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Veranstaltungsort für "Literatur um Elf"

 

 

„Literatur um elf“ ist eine Erfindung der Neuen Literarischen Gesellschaft in Marburg. Dafür wäre werktags wohl kaum Zeit vorhanden, doch ein Sonntagmorgen und das ehrwürdige Café Vetter haben sich bewährt. Die Veranstaltungsreihe ist nun schon über dreißig Jahre alt. Kein Termindruck, keine eintönigen Seminarräume, eine kleine Stärkung dazu – das sind gute Voraussetzungen für eine Lesung oder wie kürzlich für einen Vortrag: Extra aus Berlin kam Ottmar Ette, seines Zeichens Professor für Romanische Philologie an der Universität Potsdam. Trotz einer mehrfachen „ICE-Havarie“, die nur mit einer Taxifahrt von Kassel nach Marburg auszugleichen war, wirkt Ette außerordentlich souverän, als er scherzhaft in die Runde fragt, ob er nach diesen Vorfällen noch weiter auf seinem Gebiet forschen sollte.

Weder doziert noch plaudert er über „Reisen und Literatur“. Es ist eben nicht nur die Reiseliteratur, sondern das Phänomen des literarischen Reisens allgemein, das Ette interessiert. Er wählt eingängliche Formulierungen, die mündlich genauso konzentriert aufgenommen werden können wie in schriftlicher Form.

Ette weiß um die Erkenntnisse der Kognitionswissenschaft. Die kontinuierliche Bewegung der Pupillen während der Textlektüre stützt seine These, dass Literatur ohne Bewegung nicht auskommen kann. Da Reisen auch im übertragenden Sinne die Flucht in mentale Bilderwelten bedeuten kann, ist es auch nicht verwunderlich, dass die Pupillen sich über dem Buchstabenmeer fiktionaler Texte anders verhalten als bei Sachtexten.

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Am Samstag besuchte ich das Marburger Hafenfest. Ich wunderte mich von Beginn an, wie dort ein solches Fest er-funden werden kann, denn hierbei stellt sich allgemein die Frage, was eigentlich ein Hafen ist.  Als mager daherkommender Kompromiss im Sinne der Verantwortlichen von Marburg an DIE Lahn (so heißt die Stadt absichtsvoll im Themenjahr 2010) könnte man sagen, dass dort, wo Schiffe anlegen, von einem Hafen die Rede sein kann.

Auf dem Fest wurde nun, um jenem  Hafen auch seinem Namen eine bescheidene Ehre zu verleihen, das Passagierboot „Elisabeth“ getauft, in Anlehnung an die Heilige Elisabeth von Thüringen, die in Marburg starb. Ein restauriertes Schiff tauft man angeblich, indem man eine Sektflasche über den Bug ausgießt.  So wurde dann auch der wichtigste Akt beherzigt, bevor auch muskulär angetriebene, in Marburg schon allseits bekannte Boote Werbebotschaften streuten und dem Täufling hinterher fuhren.

Nun ist jenes restaurierte Boot mit 8 Leuten schon randvoll. Hauptsache, eine Ausflugsmöglichkeit mehr ist geschaffen, so banal sie auch ist. Das Fest war nicht mehr als ein Höhepunkt der Anstrengungen, die Lahn in Marburg für „Lahninteressierte“ (sic) wieder attraktiv zu machen. Aber ist das nicht eine Tautologie? Sagen wir versöhnlich: es war ein Fest der Imagination.

Ein Marburger Bürger namens Karl-Heinz Töpfer hat sich über den Marburger Hafen schon Gedanken gemacht:

Kaum spürt man die ersten wärmenden Sonnenstrahlen, erwacht der Marburger Hafen zu buntem Leben. Schnell sind die Spuren des Winters beseitigt, da machen auch schon Schiffe mit und ohne Schaufelrad an der Landungsbrücke fest. Die Hafenspelunke hat geöffnet und zahlreiche hartgesottene Typen mit ihren Mädchen geben ihr Stelldichein, um das bunte Treiben im Hafenviertel zu beäugen. In der Ferne hört man die Schiffsglocke eines Kreuzfahrers läuten.

Marburg, das Tor zur Welt, so könnte man träumen. Gerade aus dem ersten Nickerchen im Freien erwacht, entpuppt sich der Hafen als der alte Bootsverleih unten an der Lahn, die Landungsbrücke als der Bootssteg mit seinen bunten Tret- und Ruderbooten. Die Hafenspelunke ist immer noch das gemütliche Bistro am Ufer, in dem man vor einer Stunde einen sonnigen Platz gefunden hatte.

Aus der Traum auch vom Kreuzfahrtschiff – vom Rathaus schlägt’s gerade fünf. Es wird wieder frisch, Zeit zu gehen, zahlen bitte.

Ja, wir können vom Marburger Hafen nur träumen, da mögen noch so viele Hafenfeste in der Zukunft kommen. Ein solcher Hafenmythos kann nur vom Kulturamt der Stadt Marburg oder von der Tagespresse geschaffen werden. Immerhin – gewagt, gewagt – gibt es  jetzt schon wirklich eine Bootswerft

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