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Posts Tagged ‘Sport’

Was Mitarbeiter_innen kulturwissenschaftlicher Einrichtungen in den sogenannten Semesterferien tun, dürfte unschwer zu erraten sein: Sie beschäftigen sich natürlich weiter mit Kultur. Ich zum Beispiel bei einer Team-Fortbildung u. a. mit der Kommunikationskultur im Kollegium. Mindestens so spannend und zu noch ausgelassenerer Stimmung führend war jedoch der abendliche Aufbruch zu Feldforschungen in mittelhessischer Ethnologie.

Wähnte ich Gießen schon als Mittelpunkt des prallen Lebens, belehrte mich das „Musik und Szenelokal Oxygen“ eines Besseren. Von außen durch wenig farbenfrohes Grau getarnt, entpuppte es sich innen als Hort deutscher Kultur vom Feinsten. Statt Sauerstoff und Musik war die Szene allerdings in erster Linie von zwei Kegelbahnen bestimmt.

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Ja, ja, mittlerweile ist es wohl bei jedem mehr oder weniger WM-interessierten Nutzer von Informationsdiensten angekommen: am Sonntag findet eine Neuauflage des „Klassikers“ Deutschland gegen England statt.

Bereits im Vorfeld werden zahlreiche Interpretationen geboten: Ein Teil der Experten stützt sich bei der Analyse  vorwiegend auf die beteiligten Handlungscharaktere und deren  möglichen Konstellationen. Andere versuchen den dem Duell zugrunde liegenden Ideenkonflikt in den Mittelpunkt ihrer Interpretation zu stellen. Schließlich werden sogar mentalitätsgeschichtliche Aspekte herangezogen, um  mögliche Reaktionen auf den ja noch unbekannten Ausgang des „Klassikers“ abschätzen zu können. Dr. Patrick Ian Watson beschreibt den englischen Seelenzustand nach dem möglichen Ausscheiden wie folgt:

Dann wird sich eine lange Geschichte des Versagens fortsetzen. Die Engländer sind daran gewöhnt, dass die Nationalmannschaft versagt. Es gehört sozusagen zum Selbstverständnis.

Diese Unerschütterlichkeit ist beruhigend. Zwischenzeitlich sind auch in Deutschland kritische Stimmen von ehemals beteiligten Akteuren zu hören, die angesichts der Banalität des Fußballspiels die Frage aufwerfen, ob die Gattungszuweisung als „Klassiker“ überhaupt haltbar ist. Im Fußball sind die Gattungsgrenzen schließlich noch fließender (oder sollte man gleich sagen: beliebiger?) als in anderen Disziplinen: Tragödie, Komödie, Märchen, Utopie… Seit kurzem gibt es auch den Vorschlag, die Phantastik stärker in den Blickpunkt zu nehmen – oder wie sollte man die nachfolgend beschriebene Begegnung gattungstheoretisch korrekt einordnen?

England geht dreimal in Führung, Deutschland gleicht dreimal aus. Mit einem 3:3 geht es in die Verlängerung, dann trifft Özil, auf der Gegenseite Rooney zweimal, mit dem Schlusspfiff Schweinsteiger zum 5:5. Elfmeterschießen. Die zehn ersten Schützen verwandeln, und nicht nur die. Sämtliche Bankspieler auch, die ersten zehn müssen noch einmal ran, die Bankspieler ebenfalls, irgendwann verschießt Schweinsteiger, im Gegenzug Gerrard. Nach 118 Elfmetern bricht der Schiedsrichter wegen vollkommener Übermüdung der Spieler die Begegnung beim Stande von 59:59 ab.

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Gelsenkirchen im November 2009. Das Testspiel der deutschen Fußballnationalelf gegen die Elfenbeinküste ist gerade beendet, da diktiert der Kölner Lukas Podolski den anwesenden Reportern folgenden Satz in die Notizbücher: „Der Robert hat uns zugeschaut.“ Er beschreibt damit auf die ihm eigene Art vor allem einen Umstand: Robert Enke, soeben verstorben, ist in diesem November allgegenwärtig. Und soll – so der Wunsch der Verantwortlichen – auch allgegenwärtig bleiben.

Der Robert hat uns zugeschaut.

Nicht-Vergessen: Robert-Enke-Stiftung

Wortlaut der Traueranzeige des DFB: „Wir alle werden Robert Enke nicht vergessen und in guter Erinnerung behalten.“ Medien und Öffentlichkeit schließen sich an, der Tenor ist überall der gleiche: Robert Enke, sein Schicksal, darf nicht vergessen werden. Dennoch, knapp eine Woche vor dem ersten Gruppenspiel der deutschen Elf scheint Robert Enke nicht Nicht-Vergessen. (mehr …)

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Die Fußball-WM steht vor Tür oder besser vor dem Kontinent. Denn anstatt in heimischen Gefilden müssen unsere Soccer-Gurus ihre Fähigkeiten diesmal auf dem afrikanischen „SubKontinent“ unter Beweis stellen. Neben allerlei fußball-martialischer Ästhetik erwartet den hoffnungsvollen Zuschauer dabei auch die eine oder andere Lektion in Sachen Biologie und Genetik. Im Interview mit dem Tagesspiegel ließ Bundestrainer Joachim „Jogi“ Löw seine Expertise bereits anklingen und konstatierte in Bezug auf den zukünftigen Gruppengegner Ghana:

Physisch haben die Afrikaner vielleicht durch ihre Genetik allen anderen etwas voraus.

Da der Jogi als Vertreter der postkolonialen Biologie(wissenschaft)en nach 1945 sich aber durchaus der Problematik des Genetikbegriffs bewusst ist, präzisiert er an anderer Stelle seine Vorstellungen weiter:

Die Afrikaner haben enorme Vorteile, weil sie genetisch bedingt eine unglaubliche Ausdauer, Schnelligkeit und körperliche Präsenz mitbringen.

Die jeweiligen Interviewpartner und anwesenden Pressevertreter scheinen mit dieser Form der Rhetorik kein Problem zu haben. Mit Verweis auf den BundesJogi zitieren sie das deutsche Sieger-Gen und könnten somit dazu beitragen, dass das Konzept des Postkolonialismus auch in Deutschland endlich einer breiten Öffentlichkeit verständlich wird.

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