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writers-at-berlin-2017

Über dem Wannsee und der Gartenbühne des LCB bereiten sich die Wolken auf den nächsten Regenguss vor.

Mitte Juli hatte das Literarische Colloquium Berlin von 15–22 Uhr zum Gartenfest unter dem Titel »writers@berlin« eingeladen. Es gab ein umfangreiches Programm mit Lesungen, Gesprächen und Musik von und mit Schriftsteller*innen, die in Berlin leben, aber auf anderen Sprachen als Deutsch schreiben.

Da war beispielsweise zu erfahren, dass Gadi Goldberg in Berlin einen hebräischen Verlag gründen und damit an Tradition der 1920er anknüpfen will, oder dass Lizzie Dorons letzter Roman zuerst auf Deutsch erschienen ist, weil er von der Freundschaft mit einem palästinensischen Terroristen erzählt und kein israelischer Verlag das publizieren wollte. Sie las dann eine der wenigen Passagen auf Hebräisch vor, die im Deutschen noch ihrer hebräischen Originalfassung entsprechen und nicht durch das Lektorat verändert wurden – eben weil der deutsche Verlag das Erstlektorat gemacht hat, gebe es davon nicht sehr viele.

Wie der diesjährige Berliner Sommer insgesamt war das Wetter eher durchwachsen. Zum Glück gab es auch im Haus ein sehr attraktives Programm: (mehr …)

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Während die Konferenz Zugang gestalten dieses Jahr im Hamburger Bahnhof eine „Zwischenbilanz der unterschiedlichen Projekte zur Digitalisierung des kulturellen Erbes“ zog (vgl. die Eindrücke von der letztjährigen Konferenz im Jüdischen Museum Berlin), beschäftigte sich zeitgleich nicht allzu weit entfernt auch der Literaturbetrieb mit der Digitalisierung. Die Deutsche Literaturkonferenz hatte am 13. November zu einem Symposium mit dem Titel „Voll digital. 10 Jahre E-Books: Schreiben, Lesen und Verlegen“ ins Grimm-Zentrum der Humboldt-Universität eingeladen.

Blick zum Rednerinnenpult vor vollbesetzten Zuschauerreihen

Die Schriftstellerin Nina George beim Symposium „Voll digital“ am 13.11.2014

Auch hier ging es um Zugang und wie er sich gestaltet bzw. wie wir ihn gestalten sollten. Kathrin Schmidt erzählte in ihren einführenden, wohlgewählten Worten, wie sie selbst nach und nach erst Zugang finden musste zum elektronischen Buch. Mittlerweile kann sie mit E-Books jedoch so gut ihrem Vielleserinnentum frönen, dass ihr Mann nur noch einmal im Jahr statt monatlich neue Regalbretter anbringen muss. Auch habe sich das Spektrum ihrer Lektüre erweitert, weil sie nun virtuell auch zu Büchern ‚greife‘, die sie eher nicht auf dem Wohnzimmertisch liegen lassen würde, um Diskussionen zu vermeiden. Um welche Bücher es sich dabei handeln könnte, ließ Kathrin Schmidt offen.

Nina George, ebenfalls Schriftstellerin, führte in ihrem späteren Beitrag aus, dass sich die Warengruppe 483 – Buchhandelsbegriff für Erotika – als E-Book besonders gut verkaufe. (mehr …)

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Am Donnerstag und Freitag wurde auf der Tagung „Zugang gestalten“ im Jüdischen Museum Berlin über Verantwortung für den und Probleme mit dem Zugang zum kulturellen Erbe im digitalen Zeitalter diskutiert.

Pastoral ging es los und mensch fragte sich, ob das kulturelle Erbe so viele rhetorische Kunstpausen braucht, wie Dr. Klimpel sie einstreute. Hängt das damit zusammen, dass ihm als Junge in der Stadtbücherei niemand Gratismentalität vorgeworfen hat? Mit dem gesponsorten Mate-Drink und den Twitterkommentaren vor sich, sah mensch dem Tag aber trotzdem gespannt entgegen …

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Ein internationales Forscherteam hat die Wikipedia in 13 Sprachausgaben nach den umstrittensten Einträgen durchforscht. Auf diese Weise hoffe man, mehr über das menschliche Zusammenleben zu erfahren,wie einer der Mitautoren erklärt (Süddeutsche Zeitung). Aber was sollte man da erfahren können?

Vor ziemlich genau zwei Jahren erschien auf Zeit Online ein Artikel über eine Heidelberger Forschergruppe, die den sogenannten „Dispute Index“ entwickelt hat, demzufolge die Umstrittenheit eines Wikipedia-Artikels ein Indikator für die geopolitische Instabilität des Landes ist, auf das er verweist. (Blogkow berichtete: Die Biochemie der Weltgeschichte: Wikipedia als geopolitisches Orakel).

Wenn sich nun das Ranking des internationalen Forscherteams der umstrittensten deutschen und englischen Wikipedia-Artikel mit der Hypothese des Heidelberger „Dispute-Index“ verknüpfen lässt (was voraussetzen würde, dass dieser auch für die Umstrittenheit des betreffenden Landesartikels selbst gilt), würde das bedeuten, dass derzeit Kroatien, USA, EU, Kosovo und Mazedonien besonders von geopolitischer Instabilität bedroht sind.

Stimmt die Hypothese der Heidelberger Forscher, könnte man nun durch Einfügen oder Entfernen entsprechender Links im Internetlexikon maßgeblich Einfluss auf den Lauf der Weltgeschichte nehmen, wie er sich in der Prognose darstellt. Die zu erwartende Umstrittenheit solcher Eingriffe müsste dann unvermeidlich den Edit- zum Cyberwar eskalieren. Die Folgen wären nicht auszudenken.

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Der Kot ist die zusammengepresste Summe sämtlicher Indizien gegen uns. (Elias Canetti, „Masse und Macht“ 1960)

Sewer Cloud by Philipp Ronnenberg

Canettis Befund über den immanenten Zusammenhang von Macht- und Verdauungsvorgängen erlangt in Zeiten von Prism, Tempora & Co durch eine zukunftsweisende Technologie gänzlich neue Bedeutung. Im Rahmen seiner Entwicklung von Post Cyberwar Networks hat der Konzeptkünstler Philipp Ronnenberg die Sewer Cloud ersonnen, die Daten in DNA speichert, die in urbanen Kanalisationen herumschippert:

The insertion of data into the DNA is developed, amongst other reasons, to solve the problem of data storage. 1 gram of DNA is capable of storing up to 700 terabytes of data. This scientific development could provide alternative uses and novel ways of exposure of data. […]

The Sewer Cloud is a living, self-reproducing data network in the sewerage system of London. This living network is based on the insertion and extraction of data into the algae species Anabaena bacteria, which lives in water.

Data insertion and extraction out of algae could be regarded as a ‘grey area’ act; it would be legal to do so, but a lot of content that one could find in this network could be illegal. Corner shops would be providing machines where the extractions and insertions would take place. – (gefunden auf nerdcore.de)

Mit der informationstechnischen Erschließung städtischer Abwässer eröffnet die Sewer Cloud nicht nur enorme Möglichkeiten für big data, sondern – natürlich – auch ganz neue Herausforderungen für allfällige Überwachungsmaßnahmen und quasi die Kompostierung personenbezogener Daten. Es dämmert die Post-Privacy Ära der Toilette. – Wenn Elias Canetti das geahnt hätte:

der privateste Augenblick ist jener der Absonderung; wirklich allein ist man nur mit seinem Kot.

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Oder: Kann das Internet für die Wissenschaft mehr sein als eine erweiterte Bibliothek? Ein Erfahrungsbericht

Auf dem Blog Das eigensinnige Kind unternimmt Wolfram Ette den Versuch, das gleichnamige Märchen der Brüder Grimm durch ein Verfahren der Kollektion und Konstellation kollaborativer Interpretation zu erkunden. Das Verfahren soll dem Gegenstand angemessen sein. Denn auch Märchen sind, wie Blogs, ein Produkt kollektiver Autorschaft. Der erste Eintrag beschäftigt sich mit dem Urvertrauen, dessen Fehlen ein Phänomen sei, dem sich auch ein Ausbleiben revolutionärer Zuversicht verdankt:

Keine Revolution ohne Urvertrauen. Der Mangel an Urvertrauen begleitet die deutsche Geschichte, und von diesem Mangel als einer kollektiven Krankheit erzählt »Das eigensinnige Kind«, das den Eigensinn in Zerstörung und Selbstzerstörung münden lässt.

Nachdem ich diese Zeilen las, kam mir Kluges Der lange Marsch des Urvertrauens aus seiner Chronik der Gefühle (Suhrkamp, Frankfurt/M. 2000)  in den Sinn. Kluge beschreibt dort das Urvertrauen als eine anti-realistische Mitgift jedes Lebewesens, die es mit einer existenzfördernden Illusionsfähigkeit, einem Eigensinn ausstattet, durch den es sich, trotz der Unbarmherzigkeit der Welt, nicht ohnmächtig fühlen muss:

das ist so wie in der Musik, eine gute Dissonanz ist ja etwas sehr starkes. Und diese Dissonanz […] ist […] eines der besten Musikstücke der Welt, ein Musikstück der Evolution sozusagen, dem wir da zuhören können und nicht nur zuhören, sondern wir machen diese Musik ja.

Diese Dissonanz hält das Leben offen für seinen Eigensinn. Und aus der Begegnung des Eigensinns mit dem Zufall können Überraschungen entstehen, die das Urvertrauen bestärken. Eine Gestalt solcher Überraschungen ist die Serendipität. Als ich nun – noch vom ganz Echo dieser Dissonanz erfüllt – mich dem Eigensinn meiner Twitter-Timeline zuwendete, setzte Klaus Kusanowsky gerade einen Tweet ab, angesichts dessen mir die Rekontextualisierung eines Zitats aus Kluges Text angebracht schien, woraufhin sich folgende, kleine Konversation entspann: (mehr …)

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Es klingt wie im Science-Fiction-Film, aber es wird demnächst Realität: Ende 2013 sollen die ersten Google Glasses auf den Markt kommen und eine neue Area des wearable computing einleiten.

Allerdings formiert sich Widerstand gegen eine Technologie, die als fantastischer Freizeitspaß vermarktet wird. Für die Protestgruppe Stop the Cyborgs stellt die neue Technik ein ernsthaftes Problem für die Zivilgesellschaft und den Schutz der Privatsphäre dar. Grund genug, sich das Szenario einer durchtechnisierten Welt anzuschauen.

Google Glass – Der Blick in die „erweiterte Realität“

Seit Jahren tüftelt Google an einer Hightech-Brille, die Informationen aus dem Internet direkt in die Alltagswelt des Brillenträgers überträgt und seine Wahrnehmung erweitern soll (augmented reality).

Griff man bei Städtetouren früher auf Reiseführer oder auf sein Smartphone zurück, um Informationen zu Gebäuden oder Denkmälern zu erhalten, so projiziert Google Glass solche Daten direkt auf die Netzhaut des Auges. Im Blickfeld des Trägers blendet sich ein Kästchen mit den gewünschten Informationen ein, die gelesen werden, während man vor dem Gebäude steht. Wie das funktioniert? Per Spracherkennung. Fährt man beispielsweise über die Brooklyn Bridge und fragt: „How long is this Brigde?“, gibt die Brille die Antwort.Funktionsumfang-von-Google-Glass-745x559-ede57612e9bc1fb7

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