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Posts Tagged ‘raster’

Schon länger habe ich in meiner Pendelexistenz ein Problem mit der Polizei. Nicht weil ich selbst vom Aussehen her in die rassistischen Raster falle, nach denen Polizist_innen an Bahnhöfen Personenkontrollen durchführen. Sondern weil es mich jedes Mal moralisch empört und irgendwie hilflos dastehen lässt, wenn ‚Stichprobenkontrollen‘ so offensichtlich nach rassistischen Kriterien erfolgen. Noch im Sommer hatte ich mich bei Pro Asyl erkundigt, was ich gegen dieses Fremdschämen am Bahnhof tun könnte. Die freundliche Antwort gab meinem Schamgrund zwar einen Namen – „so was nennt man racist profiling und ist leider nicht neu“ – musste aber noch davon ausgehen, dass es nicht illegal ist und dass es individuell wenig Möglichkeiten gibt, das einzuschränken. Es gehe deshalb vor allem darum, die Öffentlichkeit immer wieder darauf aufmerksam zu machen, wie Flüchtlinge durch absurde Auflagen wie die Residenzpflicht eingeschränkt und bei Verstößen dagegen unnötig kriminalisiert werden. Diese Aufmerksamkeit versuchen auch die Betroffenen selbst durch Protestaktionen herzustellen.
Nun hat vorgestern immerhin das Oberverwaltungsgericht Rheinland-Pfalz entschieden,

dass die Bundespolizei im Rahmen von Personenkontrollen in Zügen Personen nicht anhand ihrer „Hautfarbe“ auswählen darf (Aktenzeichen 7 A 10532/12.OVG).
Das Gericht hat einer solchen Praxis eine klare Absage erteilt und sie für nicht vereinbar mit dem deutschen Grundgesetz erklärt. (Pressemitteilung des Deutschen Instituts für Menschenrechte)

Vielleicht stoße ich nun bald nicht mehr auf rassistische Polizeikontrollen. Wie schnell solche Entscheidungen allerdings in der Polizeipraxis ankommen, bleibt abzuwarten. Immerhin können aufmerksame Bürger_innen sich nun – sollte mensch wieder unfreiwillig Zeug_in werden – auf dieses Urteil berufen und die Beamt_innen an die Unzulässigkeit von racist profiling erinnern.

Das kann aber nur der Anfang sein. (mehr …)

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Seit ich optisch zu den Normalbürgern übergelaufen bin, muss ich mich bei Personenkontrollen am Bahnhof nur noch fremdschämen. Wer leicht graumeliert dunkelblonde Haare hat, kann wohl gar kein Krimineller sein – selbst wenn (oder vielmehr gerade wenn) Kriminalität so weit gefasst wird, dass schon die zufällige Geburt in einem ‚falschen‘ Land oder von den ‚falschen‘ Eltern dazu gehört, so sie in verweigerter Aufenthaltserlaubnis oder eingeschränkter Reisefreiheit mündet.

Als meine Haare noch hennarot leuchteten und ich in selbstgenähten Kordminiröcken und leicht ramponierten Schnürstiefeln unterwegs war, wurde auch ich am Bahnhof von Polizisten aus der Masse der Reisenden herausgefischt, musste mich ausweisen und meinen Rucksack durchsuchen lassen. „Ihr Idioten, wenn ich in das Raster falle, nach dem Ihr die Leute auswählt, dann findet Ihr doch maximal die kleinen Fische, die nur irgendwelches Zeug verticken, weil sie selbst arme Schweine sind. Diejenigen, die im großen Stil mit Drogen Geld verdienen, fallen optisch sicherlich viel eher in Eure Vorstellung vom ‚deutschen Normalbürger‘, und wer weiß, ob die überhaupt Bahn fahren.“ Sowas Ähnliches dachte ich mir damals zwar, aber ich hatte keinerlei Ohnmachtsgefühl, konnte ich doch selbst entscheiden, ob ich diese Gedanken auch ausspreche, wie freundlich oder unfreundlich, kooperativ oder den Prozess verzögernd ich mich der Situation stelle – ich wusste ja, dass sie die Falsche herausgefischt hatten und bei mir nichts finden würden. Damals war ich offenbar auch noch nicht so in Eile.

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