Feeds:
Beiträge
Kommentare

Posts Tagged ‘Sascha Lobo’

11:00 Halle 3 West

Ein Häuflein Journalist_innen wartet geduldig 20 Minuten vor dem Raum „Apropos“, in dem eine Pressekonferenz zu „Urhebervertragsrecht in der Diskussion“ angekündigt war, bis sie zu dem Schluss kommt, dass diese wohl auch nicht c.t. anfängt, sondern ausfällt. Die verbleibende Zeit kann also mit Schlendern verbracht werden, denn langweilig wird es auf der Buchmesse nie. In Halle 5.1 kann man beispielsweise die Auswirkungen der Wirtschaftskrise in Italien sehen, nehmen doch die Stände der italienischen Verlage deutlich weniger Raum ein als die letzten Jahre. Nur der sizilianische Verleger von Andrea Camilleri hat seine Standgröße verdreifacht. Auf dem blauen Sofa vor Halle 5.1 sitzt die Buchpreisträgerin Ursula Krechel. Gefragt, was sie mit ihrem nun international wahrgenommenen Buch Landgericht für ein Bild vom heutigen Deutschland vermittele, antwortet sie: „Ich baue das Fundament ein bisschen um. Und durch den literarischen Blick auf einen Remigranten schärfe ich hoffentlich auch den Blick auf heutige Migranten.“ Auch die haben eigene Anliegen und Traumata, für die man sich interessieren sollte, statt immer nur Integration zu fordern. Integration in was für eine Gesellschaft eigentlich? Entsprechend dieser engagierten Worte schreibt Krechel auch als Lyrikerin „keine Gedichte über schönes Wetter“, wie sie selbst betont.

12:00 Halle 5.0 Weltempfang (mehr …)

Read Full Post »

Internet, überkomplex

Internet, überkomplex

Gestern hat Sascha Lobo in seiner S.P.O.N.-Kolumne über metaphorische Simplifizierungen der digitalen Welt geschrieben. Dabei warnt er vor der Verführungskraft der Sprache. Was in Wirklichkeit komplex und kompliziert sei, werde durch Metaphern vereinfacht und schließlich falsch verstanden, vor allem das Internet:

Metaphern funktionieren nur als Welterklärung für Anfänger. Insbesondere für das überkomplexe Internet. […] Die Einstiegsdroge Metapher verleitet zum simplizistischen Weltbild und dazu, Zusammenhänge zu konstruieren, die nur für die Metapher, aber nicht in der Realität funktionieren.

Zwar beginnt Lobo seine Überlegungen damit, dass das Internet und vermutlich jedes Medium, wie alle technologischen Innovationen zunächst immer nur metaphorisch begriffen werden, weil es für das Neue nicht sofort geeignete Begriffe gebe. So wurde der Diskurs über das Internet in den 1990ern durch nautische und verkehrstechnische Metaphern geprägt. Aus den metaphorischen Fossilien dieser Zeit generiert sich denn auch der Titel von Lobos Artikel: „Wenn Surfer auf der Datenautobahn brausen.“

Zugangserschwerungsmetapher

Internetsperre, symbolisch

Internetsperre, symbolisch

Doch befasst sich Lobos nicht mit die Frage, ob nun Datenmeer oder Datenautobahn die bessere Metapher oder beide gleichermaßen für die Bezeichnung des Internets ungeeignet seien. Seine Kritik zielt vielmehr auf eine politische motivierte Medienmetaphorik – für die er, pars pro toto, „das berüchtigte Stoppschild als volksnahe Bezeichnung für Ursula von der Leyens Netzsperren“ ins Feld führt. Dabei fragt sich, ob gerade dieses Beispiel gut gewählt ist. Denn das besagte Stoppschild sollte ja nach dem geplanten „Zugangserschwerungsgesetz“ beim Aufruf gesperrter Webseiten mit kinderpornografischem Inhalt auf dem Bildschirm des kriminellen oder fehlgeleiteten Internetnutzers angezeigt werden. Wenn dieser aber ein Stoppschild tatsächlich sieht, ist es dann überhaupt noch eine Metapher? Oder nicht einfach nur ein Symbol, ein ikonisches Zeichen, dass allenfalls etwas Falsches suggeriert? Oder ist das nur eine kleinliche Frage, die zur Sache nichts wesentliches beiträgt? (mehr …)

Read Full Post »