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Posts Tagged ‘Raum’

In den vergangenen Jahren haben wir auf dem Blog gelegentlich über verschiedene Erfahrungen mit Orten und Räumen der wissenschaftlichen Arbeit berichtet. Zum Beispiel darüber, wie man in die russische Nationalbibliothek hereinkommt, welche Macht das Regal und seine Einräumer auf den Prozess der Wissensproduktion haben, wie man sich auf Archivreise (k)eine Unterkunft sucht, über die DB-Lounge als geselligen non-place akademischer Pendelexistenzen oder über den Geschmack des Archivs.

Heute las ich auf dem Blog von Hadmut Danisch, der dort Ansichten eines Informatikers verbreitet, einen bemerkenswerten Bericht über seinen Versuch, sich unter Bedingungen „teuflischer Sicherheit“ in einer (nicht näher bestimmten*) Bibliothek anzumelden. Bemerkenswert ist dabei vor allem seine Geschichte über ein diabolisches Schließfachsystem:

Bereits am Schließfach für die Klamotten kam ich ins Straucheln. Das übliche Fach in der üblichen Größe mit dem üblichen Schloss für das übliche 1-Euro-Pfand mit dem üblichen kleinen schwarzen vierkantigen Schlüssel vom üblichen Hersteller. Gerade noch rechtzeitig fiel mir die Abweichung vom Üblichen auf: Normalerweise steht die Schließfachnummer auf dem Schlüssel, damit man das Fach wiederfindet, in dem man sein Hab und Gut hinterlegt hat. Bei diesem Schlüssel stand auf jeder der vier Seiten ein Nummer, manche graviert, manche eingepresst, manche eingekratzt. Auf jeder Seite eine andere Nummer, und keine stimmte.

Auf seine beiläufige Nachfrage am Informationsschalter (wo es noch kompliziertere Probleme zu lösen galt), was es mit der verwirrenden Beschriftung des Schlüssels auf sich habe, erfährt der Autor von der Bibliothekarin:

Das sei Absicht, entgegnete sie trocken. Aus Sicherheitsgründen.

Verstehe ich nicht. Wieso denn das? (mehr …)

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Fragment über die Schräge

Schräg ist, was quer liegt oder quer hindurch geht. Es steht neben sich, versetzt aber bei seiner Durchquerung alles in Unruhe. Wie irre ragt es in die Räume hinein, die außer sich geraten in dieser Schieflage; die einer Ohnmacht unterliegen, die selbst aus dem Außen kommt, unberechenbar und voller Hoffnung. Denn etwas bricht sich hier Bahn, in verquerer Weise, als sei das Inwendige nach außen getreten, um in einem seltsam neutralen Glanz zu erscheinen, der gleichsam gekipptes Licht auf die durchkreuzte Öffnung richtet. Und so wird das, was im Argen liegt, zu dem, was das Arge erst hervorruft. Es faltet sich in sich selbst ein, befindet sich sowohl drinnen als auch draußen, wird eins mit dem, was es erschüttert und woraus es hervorgeht – denn die Schräge ist das Offene selbst, dessen stets nur gemurmeltes und dadurch so unverständliches Versprechen dem auf ewig Getrennten gilt. Was die Räume quert, sie in einen nie völlig zu bestimmenden Wahnsinn treibt, verbindet diese jedoch zugleich in neuer Weise und schöpft andere Räume. Auf die schiefe Bahn geraten heißt von nun an, einem intensiven Neigungswinkel, dem verschwiegenen clinamen, zu unterliegen und die Abweichung zur Leidenschaft, die Schräge zum höheren Prinzip des Lebens selbst zu erheben. Denn dieses wäre immer schon tot, würde es nicht kontinuierlich von einem unfassbaren Schwindel ergriffen. Was so hineinragt, weist schon aus sich heraus, deutet etwas an, das auch dann noch windschief bleibt, wenn es, etwa durch schwere Kräfte, immerzu begradigt wird. Schräg ist, was eine Transversale bildet, die die Räume für Neigungen öffnet sowie die Leidenschaften in den Räumen ankippt, sodass unsere Wünsche, unaufhörlich rieselndem Sand gleich, eine Wüste schaffen würden, die wir nun endlich unendlich durchqueren könnten.

 

 

 

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Pausentaste, Quelle: gurkerl.com

Es ist Sonntag ein Tag wie jeder andere. Früher waren Sonntage besondere Tage. Manchmal besonders langweilig (Besuche bei Oma A). Manchmal besonders lustig (Ausflüge zu Oma B). Und wenn keine Besuche oder Ausflüge anstanden, dann wurde der Sonntag zu einer ‚Auszeit‘. Während der konnte ich all das machen, zu dem ich oder meine Freunde oder meine Familie an den so genannten Werktagen nicht kam. Sonntage waren Familien-, Spiel-, Mal-, Sport- und Zeitverdaddeltage; und obwohl die Zeit weiterlief, fühlte es sich an, als hätte jemand auf die Pausetaste des Alltags gedrückt, und es fühlte sich gut an.

Seitdem ich promoviere, ist mein Leben nicht mehr ferngesteuert, also drückt auch niemand sonntags auf ‚Pause‘. Die Tage und ihre Nutzung gehorchen keiner verbindlichen kapitalistisch-christlichen Ordnung mehr, sondern  der meines Zeitplans und des GCSC-Veranstaltungskalenders. Abgesehen davon ist immer Arbeit da, die Arbeit ist immer da, egal wo, egal wann.

So sitze ich also heute, am Sonntag, bei heruntergelassenen Jalousien am Schreibtisch. Vor mir liegt aufgeschlagen die neuste der inzwischen inflationär veröffentlicht werdenden Publikationen zum ‚Raum’, und ich lese zum 100. 5. Mal eine Zusammenfassung des spatial turn in den Kulturwissenschaften. Und ja, der ist für meine Dissertation zentral und nein, ich kann es auch heute wieder nicht über mich bringen, diesen Zusammenfassungen eine weitere redundante aus meiner Tastatur hinzuzufügen.

Und die Moral von der Geschicht’? Sonntage gibt es für Promovierende nicht.

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