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Ja, ja, mittlerweile ist es wohl bei jedem mehr oder weniger WM-interessierten Nutzer von Informationsdiensten angekommen: am Sonntag findet eine Neuauflage des „Klassikers“ Deutschland gegen England statt.

Bereits im Vorfeld werden zahlreiche Interpretationen geboten: Ein Teil der Experten stützt sich bei der Analyse  vorwiegend auf die beteiligten Handlungscharaktere und deren  möglichen Konstellationen. Andere versuchen den dem Duell zugrunde liegenden Ideenkonflikt in den Mittelpunkt ihrer Interpretation zu stellen. Schließlich werden sogar mentalitätsgeschichtliche Aspekte herangezogen, um  mögliche Reaktionen auf den ja noch unbekannten Ausgang des „Klassikers“ abschätzen zu können. Dr. Patrick Ian Watson beschreibt den englischen Seelenzustand nach dem möglichen Ausscheiden wie folgt:

Dann wird sich eine lange Geschichte des Versagens fortsetzen. Die Engländer sind daran gewöhnt, dass die Nationalmannschaft versagt. Es gehört sozusagen zum Selbstverständnis.

Diese Unerschütterlichkeit ist beruhigend. Zwischenzeitlich sind auch in Deutschland kritische Stimmen von ehemals beteiligten Akteuren zu hören, die angesichts der Banalität des Fußballspiels die Frage aufwerfen, ob die Gattungszuweisung als „Klassiker“ überhaupt haltbar ist. Im Fußball sind die Gattungsgrenzen schließlich noch fließender (oder sollte man gleich sagen: beliebiger?) als in anderen Disziplinen: Tragödie, Komödie, Märchen, Utopie… Seit kurzem gibt es auch den Vorschlag, die Phantastik stärker in den Blickpunkt zu nehmen – oder wie sollte man die nachfolgend beschriebene Begegnung gattungstheoretisch korrekt einordnen?

England geht dreimal in Führung, Deutschland gleicht dreimal aus. Mit einem 3:3 geht es in die Verlängerung, dann trifft Özil, auf der Gegenseite Rooney zweimal, mit dem Schlusspfiff Schweinsteiger zum 5:5. Elfmeterschießen. Die zehn ersten Schützen verwandeln, und nicht nur die. Sämtliche Bankspieler auch, die ersten zehn müssen noch einmal ran, die Bankspieler ebenfalls, irgendwann verschießt Schweinsteiger, im Gegenzug Gerrard. Nach 118 Elfmetern bricht der Schiedsrichter wegen vollkommener Übermüdung der Spieler die Begegnung beim Stande von 59:59 ab.

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