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Posts Tagged ‘Literatur’

Über den Papierhandtüchern in einer Toilette steht "Auch als e-Book erhältlich"

Alle Fotos: mimmiamara

Zwischen Familie, Beruf und Berufung war dieses Jahr nur ein halber Tag in Frankfurt drin, aber auch in ein paar Stunden auf der Buchmesse kann mensch viele Inspirationen tanken, auf Schritt und Tritt alte Bekannte treffen und sich gepflegt betrinken.

Frisch angekommen, schlendere ich durch Halle 3.1 und wundere mich gerade noch, warum der Stand der Deutschen Bundes­bank direkt neben den Religionen zu finden ist. Soll man auch an sie glauben?

Über das Leben mit dem täglichen Antisemitismus

Da stolpere ich schon in eine Veranstaltung, auf der Blogger­kollegin Juna Grossmann ihr aktuelles Buch Schonzeit vorbei. Über das Leben mit dem täglichen Anti­semitismus vor­stellt (mehr auf https://irgendwiejuedisch.com). Sie plädiert für die Beschäftigung mit lebenden statt nur mit toten Jüdinnen und Juden. Es sollte auch in der Bildung viel mehr um heutiges jüdisches Leben gehen; statt Gedenk­stätten zu besuchen, also z.B. Bücher lebender Jüdinnen­*Juden lesen. Weil die jüdische Gemeinde eher klein ist und nicht jede*r persönlich eine Jüdin kennt, gibt es u.a. Aktionen wie „rent an jew“ für Schul­klassen. (mehr …)

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Robert Menasse erzählt die EU als von Menschen gemacht – und deshalb tragikomisch

Foto der Spiegelung von Publikum und Bühne in der Glasdecke des AtriumsAls ich Unter den Linden in Berlin dieses repräsentative Atrium mit gewöhnungs­bedürftiger Akustik betrete, trauere ich ja doch ein wenig der intimen Atmosphäre im Buchhändler­keller nach, wo ich vor etlichen Jahren Robert Menasse bei seiner Lesung aus Ich kann jeder sagen lauschte und wo man von allen Plätzen jede Träne im Augenwinkel des Autors erkennen konnte. Aber natürlich sei ihm der Deutsche Buchpreis gegönnt, er hat ihn verdient! Und so gehe ich wenigstens in der literatur­interessierten Menge unter, als Robert Menasse zu Beginn erst einmal ein Foto von uns schießt. Er sei ja auf Facebook und weil er da nichts Persönliches schreibe, wisse er nie, was er reinstellen soll, also postet er Fotos seines „geliebten Publikums“.

Dann aber setzt er sich zu Moderator Thomas Böhm (von den „Literatur­agenten“ auf Radio 1) auf die Bühne und erzählt von der Entstehung seines Romans Die Hauptstadt bzw. vor allem von Brüssel und Europa. Vieles davon konnte man literarisch eingebettet schon bei der Lektüre seines Romans erfahren, in der Mündlichkeit hat es jedoch erneut seinen Reiz – insbesondere Menasses schön österreichische Aussprache von „Schwein“. (mehr …)

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Wie ein Abend im Italienischen Kulturinstitut auf tierische Art den Spieltrieb weckte

Auf einer Bühne zwischen zwei Großbildschirmen sitzen drei Menschen, die Moderatorin steht am Stehpult davor.

Die Übersetzer*innen Walter Kögler, Amalia Urbano, Michaela Heissenberger und Martina Kempter gestalten einen anregenden Abend im Italienischen Kulturinstitut Berlin; Foto: Rita Seuss.

Alljährlich am 30. September, dem Todestag des Bibel­übersetzers Hieronymus im Jahre 420, wird der Internationale Übersetzertag gefeiert. Zahlreiche Veranstaltungen machen an diesem Tag auf die Bedeutung übersetzter Literatur aufmerksam und zeigen, wer hinter den Übersetzungen steht. Da uns Übersetzungen auch an allen anderen Tagen des Jahres begegnen, mag der Bericht über eine anregende Veranstaltung im Rahmen des diesjährigen Hieronymus­tags hoffentlich auch mit einem guten Monat Verspätung noch Interesse wecken. (mehr …)

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Nun, da die Wahl hierzulande ganz anagrammatisch zu einem Schlund-Date wurde (mehr zu Anagrammen auf Wikipedia), fiel mir wieder ein, dass ich mich im Juni auf amüsantere Art mit dem Land beschäftigt habe, in dem ich lebe.

Auf dem Weg zu einem Workshop mit dem Titel »Versfuß mit Pferdefuß« lautete eine der Aufgaben zur spielerischen Vorbereitung eigentlich, ein Anagramm-Gedicht aus dem Wort »Deutschland« zu machen. Im Zug hatte ich jedoch weder eine Schere zum Ausschneiden und Verschieben von Buchstaben dabei, noch war die Internetverbindung im Niemandsland zwischen Spandau und Braunschweig gut genug, einen der verfügbaren Online-Anagramm-Rechner zu verwenden. Der Anagramm-Generator auf sibiller.de hätte mir beispielsweise unter anderem folgende Gedichtzeilen ausgespuckt:

DEUTSCHLAND
SCHALTEND DU
STACHELND DU
LATSCHEND DU

Also vertrieb ich mir die Reisezeit stattdessen mit dem Verfassen von Akrosticha über unser Land. Eines hatte tatsächlich schon mit der bevorstehenden Wahl zu tun, geisterte mir doch noch die morgendliche Radionachricht durch den Kopf, dass eine große Partei sich gerade für einen Wahlspruch mit zugehörigem Twitter-Hashtag entschieden habe. Das ergab in meiner Fingerübung dann Folgendes: (mehr …)

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writers-at-berlin-2017

Über dem Wannsee und der Gartenbühne des LCB bereiten sich die Wolken auf den nächsten Regenguss vor.

Mitte Juli hatte das Literarische Colloquium Berlin von 15–22 Uhr zum Gartenfest unter dem Titel »writers@berlin« eingeladen. Es gab ein umfangreiches Programm mit Lesungen, Gesprächen und Musik von und mit Schriftsteller*innen, die in Berlin leben, aber auf anderen Sprachen als Deutsch schreiben.

Da war beispielsweise zu erfahren, dass Gadi Goldberg in Berlin einen hebräischen Verlag gründen und damit an Tradition der 1920er anknüpfen will, oder dass Lizzie Dorons letzter Roman zuerst auf Deutsch erschienen ist, weil er von der Freundschaft mit einem palästinensischen Terroristen erzählt und kein israelischer Verlag das publizieren wollte. Sie las dann eine der wenigen Passagen auf Hebräisch vor, die im Deutschen noch ihrer hebräischen Originalfassung entsprechen und nicht durch das Lektorat verändert wurden – eben weil der deutsche Verlag das Erstlektorat gemacht hat, gebe es davon nicht sehr viele.

Wie der diesjährige Berliner Sommer insgesamt war das Wetter eher durchwachsen. Zum Glück gab es auch im Haus ein sehr attraktives Programm: (mehr …)

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„Man muss sich das Übersetzen als eine ernste Angelegenheit vorstellen.“

Ich also rein in den Bus, dann S-Bahn, schon sitz ich im LCB diesen beiden Typen gegenüber. Anzug, einer sogar mit Weste, beide blau gemusterte Hemden – haben die sich abgesprochen? Bei einem der Hals etwas länger, insgesamt ‘ne Bohnenstange. Erzählen die ganze Zeit von irgendeinem Streit im S-Bus. Bei der Pointe geht’s immer um ‘nen Knopf am Ausschnitt und irgendeinen Lackaffen. Wiederholungszwang? Oder haben die was genommen?

In jedem Fall sind Frank Heibert und Hinrich Schmidt-Henkel Wiederholungstäter, und das schon seit 34 bzw. 29 Jahren. Zum Glück für alle Leser*innen übersetzter Literatur! Nun haben sie gemeinsam eine Neuübersetzung der Queneau’schen Stilübungen vorgelegt und alle Besucher*innen der Buchprämiere am 26. Mai zudem noch mit ihrem Entertainmenttalent beglückt.

Obwohl die kurze Begebenheit, die Raymond Queneau in 120 Stilübungen immer wieder neu aufschrieb, keinerlei erzählenswerten Plot hat, kommt doch keinen Moment Langeweile auf. Im Gegenteil, lange habe ich nicht mehr so Tränen gelacht, z. B. bei der Stilvariante „Makkaronisch“ , also ein Text im sogenannten Küchenlatein („Sol erat altissimus in himmelo, caloria enormissima. Senatus populusque Parisiensis schwitzabant …“), oder bei den „Italianismen“, die Hinrich Schmidt-Henkel auch in folgendem Video performt, das der Suhrkamp-Verlag zu diesem Buch gedreht hat:

Vor realem Publikum wirkten die beiden Übersetzer noch gelöster und schienen selbst einen Heidenspaß zu haben. Auch hier betrieben sie zugleich Aufklärung: (mehr …)

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2016-03-18 14.13.49

Bleich-bunt fröstelnde Manga-Mädchen

10:37 Bahnhof Leipzig-Messe: Man steigt aus dem Zug aus und trifft sofort auf die ersten Horden Verkleideter, die zielgerichtet Halle 1 zuströmen. Man selbst hat vorerst noch gar kein genaues Ziel, schlägt aber vorsichtshalber die Gegenrichtung ein und landet in Halle 2. Dort merkt man, dass man ja mal einen Tag ohne Kinderbücher verbringen wollte, und schlendert weiter in Halle 4. Trotzdem sorgt es für gute Stimmung, dass hier im Vergleich zur Frankfurter Messe so viele vor dem Bauch getragene oder selbst durch die Gänge stolpernde Kleinkinder zu sehen sind.

Aufruf zur Individualität

11:20 Halle 4: Beim Picus-Verlag schnappt man eine Ansprache in angenehm österreichischer Diktion an angehende Buchhändler*innen auf: „Der Sinn, dass Sie diese Ausbildung machen, liegt nicht darin, dass Sie hinterher Regalbetreuer sind. Sie müssen einen Unterschied machen, für die Kunden muss es einen Unterschied machen, ob Sie da sind oder am nächsten Tag Ihr Kollege.“

Wer den Preis für Mutterschaft bezahlt

11:25 Der Israel-Stand ist von einer Menschentraube umringt. Orna Donath gibt Auskunft über ihre Studie #regretting motherhood – Wenn Mütter bereuen. (mehr …)

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