Feeds:
Beiträge
Kommentare

Posts Tagged ‘Männer und Frauen’

»A… Stopp!«, halte ich mein innerliches »Aber« an, das zu einer Grundsatzdiskussion anheben will. Schließlich bin ich doch übers Wochenende aufs Land gefahren, um mich zu erholen. Den Kopf aus- und ein paar Muskeln anspannen, damit für die Herausforderungen der nächsten Monate wieder Energie da ist.

Blick durch Blattwerk auf einen klaren SeeIch bleibe also entspannt, was mich aber nicht daran hindert, mich zu wundern. Offenbar bewege ich mich in der Stadt üblicherweise in so weit ‚aufgeklärten‘ Kreisen, dass die mir hier auf dem Land entgegenprallenden stereotypen Erwartungen an ’normale‘ Arbeitsteilung der Geschlechter wie aus einer anderen Zeit zu kommen scheinen. In der Stadt wurde meine männliche Begleitung jedenfalls noch nie per Handschlag dafür bedauert, kein Taschengeld zu bekommen, nur weil ich den Eintritt für beide zahle.

Auch der Humor des jungen und mit guter Stimme ausgestatteten Musikers in einem anderen Etablissement hier auf dem Land baut relativ einseitig auf Männer-Frauen-Witzen auf. (mehr …)

Read Full Post »

Ich lebte einmal in einem Haus, in dessen Erdgeschoss ein Ehepaar wohnte, das sich in ein mythisches Schwellenphänomen verwandelt hat. Es war der fleischgewordene Blick des Hauses. Alle Tage saß es am Fenster und verfolgte den Lauf der Dinge, musterte gelegentlich auftretende Ungewöhnlichkeiten mit demselben Gleichmut wie das alltägliche Treiben auf der Strasse. Regungsloser noch als seine Frau war der Alte. Immerzu rauchend starrte er unverwandt alles und jeden an, der vorüberging.

"Der Alte Mann und die Zigarette" (c) Dieter Bahr

Bemerkenswert an diesen Schwellengeistern war vor allem die Immunität ihres Blicks. Ich selbst habe ihn einmal in einem verwegenen Moment auf die Probe gestellt, den Indianerblick, um zu prüfen, wer von uns zuerst wegschaute. Da ich aber nicht stehen bleiben wollte, um die Prüfung in eine Demonstration zu verwandeln – ich befand mich gerade auf dem Heimweg – war ich es, der im Kräftemesse der Blicke unterlag, denn irgendwann hatte ich ja die Haustür erreicht und musste eintreten. Bis zu diesem Moment aber lagen die vier Augen auf mich geheftet, so wie sie es immer taten, wenn ich – oder auch jemand anderes kam – nur diesmal mit dem Unterschied, dass ich die Blicke bis zur letzten Sekunde erwiderte. (mehr …)

Read Full Post »

ApfelSchuld sein oder nicht schuld sein, das ist hier die Frage, der sich die folgenden Überlegungen widmen. Und zwar unter der vorläufigen These, dass sich die Schuldzuweisungen seit Adam und Eva verändert haben – aber nur ein bisschen. Wenn etwas schief ging, im Kleinen wie im Großen, wiesen lange Zeit als Männer erzogene Menschen die Schuld den Frauen oder einer konkreten Frau zu: Eva sollte schuld an der Vertreibung aus dem Paradies sein, weil sie Adam verführt habe; Helenas Schönheit schuld am Trojanischen Krieg und so weiter.

Diese Interpretationen wurden so erfolgreich tradiert, dass sie auch von den meisten als Frauen erzogenen Menschen als zutreffend akzeptiert wurden – und immer noch werden. Immer noch denken Frauen öfter als nötig, dass sie schuld an irgendetwas seien. Männer hingegen haben sich ein Stück weiterentwickelt. Sie sagen mittlerweile meist: „Der Apfel ist schuld.“ (Dass sie selbst eine gewisse Verantwortung tragen könnten, scheint immer noch vielen ein absurder Gedanke.)

Woher diese Behauptungen stammen? Nun, sie sind natürlich viel zu verallgemeinernd und in dieser Verabsolutierung nicht haltbar. Sie speisen sich aber aus vielen Beobachtungen im Kleinen (ohne dass ich das empirisch untersucht hätte, Widerspruch wird also gerne zur Korrektur der eigenen Weltsicht entgegen genommen). Hier drei Beispiele dieser Kleinstbeobachtungen: (mehr …)

Read Full Post »

Eine heute im Radio und auf diversen News-Seiten verbreitete Nachricht wirft einige Fragen auf:

Lieber schön als schlau: Zwei Drittel der deutschen Frauen würden einer Umfrage zufolge auf Intelligenz verzichten, um an Attraktivität zu gewinnen. Auf die konkrete Frage «Würden Sie zehn Punkte Ihres IQ abgeben, um einen Schönheitsmakel auszugleichen?», antworteten 65 Prozent der Frauen mit «Ja». (http://www.news.de/vermischtes/855241542/umfrage-viele-frauen-waeren-lieber-schoen-als-schlau/1/)

Wer kommt überhaupt auf die Idee, solche blöden Fragen zu stellen? Schließlich schreibt die Frage selbst ja schon einen gewissen Antagonismus zwischen Schönheit und Intelligenz fest. Die Umfrage wurde offenbar von der Zeitschrift „Petra“ in Auftrag gegeben. Somit ist davon auszugehen, dass sich solche blöden Fragen und deren erschreckend blöde Antworten gut verkaufen lassen.

Erschreckend blöd? (mehr …)

Read Full Post »

Stapel aus steinernen Büchern auf der Buchmesse10:00 Halle 4.2

Man erfährt, dass man die Historikerzunft nicht mit zu viel Neuem überrumpeln darf. Deshalb vertraut das DFG-geförderte Portal recensio.net erst einmal auf das Web 1.5, um etablierte und neue Formen wissenschaftlicher Kommunikation über Bücher zusammenzuführen: Traditionelle Rezensionen werden online verfügbar gemacht, daneben gibt es die „Präsentation“ genannte Möglichkeit der Selbstanzeige. Letztere kann per Kommentarfunktion von anderen Wissenschaftler_innen (sogar Nicht-Historiker_innen, oha) sozusagen in Teilaspekten kurzrezensiert werden. Um die Qualität zu sichern, wird aber alles vor dem online-Gang von der Redaktion gesichtet.

11:00 Treffpunkt Foyer Halle 4.1

Die für eine Stunde angesetzte Hot Spot Tour to the Future of Publishing braucht schon über eine halbe Stunde zum Ansteuern ihres ersten Ziels: erst der Shuttlebus zur, dann die Sicherheitsperformance (= Taschenkontrolle) in Halle 8. Man lernt, dass die meisten Menschen wohl eher haptische als auditive Typen sind, denn sobald es was zum Draufrumdrücken gibt, hört niemand mehr zu. Auch wenn gewisse US-Verlage schon 20 % ihrer Erlöse mit eBooks erzielen und die Taschenbuchumsätze in den Staaten um 64 % eingebrochen sind, ist man vom ganzen eBook-Gehype der letzten Buchmessen schon etwas abgestumpft. Man nimmt zur Kenntnis, dass diese Formate in Deutschland immer noch bei 0,5 % dümpeln und lässt die anderen mit ihrer augmented reality allein, um rechtzeitig in Halle 5 zu sein.

12:00 Weltempfang, Halle 5.0

Im Gegensatz zu schon am zweiten Buchmessentag gestresst wirkenden Presse- oder Verlagsmenschen scheinen sich die sonst oft allein arbeitenden Literaturübersetzer_innen wirklich über Zusammentreffen und Gespräche zu freuen und überreichen einer Heidelberger Bibliothekarin, die sich mit Veranstaltungsformaten, die Übersetzer_innen und Übersetzungen ins Zentrum rücken, für die Zunft verdient gemacht hat, ernstlich wohlgesonnen und dankbar die Übersetzerbarke.

12:30 blaues Sofa, Übergang Hallen 4-5

Lizzie Doron klärt die Interviewerin, die nach ihrem Trauma gefragt hat, darüber auf, dass es (als Israeli allgemein und Tochter einer Holocaustüberlebenden erst recht) ein Segen wäre, nur ein Trauma zu haben, welches sie denn genau meine. (mehr …)

Read Full Post »

»Also, eigentlich war’s doch ganz schön mit uns. Bist du sicher, dass wir Schluss machen sollten?«
»Charlotte, nun mach’s doch nicht schwerer als es ohnehin schon ist. Du sagtest doch selbst, wir hätten uns auseinander gelebt.«
»Eigentlich schon, aber …« (mehr …)

Read Full Post »

»Ach du grüne Neune!
Bist du bescheuert?«
»Calm down.«
»Du hast sie wohl nicht mehr alle!«
»Eh, nun hab dich nicht so.«
»Fick dich!«
»Genug jetzt. Hol mal tief Luft.«
»Ich hab genug Luft, du Depp!«
»Ja, ich merk’s.«
»Kackfresse. Leck mich!«
»Möchtest du mir vielleicht mal erklären, was genau das Problem ist?«
»Nein, das müsste dir ja wohl klar sein!«
»Oh nein, das ist es keineswegs.«
»Penner! Querkopf! Rüpel!«
»Sagst du mir jetzt endlich mal, was los ist?«
»Tu ich nicht, denk gefälligst nach!«
»Und worüber genau? Vielleicht gibst du mir wenigstens einen Anhaltspunkt?«
»Wozu? X-mal dasselbe mit dir!«
»Yvonne, was ist mit dir?«
»Zieh aus!«

Read Full Post »

Older Posts »