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Posts Tagged ‘Ölpest’

Seit ich optisch zu den Normalbürgern übergelaufen bin, muss ich mich bei Personenkontrollen am Bahnhof nur noch fremdschämen. Wer leicht graumeliert dunkelblonde Haare hat, kann wohl gar kein Krimineller sein – selbst wenn (oder vielmehr gerade wenn) Kriminalität so weit gefasst wird, dass schon die zufällige Geburt in einem ‚falschen‘ Land oder von den ‚falschen‘ Eltern dazu gehört, so sie in verweigerter Aufenthaltserlaubnis oder eingeschränkter Reisefreiheit mündet.

Als meine Haare noch hennarot leuchteten und ich in selbstgenähten Kordminiröcken und leicht ramponierten Schnürstiefeln unterwegs war, wurde auch ich am Bahnhof von Polizisten aus der Masse der Reisenden herausgefischt, musste mich ausweisen und meinen Rucksack durchsuchen lassen. „Ihr Idioten, wenn ich in das Raster falle, nach dem Ihr die Leute auswählt, dann findet Ihr doch maximal die kleinen Fische, die nur irgendwelches Zeug verticken, weil sie selbst arme Schweine sind. Diejenigen, die im großen Stil mit Drogen Geld verdienen, fallen optisch sicherlich viel eher in Eure Vorstellung vom ‚deutschen Normalbürger‘, und wer weiß, ob die überhaupt Bahn fahren.“ Sowas Ähnliches dachte ich mir damals zwar, aber ich hatte keinerlei Ohnmachtsgefühl, konnte ich doch selbst entscheiden, ob ich diese Gedanken auch ausspreche, wie freundlich oder unfreundlich, kooperativ oder den Prozess verzögernd ich mich der Situation stelle – ich wusste ja, dass sie die Falsche herausgefischt hatten und bei mir nichts finden würden. Damals war ich offenbar auch noch nicht so in Eile.

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»Ach du grüne Neune!
Bist du bescheuert?«
»Calm down.«
»Du hast sie wohl nicht mehr alle!«
»Eh, nun hab dich nicht so.«
»Fick dich!«
»Genug jetzt. Hol mal tief Luft.«
»Ich hab genug Luft, du Depp!«
»Ja, ich merk’s.«
»Kackfresse. Leck mich!«
»Möchtest du mir vielleicht mal erklären, was genau das Problem ist?«
»Nein, das müsste dir ja wohl klar sein!«
»Oh nein, das ist es keineswegs.«
»Penner! Querkopf! Rüpel!«
»Sagst du mir jetzt endlich mal, was los ist?«
»Tu ich nicht, denk gefälligst nach!«
»Und worüber genau? Vielleicht gibst du mir wenigstens einen Anhaltspunkt?«
»Wozu? X-mal dasselbe mit dir!«
»Yvonne, was ist mit dir?«
»Zieh aus!«

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Liebes Windows

Liebes Windows,
wir kennen uns schon lange. Um genau zu sein seit 1993. Du warst 3.11 und ich 11. In der Zwischenzeit ist viel passiert. Wir haben uns beide entwickelt, aber trotzdem haben wir beide unsere Macken. Ich habe gelernt, damit zu leben, dass du 4 Versionen nach unserem ersten Date immer noch Probleme mit langen Datei- und Ordnernamen hast, Du musst Dich damit arrangieren, dass ich mich ab und zu mit anderen Betriebssystemen herumtreibe. Wenn wir aber gerade 29.406 Elemente kopiert haben und Dir 15 davon zu lang sind, füge in Zukunft auf dem Fehlerbildschirm doch bitte die Option „Dateinamen automatisch kürzen, ohne dass der Benutzer sich die 15 Dateien manuell suchen muss“ ein.
Danke,
Floris

Pfffft.

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Michel Serres, Foto: Linda A. Cicero

Michel Serres’ Philosophie könnte folgendermaßen charakterisiert werden: Wenn zwei miteinander streiten, freut sich der Dritte. Diese entschiedene Verzerrung eines Denkens, das sich von der Wissensgeschichte über eine subversive synästhetische Theorie bis hin zu eben jenem Recht der Natur erstreckt, zehrt ihrerseits von Serres’ Begriff des Kommunikation, den er in den 60er und 70er Jahren in Anschlag zu bringen wusste, als die französische Avantgarde des (Post-)Strukturalismus dem Begriff der Produktion in diversen Theoriebildungen nachging. Hierbei war es ihm weniger darum zu tun, das Medium als eigentliche Nachricht zu ermitteln, als jenen Zwischenraum zu erkunden, der zwei disparate Seiten in Übertragungsphänomenen sowohl trennt als auch mittels eines mehr oder weniger variablen Codes verbindet.

Die Gespräche zum Wassermusikfestival im Haus der Kulturen der Welt, das dieses Wochenende in Berlin stattfand, brachten so nicht allein ein äußerst dynamisches und komplexes Denken eines Philosophen zum Vorschein, sondern vollzogen gleichsam in Echtzeit eine Theorie der Relation, deren Grundannahme darin besteht, den Abfall, das Rauschen, die Reibung, das Knistern, das Beiherspielende oder, wie Serres es einmal nannte: das Parasitäre, als notwendige Bedingung des nicht nur gesellschaftlichen Zusammenseins zu setzen.

Serres illustrierte dies mehrmals anhand des Übersetzens: Während er auf Französisch vortrug und das Publikum über Kopfhörer die Simultanübersetzung von u. a. Vincent v. Wroblewsky, dem Sartre-Übersetzer, genießen konnte, kommentierten Lorenz Engell oder Alexander Kluge auf Deutsch. Der Dritte, so Serres, bildet in diesen Gesprächen das notwendige Übel, den unerlässlichen Parasiten, der einerseits die Kommunikation zwischen beiden und dem anderen Dritten, sprich dem Publikum, ermöglicht sowie andererseits das Gerede verzerrt, verunreinigt, ja sogar veruntreut, manipuliert, verschleppt. (mehr …)

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Der an der Stanford University lehrende französische Philosoph Michel Serres, hat in seinem umstrittenen Buch „Le contrat naturel“ (1990) (dt. „Der Naturvertrag“, 1994) erörtert, wie bestimmte Objekte der Natur, etwa das Meer, zu Subjekten des Rechts werden können. Nun erklärt er in einem Interview mit der Tageszeitung:

In Anbetracht des aktuellen Desasters am Golf von Mexiko würde ich mir nichts dringlicher wünschen als einen Prozess vor einem internationalen Gericht, in dem BP im Namen des Meeres angeklagt wird. Hier hätte es einen ganz konkreten Sinn, wenn das Naturobjekt ein Rechtsubjekt wäre.

Michel Serres, Foto: Linda A. Cicero

In seinem neuen Buch Le mal propre: polluer pour s’approprier? (2008) (dt. „Das eigentliche Übel“, 2009), stellt Serres die Frage, warum wir unsere Umwelt verschmutzen. Dabei geht der Philosoph davon aus, dass Umweltverschmutzung die selbe Funktion hat wie tierisches Reviermarkieren und begründet darauf eine Theorie des Eigentumsrechts.

Das zentrale Axiom beruht auf der Doppeldeutigkeit des Begriffs propriété (Eigentum/Sauberkeit) und lässt sich vermutlich kaum ins Deutsche übertragen: Le propre, c’est le sale (ungefähr: Das Eigene ist das Verschmutzte). Etwas zu verschmutzen, bedeutet, sich etwas anzueignen, etwas in Besitz zu nehmen. Auf die Katastrophe am Golf von Mexiko angewendet, könnte man sagen: BP ist durch den Akt der Verschmutzung gerade dabei, den Golf von Mexiko in Besitz zu nehmen. (mehr …)

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In Zeiten der Energie-, Umwelt- und Finanzkrise (welche Krise haben wir eigentlich gerade nicht?) wächst der Bedarf an guten Ideen – und mit ihm die Bereitschaft, sie zu unterstützen. Umso mehr, wenn man von der Umsetzung direkt profitiert. Was aber nützen gute Ideen, wenn die Mittel fehlen, sie zu realisieren? Etwa weil die Bank mit Krediten knausert, weil man keine reichen Eltern hat, weil öffentliche Fördertöpfe ausgeschöpft sind und weil es an Talent zur Sponsorenakquise mangelt? Wie sollen dann die guten Ideen zu den Menschen und die Krisen zu ihren Lösungen kommen? (mehr …)

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