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Posts Tagged ‘Judentum’

Vor Jahren habe ich hier im Blog mal Adam und Eva herangezogen, um über unterschiedliche Schuldgefühle und Schuldzuweisungen bei als Männer oder Frauen sozialisierten Menschen zu schreiben (vgl. den Beitrag »Der Apfel ist schuld«). Durch einen spannenden Text von Debora Antmann im Missy Magazin über »Die sechs Geschlechter im Judentum« ist mir (wieder einmal) aufgefallen, wie christlich geprägt meine als allgemein widergegebene Behauptung war, »Eva sollte schuld an der Vertreibung aus dem Paradies sein, weil sie Adam verführt habe«. (mehr …)

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Manchmal drängt das innere Kopfschütteln nach außen und ich spüre den Windhauch auf den Wangen. Zum Beispiel vor Kurzem, als ich unter der Rezension eines Sammelbandes zu Judenbildern in Literatur und Film, in dem gerade die Konstruiertheit ‚des Juden‘ (im namenlosen Singular) herausgestellt wurde,  den Link „Bin ich Jude? Genetische Herkunftsanalysen, Judentum DNA-Test“ fand. Dort wird mit Aussagen wie

Im Gegensatz zu Dokumenten sind genetische Informationen fehlerfrei.

mit dem Wunsch der Menschen nach „Gewissheit“ über ihren ‚Ursprung‘ gerechnet und Geld verdient – schließlich kostet so ein Test ab 105 Euro aufwärts. Indirekt wird mit solchen Behauptungen auch die Aussagekraft von Natur- vs. Kulturwissenschaften verhandelt. Obwohl die Schweizer Firma zugibt, dass sich über die Jahrhunderte nur eine „gewisse“ genetische Homogenität herausgebildet habe und „[j]e nach genetischem Profil […] eine eindeutige Zuteilung nicht möglich“ sei, verspricht sie doch, „über Ihre wahre Abstammung“ zu informieren.

Mich interessiert vor allem mein Urstamm, zu welchem Volk ich gehöre,

soll mir eingeredet werden, und unter den Top 4 scheint neben jüdischer Abstammung die von Wikingern, Kelten und Germanen zu stehen, wie die Verlinkung nahelegt.

Angeblich sollen die genetischen Studien zeigen, dass Rassismus Unsinn ist, weil nur sechs Prozent aller Deutschen väterlicherseits germanischen Ursprungs sind, während jeder Zehnte jüdische Vorfahren habe. Die Fixierung auf die ‚Wahrheit der Gene‘ aber birgt m.E. die Gefahr, erst recht so etwas wie ein ‚jüdisches Gen‘ zu postulieren und gesellschaftlich, familiär, religiös, kulturell und politisch bedingte, historisch gewachsene Differenzen zu essentialisieren. Die folgende Begründung aus dem Artikel zum Thema auf Hagalil.com erschließt sich mir logisch jedenfalls nicht sofort:

Durch die sich wiederholenden Judenverfolgungen und -verdrängungen entwickelte sich über die Jahrhunderte eine gewisse genetische Homogenität, die durch einen DNA-Test sichtbar wird.

Der Artikel auf dieser Internetplattform zu jüdischen Themen wird übrigens auch von der Schweizer Firma verlinkt, allerdings unter einer eigenen URL, die ihnen erlaubt, nur eigene Werbung um den Artikel herum zu schalten. Fazit: Mit dem Ausspielen der Naturwissenschaft gegen die Geistes- und Kulturwissenschaften lässt sich hier offensichtlich Geld machen – dass es unbedingt zu einer höheren ‚Wahrheit‘ führt, würde ich bezweifeln.

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