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Posts Tagged ‘Hochschulpolitik’

Feldnotizen von Andreas Hübner

Die Spatzen pfeifen es schon seit einigen Wochen von den Glasfaserkabeln, nun wird es Tag für Tag offizieller: Immer mehr deutsche Hochschulstandorte werden auch das kommende Wintersemester in digitaler Form bestreiten. Mit den entsprechenden Ankündigungen der Hochschulen geht ein grundsätzliches Missverständnis einher. So ist in den Meldungen häufig die Rede von einer Fortsetzung der digitalen Lehre, wenn doch eine Verstetigung der Notfalllehre gemeint scheint. Für Lehrende und Studierende bedeutet dies eine Verstetigung der in selbigen Meldungen gepriesenen „Flexibilität“ und „Improvisationsfähigkeit“, dem von den Hochschulleitungen ein fortwährender „Pragmatismus“ zur Seite gestellt wird. (mehr …)

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Ist der Fall Guttenbergs ein Sieg der Wissenschaft? Markiert der Aufstand im Elfenbeinturm die Geburt einer „neuen vernetzten Öffentlichkeit“? Welche Bedeutung hat die akademische Revolte für Kultur oder Wissenschaft? Notizen zu einer offenen Debatte.

Protest- und Triumphnoten

Mag der Fall Guttenbergs in die Geschichtsbücher eingehen, im Gesichtsbuch ist er längst verewigt. Mehr noch, der Fall scheint sich einzureihen in die denkwürdige Serie der „Facebook-Revolutionen“. Während unter dem Label die Bedeutung des Internets für die Aufstände in der arabischen Welt kontrovers diskutiert wird, wird nun auch hierzulande ein Sieg des Netzes über die Politik gefeiert.

KTG sei „der erste Minister, den das Internet gestürzt hat“ schreibt Robin Meyer-Lucht auf carta: „Der Rücktritt von Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg ist eine Schlappe für die Bild-Zeitung und ein Beleg für den wachsenden Einfluss kollektiver Informationsverarbeitung im Internet.“

„Netz schlägt Bild“, twittert auch Netzwelt-Ressortleiter Christian Stöcker und titelt auf Spiegel Online: „Netz besiegt Minister“. Die digital mobilisierte Wissenselite Deutschlands habe den beliebtesten Politiker des Landes zu Fall gebracht. Das mochte auch das „Springer-Schlachtschiff“ nicht mehr verhindern.

Markus Beckedahl von netzpolitik ist da skeptischer. Seiner Meinung nach waren „das Internet und kollektive Prozesse wie das Guttenplag-Wiki oder andere Aktionen […] wichtige Bestandteile, die dann zum Rücktritt führten. Aber ohne die traditionellen Medien wäre das so nicht passiert.“ Nichtsdestotrotz sieht er „eine gewachsene vernetzte neue Öffentlichkeit, wo das Internet nicht mehr wegzudenken ist.“ (siehe auch Beckedahls Interview in der Berliner Zeitung)

Nicht das Internet allein ist an allem schuld, aber ohne das Netz wäre nichts gegangen alles anders verlaufen, darin ist man sich weitgehend einig. Vor allem der von Doktoranden initiierte offene Brief an Angela Merkel mag hierbei eine entscheidende Rolle gespielt haben. Inzwischen drückt er den Unmut von mehr als 60.000 Unterzeichnern aus. Dabei war er nicht die erste und einzige, nur die eindrucksvollste Artikulation einer wachsenden Unzufriedenheit der akademischen Welt mit dem Verhalten ihrer Regierung.

Am 22.02.2011 forderten die Sprach- und Literaturwissenschaftler der LMU München den Bayerischen Staatsminister für Wissenschaft, Forschung und Kunst Dr. Wolfgang Heubisch in einem offenen Brief dazu auf, dem öffentlichen Eindruck entgegenzutreten, es handele sich in dieser Sache „um einen Kavaliersdelikt wie Falschparken […], das im Wissenschaftsbetrieb allerorten üblich sei“, und „nur ausnahmsweise von Linksradikalen aufgedeckt“ werde.

Am selben Tag rief Lutz Hachmeister, habilitierter Medienhistoriker und ehemals Leiter des Grimme-Instituts, weitere promovierte Wissenschaftler dazu auf, sich seiner Erklärung anzuschließen: „um für die Wissenschaft und die intellektuelle Würde zu retten, was zu retten ist, werden wir unseren Doktortitel solange nicht führen, solange Freiherr zu Guttenberg noch als Minister dieses Land vertritt.“

Dem „Offenen Brief“ der Doktoranden vom 24.02. folgt am 28.02 eine „Erklärung von Hochschullehrerinnen und Hochschullehrern„, in dem sich hunderte Professoren über das Vorgehen des Ministers entrüsten. Die sich vermehrenden, aber vereinzelten Protestaktionen ließen in vielen Foren und Blogs bald die Frage aufkommen, warum man sich nicht koordiniere, um die Kräfte zu bündeln.

Doch dafür blieb keine Zeit mehr. Der Minister kam der Bildung einer geballten Allianz der Wissenschaft zuvor und erklärte gestern überraschend seinen Rücktritt. Umso bemerkenswerter scheint der Erfolg der medialen Selbstorganisation akademischer Initiativen in der „vernetzten neuen Öffentlichkeit“, die alle etablierten Dispositive der politischen Machtspiele außer Kraft setzte.

Der Freitag gratuliert:

es waren genau die Universitären, die oft belächelten Gelehrten, die Elfenbeinturmbewohner, die Nicht-Bild-Leser, die hier die Machtprobe gegen die Bild-Zeitung und einen Bild-gestützten Umfrageliebling gewagt und gewonnen haben. […] Sie haben ihren Begriff von Wahrheit und Ehre verteidigt und sich selbst darauf verpflichtet. Dem Wissenschaftsbetrieb kann das nur gut tun.

Während der Sieg der vernetzten akademischen Öffentlichkeit über ein scheinbar übermächtiges politisch-mediales Bündnis gefeiert wird, regen sich nun aber auch warnende und skeptische Stimmen. Trotz der ermutigenden Ereignisse artikulieren sie ein gewisses Unbehagen an den Umständen und Folgen der akademischen Netz-Revolte. (mehr …)

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Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) macht sich gemeinsam mit jungen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern für berechenbare Karrierewege und bessere Arbeitsbedingungen in Hochschule und Forschung stark. Dazu wurde vor kurzem das ‚Templiner Manifest’ veröffentlicht, das im Netz einsehbar ist und immer noch unterzeichnet werden kann.

 

 

 

 

 

 

 

 

Die zentrale Aussage des Manifestes, so die Worte der GEW, bestehe darin, für berechenbarere Karrierewege und bessere Arbeitsbedingungen in Hochschulen und Lehre einzutreten. Befristete Arbeitsverträge seien an Universitäten und Fachhochschulen zur Regel geworden. Ein wachsender Anteil der Lehre wird von Lehrbeauftragten erbracht, die als ‚akademische Tagelöhner’ bezahlt werden, ohne Sozialversicherung, Lohnfortzahlung im Krankheitsfall oder Urlaubsanspruch. Selbst promovierte Fachkräfte gelten als ‚wissenschaftlicher Nachwuchs’. Die Frauenquote in führenden Positionen ist, wie bekannt, gering und auch die Vereinbarkeit von Beruf und Familie, ein Anspruch auf eine ausgewogene Work-Life-Balance sei nichts, wofür man sich in akademischen Kreisen entschuldigen muss.

Befristete Bund-Länder-Sonderprogramme wie die Exzellenzinitiative oder der Hochschulpakt, so die GEW, haben diese Probleme nicht gelöst, sondern verschärft. Zwar wurden die Rahmenbedingungen für einen erfolgreichen Einstieg in eine wissenschaftliche Laufbahn durch den Ausbau von befristeten Beschäftigungsverhältnissen und Stipendien verbessert. Aber die Perspektiven bleiben unsicher, weil es an der erforderlichen dauerhaft verlässlichen Ausstattung der wissenschaftlichen Einrichtungen fehle.

Wem sich die Möglichkeit eröffnet, suche Perspektiven in der Wirtschaft oder im Ausland, wo häufig verlässlichere Perspektiven und ein höheres Gehalt zu verhandeln sind als in der Wissenschaft. Das Kernproblem ist evident: Gute wissenschaftliche Arbeit und Engagement der Mitarbeiter und Forschenden lässt sich, bei aller Attraktivität, die der ‚Traumjob Wissenschaft’ haben mag, nicht endlos voraussetzen. Auch wenn Ausnahmen die Regel bestätigen und man von generellen Forderungen nicht auf jedes einzelne Institut oder Forschungszentrum schließen sollte, weist das Positionspapier der GEW grundlegende Tendenzen und Probleme auf, die innerhalb der deutschen Universitätslandschaft schon lange kein Geheimnis mehr sind. Das ‚Templiner Manifest’ und weitere Informationen rund um Bildung, Wissenschaft und Forschung finden sich auf der Homepage der GEW.

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