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Posts Tagged ‘Sommer’

writers-at-berlin-2017

Über dem Wannsee und der Gartenbühne des LCB bereiten sich die Wolken auf den nächsten Regenguss vor.

Mitte Juli hatte das Literarische Colloquium Berlin von 15–22 Uhr zum Gartenfest unter dem Titel »writers@berlin« eingeladen. Es gab ein umfangreiches Programm mit Lesungen, Gesprächen und Musik von und mit Schriftsteller*innen, die in Berlin leben, aber auf anderen Sprachen als Deutsch schreiben.

Da war beispielsweise zu erfahren, dass Gadi Goldberg in Berlin einen hebräischen Verlag gründen und damit an Tradition der 1920er anknüpfen will, oder dass Lizzie Dorons letzter Roman zuerst auf Deutsch erschienen ist, weil er von der Freundschaft mit einem palästinensischen Terroristen erzählt und kein israelischer Verlag das publizieren wollte. Sie las dann eine der wenigen Passagen auf Hebräisch vor, die im Deutschen noch ihrer hebräischen Originalfassung entsprechen und nicht durch das Lektorat verändert wurden – eben weil der deutsche Verlag das Erstlektorat gemacht hat, gebe es davon nicht sehr viele.

Wie der diesjährige Berliner Sommer insgesamt war das Wetter eher durchwachsen. Zum Glück gab es auch im Haus ein sehr attraktives Programm: (mehr …)

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»Cada um de nós é vários, é muitos, é uma prolixidade de si mesmos – Jeder von uns ist mehrere, ist viele, ist ein Übermaß an Selbsten.« (Fernando Pessoa)

Wann gäbe es eine Zeit, die besser geeignet wäre, diese Worte des portugiesischen Dichters verstehen zu lernen als JETZT?

Es ist Sommer. Es ist die Zeit der freien Wahl. Wer kann, reist in die Ferne – wer da bleiben muss, radelt beim ersten Sonnenstrahl an den See. Wenn es (wie in diesem Sommer) ununterbrochen regnet, schimpft man, stellt aber den Grill unter den Regenschirm und brutzelt trotzdem bis zum Umfallen. Mit triefend nassen Socken sitzt man auf den Festivals und schlürft Yogi-Tee und Rotwein.

Es ist Sommer, es ist die Zeit der Sehnsucht nach dem Knall, nach dem Unbekannten, nach dem, was man immer für sich gewünscht hat und verdammt noch mal auch wünschen dürfen muss, selbst wenn einem der Strich durch jede Rechnung gezogen wird. Genügsam und berechenbar, das kann man maximal im Winter sein, niemals jedoch im Sommer! Es ist nicht drin, das Leben vorbeiziehen zu lassen und vor dem Computer unbemerkt zu vergammeln.

Doch schon bei der Kombination ‚Sommer und Regen‘, bei den banalsten Dissonanzen zwischen Wunsch, Erwartungshaltung und Realitätserfahrung, kann es beginnen mit den multiplen Persönlichkeiten – ganz zu schweigen von unlösbaren Konflikten wie Urlaub versus Arbeit: Sanftmütige werden ungeduldig (wann hört der beschissene Regen auf?! – Ich hau den PC aus dem Fenster!), Zögerliche werden wagemutig (dann fahren wir eben nach Afrika! – Ich schmeiß die Diss hin!), Workaholics werden lustlos (SO habe ich mir das nicht vorgestellt!).

In verregneten Sommern wie diesen entfaltet sich der allumfassende Sinn von Pessoas Worten in ungeahnt konkreter Weise. (mehr …)

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das ist doch kein wetter!

Damit es nicht zu emotional wird, beschränke ich mich aufs Zitieren derer, die das professionell beurteilen:

Deutschland erlebte 2011 einen trüben, besonders im Südwesten kühlen und vor allem im Osten nassen Juli. Es war der erste zu kühle Monat in diesem Jahr. Im Vorjahr hatte der Juli noch mit viel Sonnenschein und großer Hitze aufgetrumpft. Das meldet der Deutsche Wetterdienst (DWD) nach ersten Auswertungen der Ergebnisse seiner rund 2 000 Messstationen.

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Zu den besonderen Sehenswürdigkeiten des Gießener Umlands gehört zweifelsohne der an der östlichen Stadtgrenze gelegene Wurstpalast. Inmitten des Europaviertels hebt sich diese kulinarische Attraktion wie eine Oase der Lebenslust prunkvoll hervor.

Wurstpalast Gießen (zum Vergrößern anklicken)

So dient der Wurstpalast nicht nur dem hungrigen Wander- und Radel-Adel als traditionelle Raststätte, um standesgemäß zu speisen. Er bietet auch den Arbeitern der umliegenden Werkhallen eine willkommene Kantine für den Verzehr nahrhafter Fleischwaren. Gerade im Sommer sieht man fröhliche Menschen in geselliger Laune lachend und schmausend vor den Toren des Palastes rasten und in trunkener Lebensfreude Wurstpellen und kleine Fläschchen mit Erfrischungsgetränken leeren.

Eines Tages aber war der lukullische Ort plötzlich wie ausgestorben. (mehr …)

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Das Freibad überfüllt, Schattenplätze am See Mangelware und eigentlich hat man gerade auch gar nichts Wichtiges zu lesen, was den Aufenthalt im Freien anstelle der Präsenz am Schreibtisch rechtfertigen würde… vom Hautkrebsrisiko, der Ozonbelastung und anderen Nebenwirkungen dieser hochsommerlichen Tage mal ganz abgesehen. Was tun? Das schlechte Gewissen geflissentlich ignorieren und auf in den Kampf um ein kleines Fleckchen Individualität in der bunten Masse der übrigen Sonnenanbeter! Oder…

…den Schreibtisch in der fast stockfinster abgedunkelten Wohnung trotzdem ignorieren und sich in Fjodor Godunow-Tscherdynzew (bitte von diesem Namen nicht abschrecken lassen!) verwandeln, den Protagonisten in Vladimir Nabokovs Roman Die Gabe. Wer der Meinung ist, sich auf irgendeiner Wiese faul der Sonne auszusetzen sei pure Zeitverschwendung, verkennt den erhabenen Moment der Verschmelzung mit der Natur, eines neuen Selbst-Bewusstseins, der in diesem Akt begründet liegt:

Wenn ich morgens diese Welt des Waldes betrat, dessen Bild ich sozusagen aus eigener Kraft über das Niveau jener anspruchslosen Sonntagseindrücke (Papierabfälle, Horden von Ausflüglern) erhoben hatte, aus denen sich für die Berliner der Begriff ‚Grunewald‘ zusammensetzte; wenn ich an diesen heißen sommerlichen Wochentagen auf seine Südseite, in seine Tiefe zu unberührten, versteckten Stellen ging, empfand ich kein geringeres Entzücken, als wenn sich drei Kilometer von meiner Agamemnonstraße entfernt das Urparadies befunden hätte. Sobald ich zu einem meiner Lieblingswinkel kam, der wie durch Zauberei den freien Zustrom des Sonnenlichts mit dem Schutz durch das Gebüsch vereinte, zog ich mich bis auf die Haut aus, legte mich rücklings auf die Wolldecke und schob die unnötige Badehose in den Nacken. (mehr …)

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