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Posts Tagged ‘Geschichte’

Da es in diesem Blog schon mehrfach um Formen des verschlüsselten Schreibens ging (im Brief und im Logogryph), bietet es sich an, dem Thema eine Reihe zu widmen. Wer weiß, vielleicht sammeln wir auf diese Weise verschiedene Arten des geheimen Schreibens und Lesens, die – man kann es nie wissen – vielleicht einmal im eigenen Leben wichtig werden. Weiter geht es also mit der Geheimtinte.

Schon Ovid empfahl den Römerinnen, ihre geheimen Nachrichten mit Milch zu schreiben. Lenin soll diese Form der unsichtbaren Schrift in der Haft verwendet haben (und zwar nicht nur für politische Mitteilungen, sondern auch um zum Beispiel Nadeshda Krupskaja seine Liebe zu gestehen). Mittlerweile gehört die Geheimtinte zum Ferienspaß jeder Jugendfreizeit – mit Milch, Zitronensaft, Essig oder ähnlichem schreibt man eine Nachricht, die verschwindet, wenn sie getrocknet ist (am besten man verwendet eine Feder oder einen Füllfederhalten zum Selbstfüllen). Will man die Schrift wieder zum Vorschein bringen, hält man den Bogen an eine Glühbirne, über Feuer oder streicht mit dem Bügeleisen darüber.

*

Es gibt aber noch raffiniertere Rezepte – nämlich wenn man einen Brief in schwarzer Tinte erhält, mit einem bestimmten Fluidum die Schrift gänzlich zum Verschwinden bringt und stattdessen die andere, die geheime Nachricht, zu Tage tritt. Ein Rezept für solch eine „sympathetische Tinte“ (grch. ‘Zuneigung ausdrückend’, laut Duden auch ‘eine geheimnisvolle Wirkung ausübend’) findet sich in dem nützlichen Handbuch Der vollständige Schreibmaterialist (mehr …)

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In den toskanischen Hügeln hoch über Florenz liegt das European University Institute, das EUI. Hier in alten Villen zwischen Olivenhainen und Orangenbäumen, zwischen 3-Gänge Mensa-Menü und abendlichem Cocktail-Empfang scheint das marode Europa noch in Ordnung. „The bubble“ oder auch „Zauberberg“ nennen es die Doktoranden aus allen Herren Länder, die sich glücklich schätzen können, an einem solch paradiesischen Ort zu promovieren.

11.11.2011: Anstatt des Karnevals wird am EUI heute mit einer feierlichen Zeremonie nach dem Vorbild angelsächsicher Traditionsuniversitäten das akademische Jahr 2011-2012 eingeleitet. Special Guest ist Herman Van Rompuy, Präsident des Rates der EU, der heute zu der versammelten europäischen Doktorandenschaft sprechen soll. Als (weniger special) „Guest“ am EUI lasse ich mir eine solche Gelegenheit nicht entgehen. Gespannt betrete ich die alte Kirche der Badia Fiosolana – dem Hauptgebäude des EUI – und bahne mir den Weg durch Sicherheitsleute, Carabinieri, Pressevertreter und schwatzende Doktoranden.

Die Veranstaltung beginnt mit dem Einzug der Professoren zu feierlicher Musik. Sie tragen schlecht sitzende Talare und wirken etwas beschämt. Die Ausnahme bildet Professor HGH, ein bekannter deutscher Sozialhistoriker, der mit einem grauen Jackett bekleidet ist. Wer er es vielleicht, der Anno 1968 das berühmte Plakat „Unter den Talaren – der Muff von 1000 Jahren“ gemalt hatte?

„So, where’s Dumbledore?“ raunt ein Doktorand hinter mir angesichts der phantasievollen Zauberumhänge. Statt des Direktors von Hogwards betritt aber nun der Präsident des EUIs, ein katalanischer Berufseuropäer, das Rednerpult, der –anscheinend in Anlehnung an historische Dekanskleidung- eine Art knallorangenes Lätzchen aus feinstem Polyester trägt. „Pumkin“, spottet der Doktorand hinter mir. „A pumkin with a tail“ bemerkt sein Nachbar und deutet auf die lange Kapuze, die von der Rückseite des Umhangs baumelt. Die dazugehörige orangefarbene Kappe, die mit einer enormen Bommel besetzt ist, hat der Präsident glücklicherweise auf dem Tisch liegengelassen.

Es folgt ein Loblied auf das Institut mit Schlagworten wie „Exzellenz“, „Interdisziplinarität“, „Transnationalität“ etc., das durchaus auch in G. gehalten hätte werden können. Das EUI, so der Präsident, sei ein Think Tank, wo Europa weitergedacht werde. Seine Absolventen, die europäische Elite von morgen, eigne sich hier die Kompetenzen an, Europa zu gestalten.

„Das also ist Europa?“ frage ich mich, während ein Orchester Beethovens 9. Symphonie vorträgt und Herman Van Rompuy ans Pult tritt.

Und dann passiert Europa. (mehr …)

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Stapel aus steinernen Büchern auf der Buchmesse10:00 Halle 4.2

Man erfährt, dass man die Historikerzunft nicht mit zu viel Neuem überrumpeln darf. Deshalb vertraut das DFG-geförderte Portal recensio.net erst einmal auf das Web 1.5, um etablierte und neue Formen wissenschaftlicher Kommunikation über Bücher zusammenzuführen: Traditionelle Rezensionen werden online verfügbar gemacht, daneben gibt es die „Präsentation“ genannte Möglichkeit der Selbstanzeige. Letztere kann per Kommentarfunktion von anderen Wissenschaftler_innen (sogar Nicht-Historiker_innen, oha) sozusagen in Teilaspekten kurzrezensiert werden. Um die Qualität zu sichern, wird aber alles vor dem online-Gang von der Redaktion gesichtet.

11:00 Treffpunkt Foyer Halle 4.1

Die für eine Stunde angesetzte Hot Spot Tour to the Future of Publishing braucht schon über eine halbe Stunde zum Ansteuern ihres ersten Ziels: erst der Shuttlebus zur, dann die Sicherheitsperformance (= Taschenkontrolle) in Halle 8. Man lernt, dass die meisten Menschen wohl eher haptische als auditive Typen sind, denn sobald es was zum Draufrumdrücken gibt, hört niemand mehr zu. Auch wenn gewisse US-Verlage schon 20 % ihrer Erlöse mit eBooks erzielen und die Taschenbuchumsätze in den Staaten um 64 % eingebrochen sind, ist man vom ganzen eBook-Gehype der letzten Buchmessen schon etwas abgestumpft. Man nimmt zur Kenntnis, dass diese Formate in Deutschland immer noch bei 0,5 % dümpeln und lässt die anderen mit ihrer augmented reality allein, um rechtzeitig in Halle 5 zu sein.

12:00 Weltempfang, Halle 5.0

Im Gegensatz zu schon am zweiten Buchmessentag gestresst wirkenden Presse- oder Verlagsmenschen scheinen sich die sonst oft allein arbeitenden Literaturübersetzer_innen wirklich über Zusammentreffen und Gespräche zu freuen und überreichen einer Heidelberger Bibliothekarin, die sich mit Veranstaltungsformaten, die Übersetzer_innen und Übersetzungen ins Zentrum rücken, für die Zunft verdient gemacht hat, ernstlich wohlgesonnen und dankbar die Übersetzerbarke.

12:30 blaues Sofa, Übergang Hallen 4-5

Lizzie Doron klärt die Interviewerin, die nach ihrem Trauma gefragt hat, darüber auf, dass es (als Israeli allgemein und Tochter einer Holocaustüberlebenden erst recht) ein Segen wäre, nur ein Trauma zu haben, welches sie denn genau meine. (mehr …)

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(c) Manager Magazin

Die Märkte, in Aufregung

Wenn seit dem Ausbruch der Finanzkrise zunehmend davon die Rede ist, dass man die „Märkte beruhigen“ müsse, so weiß man nicht immer genau, ob da von einem fiebrigen Patienten die Rede ist, der durch ständige Telefonate, Krisensitzungen und Beschlüsse von Regierungen umsorgt und getröstet werden muss; oder von einem wütenden Drachen mit giftigem Odem, der ein ganzes Königreich zu verwüsten droht, wenn er nicht regelmäßig eine Jungfrau zu Fressen bekommt. Wer den Job erledigen muss, ist allerdings klar: „Die Politik muss die Märkte beruhigen.“

Aber wollen „die Märkte“ überhaupt beruhigt werden? Eigentlich finden sie es ja ganz „Super, wenn die Börsen schwanken“. Wetten auf fallende Kurse ermöglichen immerhin satte Gewinne. Gegen eine Regulierung der Finanzmärkte, z.B. durch eine Finanztransaktionssteuer, regen sich jedenfalls erhebliche Widerstände. Die Rede von der Beruhigung der Märkte enthält damit eine doppelte Irreführung. Denn sie täuscht darüber hinweg, wer oder was „die Märkte“ überhaupt sind. Es sind ja im wesentlichen Spekulanten und keine volkswirtschaftlichen Größen. Letztlich ist die Phrase nur ein Euphemismus für das Dilemma, dass man den Einfluss der Spekulation auf die Volkswirtschaft beschränken müsste, aber nicht kann. Doch befinden sich auch die Märkte in einem Dilemma. Denn der Bankrott ganzer Volkswirtschaften kann schnell den Bankrott ganzer Banken nach sich ziehen. Die dann ihrerseits wieder gerettet werden müssen – durch den Rettungsschirm, für den die Staaten wiederum Schulden auf dem Finanzmarkt aufnehmen (hier: Deutschlands Schuldenuhr). In dem Dilemma bekundet sich also so etwas wie ein „Gleichgewicht des Schreckens“.

Kalter Krieg der Schulden

Während des Kalten Krieges nannte man so das Atompatt zwischen den Nuklearmächten. Im Englischen heißt das „Gleichgewicht des Schreckens“ mutual assured destruction, also die „wechselseitige zugesicherte Zerstörung“, kurz: mad, was eben auch „verrückt“ oder „wahnsinnig“ heißt. Hinter dem Wahnsinn der atomaren Abschreckung stand natürlich eine rationale Logik: Eine Nuklearmacht hielt die andere durch eine ultimative Drohung vor dem Erstschlag ab, indem man sich wechselseitig einen alles vernichtenden Zweitschlag zusicherte. Für dieses „Gleichgewicht des Schreckens“ hatte der Mathematiker und Nobelpreisträger John F. Nash (bekannt durch den Spielfilm A Beautiful Mind) ein spieltheoretisches Modell entwickelt, das sogenannte „Nash-Gleichgewicht“ oder Nash equilibrium. Eine einseitige Aufkündigung dieses Gleichgewichts hätte das absolute Scheitern beider Parteien zur Folge gehabt. So sind sie gerade durch ihre Feindschaft zu einer unfreiwilligen Kooperation gezwungen.

Weltweite Staatsverschuldung

Weltweite Staatsverschuldung

Durch den Zusammenbruch des Ostblocks endete der Kalte Krieg und die Westmächte gelten als dessen Sieger. Denn die westlichen Demokratien haben sich als diejenigen Volkswirtschaften erwiesen, die den Rüstungswettlauf länger ökonomisch durchhalten konnten. Betrachtet man heute indessen den Stand der weltweiten Staatsverschuldung, könnte man sich fragen, „wer den Kalten Krieg tatsächlich verloren hat“ (Olaf Held). Nach dem weltweiten Sieg des Kapitalismus und seiner Krisen scheint sich das Gleichgewicht des Schreckens einfach nur auf eine andere Ebene verlagert zu haben.  (mehr …)

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Kürzlich erhielt ich von einer befreundeten Forscherin eine Email mit der Nachricht über ein bevorstehendes Metaphern-Festival an der Universität Stockholm. Ob wir nicht Gummistiefel und Zelt einpacken und nach Schweden fahren sollen.

Etwas verblüfft wusste ich nicht so recht, was ich auf die Frage antworten sollte. Ein Campingausflug in den skandinavischen September ist sicherlich alles andere als langweilig. Ein Bild mit vielen bunten Blättern, Lagerfeuer, Lachs und Knäckebrot entstand vor meinem geistigen Auge – das allerdings leicht zu tränen anfing, als das Wort ‚Festival‘ seinen Schatten über die imaginierte Herbstidylle zu werfen begann.

Auf einmal stürzt sich der Schatten in die bunten Laubhaufen, um daraus Scharen von Metaphernforschern zu formen, die sich immer dichter um das prasselnde Lagerfeuer drängen. „Warum ‚züngelt‘ die Flamme eigentlich?“, fragt eine der Laubgestalten. Daraufhin ein raschelndes Gelächter. Wie beleidigt schlägt die Flamme empor. Einige erkennen den Ernst der Frage und geben zur Antwort: „Weil sie die Nacht verschlingen will.“

Das ermutigt eine Gestalt aus der hinteren Reihe ein Gedicht Friedrich Nietzsches zu zitieren:

Ja, ich weiß, woher ich stamme:
Ungesättigt gleich der Flamme
glühe und verzehr ich mich.
Licht wird alles, was ich fasse,
Kohle, alles, was ich lasse
– Flamme bin ich sicherlich.

Die eben noch gelacht haben, treten nun zögerlich ein paar Schritte vom Feuer zurück und richten ihre Blicke auf die ominöse Vortragskünstlerin: „Was erlauben Sie sich?“, rascheln sie. Und alle, die bisher ernst geblieben waren, brechen in ein knisterndes Gelächter aus.

Plötzlich erhebt mit prasselnder Stimme das Feuer eine lodernde Frage. Ob man in das Gelächter nicht nur aus-, sondern auch einbrechen könne? Was die Gesellschaft hastig auseinanderstieben lässt. „Wollen doch mal sehen, wer hier wen verkohlt!“, zürnt das gefräßige Element. Und was an Blättern nicht zu Boden fällt, wird zu einem Raub der Flammen.

Benommen sehe ich den Funken nach, die in den nächtlichen Himmel aufsteigen und meinen Tagtraum mit sich nehmen. Wo war ich nochmal? – Ach ja. Der Schatten. Auf der Träne meines geistigen Auges. Angesichts der Email. Über das Festival – der Metaphern.

Der Schatten verzieht sich augenblicklich, als mir die Worte Wayne C. Booths einfallen, der bereits 1978 auf einem bedeutenden Metaphern-Symposium an der University of Chicago erklärte: „what we are doing in this symposium appears as part of an intellectual movement“. Dies wollte Booth durchaus als objektive Prognose verstanden wissen. Denn er hatte auf Grundlage bibliographischer Daten eine exponentiell anwachsene Zahl von Metaphernforschern festgestellt:

„I have in fact extrapolated with my pocket calculator to the year 2039; at that point there will be more students of metaphor than people.“ (Wayne C. Booth, Metaphor as Rhetoric 1978)

Was mir bisher als ein ironischer Kommentar zu einem wissenschaftlichen Hype erschien, erschließt sich mir nun als das Zeugnis einer bemerkenswerten Weitsicht. Die intellektuelle Bewegung der Metaphernforscher begnügt sich nicht mehr mit Symposien: „It started as internal departmental seminars on the character and occurrence of metaphors, but has grown into an international symposium on figurative language“, heißt es auf der Webseite der Stockholmer Universität. Nun ist es also ein Festival. Noch ist es ein Festival.

Festivals sind nur der Anfang. (mehr …)

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Der Anbruch eines neuen Jahres lädt gern zu Rückblicken verschiedener Art ein. WordPress ist hiervon keine Ausnahme. Am 2. Januar erreichte uns eine besinnliche Email von donotreply@wordpress.com. Aus ihr erfahren wir, wie die statistischen Hilfsaffen (stats helper monkeys) von WordPress.com über die Gesamtgesundheit unseres Blogs (overall blog health) befunden haben. Dem äffischen Urteil und seiner Visualisierung zufolge strotzen wir nur so vor Lebendigkeit:

Healthy blog!

The Blog-Health-o-Meter™ reads Wow.

Weiterhin erfahren wir, dass unsere Leser von 2010 24 Boeing 747 gefüllt haben würden, vorausgesetzt jeder der 9.800 Klicks in dem Jahr würde einem Passagier entsprechen. Nun ja, immerhin…

Die meisten Besucher erhielten wir übrigens am 22. Juni mit 126 Aufrufen. An diesem Tag wurde der Artikel Butler in Berlin von mimmiamara veröffentlicht, der zugleich der populärste Beitrag unseres Blog überhaupt ist, wie die Top 5 des vergangenen Jahres verrät:

Attractions in 2010

These are the posts and pages that got the most views in 2010.

1

Butler in Berlin June 2010
9 comments

2

Was sagen Sie zu Ghana, Herr Löw? May 2010
13 comments and 3 Likes on WordPress.com

3

Dioskurische Kernfragen: Wo sind Castor und Pollux? November 2010
3 comments

4

Impressum July 2009

5

Das Regal in der Wissenschaft December 2009
10 comments

Die Top 3 verdanken sich jeweils aktuellen Anlässen: (1) Butler in Berlin dem Besuch der Philosophin und Literaturwissenschaftlerin in der Hauptstadt anläßlich ihrer Ablehung des Zivilcouragepreises des Berliner CSD; (2) Was sagen Sie zu Ghana, Herr Löw? der bevorstehenden (bzw. bevorgestanden habenden) Fußball WM und die (3) Dioskurischen Kernfragen der jüngsten Blockade des Castortransportes. Das eher wenig informative Impressum dürfte ein gewisses Maß an ungesättigt gebliebener Neugier indizieren und das Regal in der Wissenschaft erlangte eine gewisse Popularität, weil der Vorschlag für ein Dissertationsprojekt nicht nur in bibliothekarischen Kreisen eine gewisses Aufmerksamkeit erregen konnte.

Where did they come from?

Interessant ist nun auch, woher unsere Leser zu uns finden, wenn sie einem Link folgen. Passend zur neuesten Meldung über den Krieg der Internetgiganten steht hier an erster Stelle facebook.com und, ziemlich abgeschlagen, hinter florisdumal.blogsport.de, blog.derbraunemob.info, log.netbib.de folgt google.de.

Sind unsere Besucher über Suchmaschinen auf unseren Blog gelangt, so folgten sie am häufigsten den Suchbegriffen kultur oder wissenschaft, boucher, blogkow, leda und wurstpalast gießen. Während die Kurz- und Langform unseres Blognamens die am wenigsten überraschenden Suchanfragen darstellen, scheint unsere Online-Kompetenz für den Gießener Wurstpalast ein gewisses Kuriosum in sich zu bergen – das sich aber schnell auflöst, sobald man nach der gastronomischen Attraktion bei Google sucht. Denn dort rangieren wir gleich hinter der Homepage des offenbar beliebten Gießener Fleischlokals.

Die schrägsten Blogvögel…

Einige Kuriositäten seien zum Schluss noch genannt. Unter den merkwürdigsten Suchbegriffen 2010, die – über welche Motive und Wege auch immer – auf unseren Blog geführt haben, firmieren (in subjektiver Auswahl):

  • zu dumm für die uni bzw. zu blöd für die uni
  • zwischen den zeilen lesen bzw. zwischen den zeilen schreiben (oft auch in Verbindung mit Frauen und Gefühl und wie geht das?)
  • wie lange sind rewe pfandzettel gültig
  • votze mit v oder f bzw. historysche votze und ursprung des wortes fotze
  • nutzlose maschine bestellen bzw. nutzlose maschine bauanleitung
  • müssen fussnoten immer unten sein
  • ich kann mir vieles vorstellen, ich hab viel fantasie, doch zwiebelschneidende nazis

Und mit einer letzten Suchanfrage möchte ich das kleine Sammelsurium der schrägsten Blogvögel – und mit ihm auch den Jahresrückblick 2010 – beschließen:

  • ich frage mich,was ich brauche, damit es mir nachhaltig gut geht

Offenbar bestand wohl ein direkter Zusammenhang zwischen dieser Frage und unserer overall blog health…

In diesem Sinne wünschen wir unseren Leserinnen und Lesern:

Ein frohes und gesundes Jahr 2011!

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Vor drei Tagen wurde in der Zeitschrift Science ein bemerkenswerter Artikel veröffentlicht, der einen „radikal neuen Typ wissenschaftlicher Unternehmung“ verheißt: „Culturomics“. Was sich dahinter verbirgt, ist eine Kooperation des Cultural Observatory an der Harvard University mit Google Books. Ein Team unter der Leitung von Jean-Baptiste Michel and Erez Lieberman-Aiden haben 2007 begonnen, das immense Textkorpus statistisch zu erforschen, das der Internetgigant seit 2004 in Kooperation mit über 40 Universitätsbibliotheken eingescannt hat. Inzwischen beträgt es über 15 Millionen Bücher, was ungefähr 12% der Menge aller jemals publizierten Bücher entsprechen soll.

Die Entschlüsselung des kulturellen Genoms

Was sich das Team von Michel und Lieberman-Aiden von der statistischen Auswertung des riesigen Textmasse verspricht, ist so etwas wie die Entschlüsselung des „kulturellen Genoms“:

We realized that the study of the evolution of culture needed something like a genome, a dataset so powerful that it would enable such analyses to be done rapidly, on any topic, not just irregular verbs. And we noticed that some of those really obscure books we used… had meanwhile popped up on Google Books. We put two and two together.

Das Ergebnis dieser Arbeit ist nun frei über Google BooksNgram Viewer zugänglich, mit dem über 5,2 Million Bücher nach bestimmten Wörtern oder Phrasen durchsuchbar sind, deren Häufigkeit man sich für einen gewählten Zeitraum grafisch darstellen lassen kann. So läßt sich über länge Zeiträume der Verlauf unterschiedlicher Entwicklungen, etwa von grammatischen oder thematischen Trends beobachten.

Kultur oder Wissenschaft?

Um zu prüfen, wie gut der Titel unseres Blog im geschichtlichen Trend der deutschen Sprache liegt, habe ich den Ngram Viewer einmal mit den Worten „Kultur“ und „Wissenschaft“ gefüttert. Für den Zeitraum von 1800 bis 2008 erhielt ich dazu folgendes Bild.

Kultur vs. Wissenschaft

Kultur vs. Wissenschaft

Kultur vs. Wissenschaft vs. Gott

Kultur vs. Wissenschaft vs. Gott

Während also die „Wissenschaft“ ein beliebtes Thema um 1800 gewesen ist, dass die „Kultur“ noch deutlich in den Schatten stellte, haben beide im Laufe der letzten Jahrhunderte eine Art Schulterschluss vollzogen, wobei es mit beiden allerdings gerade etwas bergab geht. Schlimmer hingegen hat es den Allmächtigen getroffen, der im Vergleich zu den beiden Themen noch sehr viel stärker abgestürzt ist.
Interessant ist allerdings das kurze Comeback des Schöpfers im deutschen Sprachraum zwischen 1942-1945, also genau in der Zeit, in der der Krieg wieder „heim ins Reich“ kehrte. Die Niederlage scheinen die Deutschen ihm sehr übel genommen zu haben, denn nach 1947 kehren sie ihm einfach wieder den Rücken zu. Oder wie sollte man den merkwürdigen Ausschlag interpretieren? Hier gibt Culturomics keine Antwort mehr, wirft aber interessante Fragen auf. (mehr …)

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