Feeds:
Beiträge
Kommentare

Posts Tagged ‘interkultureller Dialog’

Die Republik ist seit Jahren in Diskussionen um das Kopftuch verstrickt. Sind diejenigen, die es tragen, nun allesamt Islamistinnen? Oder sind sie Opfer patriarchalischer oder islamischer Unterdrückung? Oder sind es selbstbewusste Frauen, die ihr Recht auf kulturelle Selbstbestimmung gegen einen rassistischen Mainstream durchsetzen? Wollen die islamischen Männer ihre Frauen zwanghaft verhüllen oder die „weißen Männer“ die „braunen Frauen“ zwanghaft enthüllen? Und wer hat das Recht, welcher Frau wann vorzuschreiben, was sie zu tragen hat und was nicht? Und wer will das überhaupt? Dank eines Durchbruchs im interkulturellen Dialog, haben diese Verwicklungen nun ein Ende.
Der Kompromiss ist so genial, weil er das Problem quantitativ-arithmetisch löst. Bislang war das durchschnittliche Stück Stoff, aus dem der sich verhüllende Teil der Muslimas ein Hijab wickelt, – so die gängige Metapher – ungefähr einen Quadratmeter groß, also 100 cm lang, 100 cm breit und 10.000 Quadratzentimeter in der Fläche. Bisher war die Debatte ziemlich polarisiert: Die einen wollten eben diese 10.000 Quadratzentimeter, die anderen wollten genau 0 Quadratzentimeter Kopftuch. Nun schlägt das Antirassistisch-Interkulturelle Informationszentrum in Berlin im Rahmen seiner Tage des interkulturellen Dialogs den langerwarteten Kompromiss vor: Das 100-Quadratzentimeter-Kopftuch. 100 Quadratzentimeter, das ist zum Beispiel eine Fläche von zehn Zentimetern Länge und zehn Zentimetern Breite. Schneidet man ein DIN A4-Blatt in sechs gleichgroße Beinahe-Quadrate, hat man sechs solcher 100-Quadratzentimeter-Stücke. Das vorgeschlagene Kompromisskopftuch ist somit kleiner als die meisten Yarmulken und dürfte zu keinen hitzigen Debatten mehr führen, so dass sich die Öffentlichkeit anderen Matheaufgaben zuwenden kann, beispielsweise der Höhe von Minaretten oder der Reichweite von Eurorettungshebeln.

Read Full Post »