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Posts Tagged ‘Katastrophe’

Der schwedische Philosoph und Direktor des Oxford Future of Humanity Institute Nick Bostrom ist unter anderem für seine Simulations-Hypothese bekannt, die er kürzlich noch einmal auf Telepolis dargelegt hat. Bostrom zufolge ist es nicht nur denkbar, sondern sogar wahrscheinlich, dass ‚wir‘ oder zumindest die meisten von ‚uns‘ in einer simulierten Wirklichkeit also in der Matrix leben.

Seine Argumentation beruht dabei auf drei grundsätzlichen Möglichkeiten, von denen mindestens eine wahr sein müsse:

  1. Alle Zivilisationen und damit auch unsere werden aussterben, bevor sie das Know-How erlangt haben, eine vollständige Simulation der Wirklichkeit erfolgreich durchzuführen. Mit anderen Worten: Die Wirklichkeit selbst hindert sie daran, die Matrix zu bauen.
  2. Keine Zivilisation, die das entsprechende technologische Niveau erreicht, wird je versuchen, eine derart aufwendige Simulation der Wirklichkeit durchzuführen, vielleicht weil sie es für sinnvoller hält, ihre Ressourcen für andere Dinge zu verwenden. Mit anderen Worten: Ihr eigenes Interesse hindert sie daran, die Matrix zu bauen.
  3. Die dritte Möglichkeit besteht darin, dass keine der ersten beiden Möglichkeiten zutrifft, so dass also eine simulierte Wirklichkeit existiert. Mit anderen Worten: Der Bau der Matrix wurde nicht verhindert und wir leben mit hoher Wahrscheinlichkeit darin.

Bostrom versteht die Wahrscheinlichkeit dabei ganz mathematisch. Die entsprechenden Gleichungen finden sich in Nick Bostrom: „Are You Living in a Computer Simulation?“, in:Philosophical Quarterly 53 (2003) 211, S. 243-255. Kurz gefasst lautet das wahrscheinlichkeitstheoretische Argument: Wenn Annahme (3) richtig ist, dann ist es leicht möglich, eine astronomische Anzahl simulierter Welten zu schaffen. Je größer aber die Zahl der simulierten Welten, desto mehr Menschen leben in solchen. Folglich steigt damit die Wahrscheinlichkeit, dass ‚wir‘ in der Matrix leben. (mehr …)

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Verstummen. Das war meine erste Reaktion angesicht der Katastrophe in Japan, die trotz jahrelanger Auseinandersetzung mit den Risiken der Atomkraft so unfassbar schien und immer noch scheint. Denn besserwisserisch darauf zu verweisen, dass die Anti-AKW-Bewegung ja schon immer auf dieses sogenannte Restrisiko verwiesen hat, dass ich mich auch in diesem Blog schon als Atomkraftgegnerin geoutet hatte, oder mir gar durchstandene Bußgeldverfahren und bezahlte Wegtragegebühren gleichsam als Orden anzuheften, schien mir absolut unangebracht. Solche ‚Schadenfreude‘ will wahrlich nicht aufkommen. Stattdessen lieber unpersönlich, aber zugleich auch weitgehend unqualifiziert über Fukushima zu schreiben, stellte sich mir aber auch nicht als sinnvolle Alternative dar (in der Sache relativ unwissende, schöngeistige Kulturbetrachtungen dazu gibt es dieser Tage auch ohne mein Zutun schon genug). Also entschied ich mich zunächst dafür, über Dinge zu schreiben, mit denen ich mich besser auskenne. Das hatte zumindest den Effekt, dass ich ein paar Stunden gedanklich mit abgeschmackten Buchtiteln und unfreiwillig komischen Lesungsankündigungen beschäftigt und also abgelenkt war. Doch auch das war unbefriedigend, denn angesichts der Atomkatastrophe sind Verlage, die Möchtegernautor_innen abzocken und sich dabei einen seriösen Anstrich geben, eine absolute Lappalie.

Nach Verstummen und Verdrängen einerseits, langem unqualifiziertem Geschwafel als Möglichkeit andererseits, nun sozusagen als Kompromiss nur ein kurzer Verweis auf eine sehenswerte 45-minütige Dokumentation, die sich derzeit noch in der ARD Mediathek findet. In „Risiko Atomkraft“ hat eine Journalistin ‚Expert_innen‘ hier in Deutschland befragt, ob sie wissen, was im Fall der Fälle zu tun wäre, schließlich wird das Restrisiko hier ähnlich hoch eingeschätzt wie zuvor in Japan. Nicht, dass ich vorher sonderlich optimistisch gewesen wäre, dass unsere Kraftwerkbetreiber_innen, Katastrophenschützer_innen, freiwillige Feuerwehren etc. überdurchschnittlich kompetent wären und der Risikofaktor Mensch hier ausnahmsweise ausgeschaltet ist. Aber mit der Doku kann man diffuse Ängste ganz gut in konkrete verwandeln. Über Wissenschaftskultur kann man darin ganz am Ende auch noch etwas lernen, wenn es darum geht, wie Kinderleukämiehäufungen um Atomkraftwerke von den Erstellern der Studie selbst weginterpretiert werden. Im Zusammenhang mit Fukushima hat übrigens auch die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) nochmals auf ihre Auffassung von Forschung als gesellschaftliche Aufgabe verwiesen.

Ansonsten drücke ich hier noch die Hoffnung aus, dass alle nicht nur ohnehin schon von der Großdemo gegen Atomkraft am kommenden Samstag, 26. März wissen, sondern auch möglichst viele wirklich hingehen. Wer es nicht nach Berlin, Hamburg, Köln oder München schafft, kann auch morgen schon an einer der dezentraleren Mahnwachen teilnehmen.

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Der an der Stanford University lehrende französische Philosoph Michel Serres, hat in seinem umstrittenen Buch „Le contrat naturel“ (1990) (dt. „Der Naturvertrag“, 1994) erörtert, wie bestimmte Objekte der Natur, etwa das Meer, zu Subjekten des Rechts werden können. Nun erklärt er in einem Interview mit der Tageszeitung:

In Anbetracht des aktuellen Desasters am Golf von Mexiko würde ich mir nichts dringlicher wünschen als einen Prozess vor einem internationalen Gericht, in dem BP im Namen des Meeres angeklagt wird. Hier hätte es einen ganz konkreten Sinn, wenn das Naturobjekt ein Rechtsubjekt wäre.

Michel Serres, Foto: Linda A. Cicero

In seinem neuen Buch Le mal propre: polluer pour s’approprier? (2008) (dt. „Das eigentliche Übel“, 2009), stellt Serres die Frage, warum wir unsere Umwelt verschmutzen. Dabei geht der Philosoph davon aus, dass Umweltverschmutzung die selbe Funktion hat wie tierisches Reviermarkieren und begründet darauf eine Theorie des Eigentumsrechts.

Das zentrale Axiom beruht auf der Doppeldeutigkeit des Begriffs propriété (Eigentum/Sauberkeit) und lässt sich vermutlich kaum ins Deutsche übertragen: Le propre, c’est le sale (ungefähr: Das Eigene ist das Verschmutzte). Etwas zu verschmutzen, bedeutet, sich etwas anzueignen, etwas in Besitz zu nehmen. Auf die Katastrophe am Golf von Mexiko angewendet, könnte man sagen: BP ist durch den Akt der Verschmutzung gerade dabei, den Golf von Mexiko in Besitz zu nehmen. (mehr …)

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In Zeiten der Energie-, Umwelt- und Finanzkrise (welche Krise haben wir eigentlich gerade nicht?) wächst der Bedarf an guten Ideen – und mit ihm die Bereitschaft, sie zu unterstützen. Umso mehr, wenn man von der Umsetzung direkt profitiert. Was aber nützen gute Ideen, wenn die Mittel fehlen, sie zu realisieren? Etwa weil die Bank mit Krediten knausert, weil man keine reichen Eltern hat, weil öffentliche Fördertöpfe ausgeschöpft sind und weil es an Talent zur Sponsorenakquise mangelt? Wie sollen dann die guten Ideen zu den Menschen und die Krisen zu ihren Lösungen kommen? (mehr …)

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