essentialisieren. Die folgende Begründung aus dem Artikel zum Thema auf Hagalil.com erschließt sich mir logisch jedenfalls nicht sofort:

Durch die sich wiederholenden Judenverfolgungen und -verdrängungen entwickelte sich über die Jahrhunderte eine gewisse genetische Homogenität, die durch einen DNA-Test sichtbar wird.

Der Artikel auf dieser Internetplattform zu jüdischen Themen wird übrigens auch von der Schweizer Firma verlinkt, allerdings unter einer eigenen URL, die ihnen erlaubt, nur eigene Werbung um den Artikel herum zu schalten. Fazit: Mit dem Ausspielen der Naturwissenschaft gegen die Geistes- und Kulturwissenschaften lässt sich hier offensichtlich Geld machen – dass es unbedingt zu einer höheren ‚Wahrheit‘ führt, würde ich bezweifeln.

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