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Posts Tagged ‘Provinz’

»A… Stopp!«, halte ich mein innerliches »Aber« an, das zu einer Grundsatzdiskussion anheben will. Schließlich bin ich doch übers Wochenende aufs Land gefahren, um mich zu erholen. Den Kopf aus- und ein paar Muskeln anspannen, damit für die Herausforderungen der nächsten Monate wieder Energie da ist.

Blick durch Blattwerk auf einen klaren SeeIch bleibe also entspannt, was mich aber nicht daran hindert, mich zu wundern. Offenbar bewege ich mich in der Stadt üblicherweise in so weit ‚aufgeklärten‘ Kreisen, dass die mir hier auf dem Land entgegenprallenden stereotypen Erwartungen an ’normale‘ Arbeitsteilung der Geschlechter wie aus einer anderen Zeit zu kommen scheinen. In der Stadt wurde meine männliche Begleitung jedenfalls noch nie per Handschlag dafür bedauert, kein Taschengeld zu bekommen, nur weil ich den Eintritt für beide zahle.

Auch der Humor des jungen und mit guter Stimme ausgestatteten Musikers in einem anderen Etablissement hier auf dem Land baut relativ einseitig auf Männer-Frauen-Witzen auf. (mehr …)

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Ich komme gerade aus dem Osthessischen zurück. Ob es auf den noch heute spürbaren Einfluss von Bonifacius und Sturmius (nicht einer Comic-Lektüre, sondern den gewissenhaften Worten einer Stadtführerin entnehme ich diesen Namen) zurückzuführen ist, habe ich nicht herausfinden können. Doch offenbar scheint es dort ein ungeschriebenes Gesetz zu geben, als Frau keinerlei Leidenschaft beim Fußballgucken zu zeigen.

Ein Indiz dafür waren bereits die in Bayern-Trikot und -Hut im Brauhaus sitzenden Damen. Trotz ihrer Aufmachung zeigten sie keinerlei Anteilnahme am Champions League-Spiel auf der Leinwand. Und auch nach dem Spiel von Begeisterung oder Freude keine Spur.

Den letzten Beweis aber lieferte ein Besuch der Damentoilette im Keller:

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Neulich irgendwo tief in Westberlin, wo ich mich sonst selten herumtreibe, wurde ich Zeugin der folgenden Szene.

Gelbes Packset mit 3,5 cm dicker Doktorarbeit daraufliegend

Kundin 1 wuchtet einen 12 kg schweren Karton auf den Tisch: »Ich müsste das hier irgendwie verpacken und verschicken.«

Angestellter: »Packen Sie das mal aus, dann schaun wir mal.«

Kundin 1 entnimmt dem Karton sieben dicke Din A4-Bände.

Angestellter: »Oh, das sieht nach Arbeit aus.«

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Schon länger habe ich in meiner Pendelexistenz ein Problem mit der Polizei. Nicht weil ich selbst vom Aussehen her in die rassistischen Raster falle, nach denen Polizist_innen an Bahnhöfen Personenkontrollen durchführen. Sondern weil es mich jedes Mal moralisch empört und irgendwie hilflos dastehen lässt, wenn ‚Stichprobenkontrollen‘ so offensichtlich nach rassistischen Kriterien erfolgen. Noch im Sommer hatte ich mich bei Pro Asyl erkundigt, was ich gegen dieses Fremdschämen am Bahnhof tun könnte. Die freundliche Antwort gab meinem Schamgrund zwar einen Namen – „so was nennt man racist profiling und ist leider nicht neu“ – musste aber noch davon ausgehen, dass es nicht illegal ist und dass es individuell wenig Möglichkeiten gibt, das einzuschränken. Es gehe deshalb vor allem darum, die Öffentlichkeit immer wieder darauf aufmerksam zu machen, wie Flüchtlinge durch absurde Auflagen wie die Residenzpflicht eingeschränkt und bei Verstößen dagegen unnötig kriminalisiert werden. Diese Aufmerksamkeit versuchen auch die Betroffenen selbst durch Protestaktionen herzustellen.
Nun hat vorgestern immerhin das Oberverwaltungsgericht Rheinland-Pfalz entschieden,

dass die Bundespolizei im Rahmen von Personenkontrollen in Zügen Personen nicht anhand ihrer „Hautfarbe“ auswählen darf (Aktenzeichen 7 A 10532/12.OVG).
Das Gericht hat einer solchen Praxis eine klare Absage erteilt und sie für nicht vereinbar mit dem deutschen Grundgesetz erklärt. (Pressemitteilung des Deutschen Instituts für Menschenrechte)

Vielleicht stoße ich nun bald nicht mehr auf rassistische Polizeikontrollen. Wie schnell solche Entscheidungen allerdings in der Polizeipraxis ankommen, bleibt abzuwarten. Immerhin können aufmerksame Bürger_innen sich nun – sollte mensch wieder unfreiwillig Zeug_in werden – auf dieses Urteil berufen und die Beamt_innen an die Unzulässigkeit von racist profiling erinnern.

Das kann aber nur der Anfang sein. (mehr …)

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Die Sonne scheint und wer will da, wenn sie es denn einmal tut, noch drinnen am Schreibtisch sitzen bleiben. Also habe ich, Luxus der Freiberuflichkeit, mein Büro nach draußen verlegt. Ich bin in mein Stammcafé an der Kreuzberger Riviera gegangen, für Berliner Verhältnisse ‚um die Ecke‘, sehr guter Caffè, leicht zerstreuter, aber freundlicher Service und viel Sonne. Meist verbringe ich hier nur die Mittagspause, mit Büchern oder zu lesenden Texten bestückt. Heute habe ich mein Notebook mitgebracht und, weil es hier keinen Hotspot gibt – normalerweise ein weiterer Pluspunkt –, physische Nachschlagewerke für meine Arbeit. Die habe ich früher wohl öfter benutzt, sagt mir deren zerfledderter Zustand.

Wir Laptop-Poser sind hier zwar schon zu dritt (darunter erstaunlicherweise nur ein Macbook), die anderen gehen entweder über ihr Mobilfunkgerät ins Netz oder kommen wie ich mal ein paar Stunden ohne aus, weil Sonnetanken und guter Caffè wichtiger sind als die allzeitige Verbindlichkeit. Trotzdem fühle ich mich irgendwie seltsam, plötzlich noch viel sichtbarer Teil des Problems zu sein.

Welches Problem? Nun, das benennt ganz gut die noch relativ neue Inschrift über dem Supermarkt in unserem Kiez, der bei den einen schon immer Platzangst, bei den anderen (mir zum Beispiel) schöne Erinnerungen an Campingplatzurlaube hervorgerufen hat. Prangte dort jahrelang die legendäre Inschrift „This is not America“, so ist dort seit einer Weile zu lesen: „This is not Kreuzberg“.

Der Zustrom zahlreicher Touristen und entsprechende Veränderung der Infrastruktur (Cocktailbars statt Geschäfte für die tatsächlich hier Wohnenden), vor allem aber extrem steigende Mieten bringen hier schon seit einiger Zeit die Bevölkerung in Aufruhr, die sich fragt, wie lange sie sich das Leben in ihrem angestammten Kiez noch leisten kann. Prenzlbergisierung ist das Stichwort, das auf Kiezversammlungen drohend aus vielen Mündern kommt.

Und hier im Café ist diese schon ziemlich weit fortgeschritten. (mehr …)

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Eine persönliche Danksagung zum Jahresausklang – oder besinnliches zum Jahresanfang

Lieber Stellplatzmieter,

Prost Neujahr, vielen Dank für Ihre nette Nachricht und – gern geschehen. Gern habe ich in der Silvesternacht den „von Ihnen gemieteten Stellplatz“ seiner Nutzlosigkeit entzogen und mit meinem Wagen genutzt. Es war dabei in keinster Weise meine Absicht Sie in irgendeiner Form zu brüskieren oder gar die Nutzungsordnung für Stellplätze zu ignorieren. Der Stellplatz erschien mir einfach ungenutzt.

Ein engagierter Beitrag zur Parkplatzsuche in der Kleinstadt - StreitKultur in der Provinz (1)

Sollten Sie demnächst Ihren Stellplatz wieder nutzen wollen, informieren Sie mich bitte vorab, ich weise Ihren Besuchern dann gern einen alternativen Stellplatz an der Straße zu. Auf das Höflichste möchte ich mich auch für die von Ihnen genutzte Klarsichtfolie DIN A5 bedanken, in der Sie Ihre kurze Notiz einbalsamierten und somit für die Ewigkeit verfügbar machten. Diese Folien sind wirklich sehr schwer zu bekommen; und ich habe bereits jetzt den einen oder anderen Gedanken, wie ich sie in der Zukunft nützlich nutzen kann.

Ich verbleibe mit freundlichstem Gruß,

Ihr Stellplatznutzer.

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Nur wenige Berlin-Bewohner_innen nutzen ja wirklich die Großstadt dauerhaft als solche. Oder, vielleicht sollte ich auch nicht von mir auf andere schließen. Bei mir jedenfalls wirkt sich die Großstadt manchmal gerade darin aus, dass ich ihre Möglichkeiten nicht nutze. Dass ich gerade deshalb so entspannt zu Hause bleiben kann, weil man hier ja immer etwas machen und sowieso nicht alles sehen kann. Dann also ruhig auch erst morgen und heute ist erstmal die Diss dran, oder einfach ein Sonnenspaziergang. So richte ich mich oft recht provinziell in dem Kleinstädtchen ein, das der Wrangelkiez darstellt. Hier bekomme ich alles, was ich zum Überleben und zwischenzeitigen Abschalten brauche.

Der Typ mit den Papageien auf der Fahrradlenkstange, der vorne beim Inder auf der Ecke sitzt, kommt mir ebenso vertraut vor wie die Alkiszene vor ‚meinem‘ Nahkauf oder die Geduldübungen in ‚unserem‘ Bioladen. Ja, this is not America, aber im Gegensatz zu anderen Provinzen hat Kreuzberg den Vorteil, dass ich mich gar nicht wegbewegen muss, um in Kontakt mit immer wieder anderen, spannenden und fremden Leuten zu kommen. Und dass diese oder andere die Kultur in ‚meine Provinz‘ bringen, so dass ich mich daran in Caffèpausen und beim Schlendern durch den Kiez erfreuen kann. Hier ein kleiner Ausschnitt aus der Freiluftgalerie: (mehr …)

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