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Posts Tagged ‘Sprache’

Wie ein Abend im Italienischen Kulturinstitut auf tierische Art den Spieltrieb weckte

Auf einer Bühne zwischen zwei Großbildschirmen sitzen drei Menschen, die Moderatorin steht am Stehpult davor.

Die Übersetzer*innen Walter Kögler, Amalia Urbano, Michaela Heissenberger und Martina Kempter gestalten einen anregenden Abend im Italienischen Kulturinstitut Berlin; Foto: Rita Seuss.

Alljährlich am 30. September, dem Todestag des Bibel­übersetzers Hieronymus im Jahre 420, wird der Internationale Übersetzertag gefeiert. Zahlreiche Veranstaltungen machen an diesem Tag auf die Bedeutung übersetzter Literatur aufmerksam und zeigen, wer hinter den Übersetzungen steht. Da uns Übersetzungen auch an allen anderen Tagen des Jahres begegnen, mag der Bericht über eine anregende Veranstaltung im Rahmen des diesjährigen Hieronymus­tags hoffentlich auch mit einem guten Monat Verspätung noch Interesse wecken. (mehr …)

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writers-at-berlin-2017

Über dem Wannsee und der Gartenbühne des LCB bereiten sich die Wolken auf den nächsten Regenguss vor.

Mitte Juli hatte das Literarische Colloquium Berlin von 15–22 Uhr zum Gartenfest unter dem Titel »writers@berlin« eingeladen. Es gab ein umfangreiches Programm mit Lesungen, Gesprächen und Musik von und mit Schriftsteller*innen, die in Berlin leben, aber auf anderen Sprachen als Deutsch schreiben.

Da war beispielsweise zu erfahren, dass Gadi Goldberg in Berlin einen hebräischen Verlag gründen und damit an Tradition der 1920er anknüpfen will, oder dass Lizzie Dorons letzter Roman zuerst auf Deutsch erschienen ist, weil er von der Freundschaft mit einem palästinensischen Terroristen erzählt und kein israelischer Verlag das publizieren wollte. Sie las dann eine der wenigen Passagen auf Hebräisch vor, die im Deutschen noch ihrer hebräischen Originalfassung entsprechen und nicht durch das Lektorat verändert wurden – eben weil der deutsche Verlag das Erstlektorat gemacht hat, gebe es davon nicht sehr viele.

Wie der diesjährige Berliner Sommer insgesamt war das Wetter eher durchwachsen. Zum Glück gab es auch im Haus ein sehr attraktives Programm: (mehr …)

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„Man muss sich das Übersetzen als eine ernste Angelegenheit vorstellen.“

Ich also rein in den Bus, dann S-Bahn, schon sitz ich im LCB diesen beiden Typen gegenüber. Anzug, einer sogar mit Weste, beide blau gemusterte Hemden – haben die sich abgesprochen? Bei einem der Hals etwas länger, insgesamt ‘ne Bohnenstange. Erzählen die ganze Zeit von irgendeinem Streit im S-Bus. Bei der Pointe geht’s immer um ‘nen Knopf am Ausschnitt und irgendeinen Lackaffen. Wiederholungszwang? Oder haben die was genommen?

In jedem Fall sind Frank Heibert und Hinrich Schmidt-Henkel Wiederholungstäter, und das schon seit 34 bzw. 29 Jahren. Zum Glück für alle Leser*innen übersetzter Literatur! Nun haben sie gemeinsam eine Neuübersetzung der Queneau’schen Stilübungen vorgelegt und alle Besucher*innen der Buchprämiere am 26. Mai zudem noch mit ihrem Entertainmenttalent beglückt.

Obwohl die kurze Begebenheit, die Raymond Queneau in 120 Stilübungen immer wieder neu aufschrieb, keinerlei erzählenswerten Plot hat, kommt doch keinen Moment Langeweile auf. Im Gegenteil, lange habe ich nicht mehr so Tränen gelacht, z. B. bei der Stilvariante „Makkaronisch“ , also ein Text im sogenannten Küchenlatein („Sol erat altissimus in himmelo, caloria enormissima. Senatus populusque Parisiensis schwitzabant …“), oder bei den „Italianismen“, die Hinrich Schmidt-Henkel auch in folgendem Video performt, das der Suhrkamp-Verlag zu diesem Buch gedreht hat:

Vor realem Publikum wirkten die beiden Übersetzer noch gelöster und schienen selbst einen Heidenspaß zu haben. Auch hier betrieben sie zugleich Aufklärung: (mehr …)

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2016-03-18 14.13.49

Bleich-bunt fröstelnde Manga-Mädchen

10:37 Bahnhof Leipzig-Messe: Man steigt aus dem Zug aus und trifft sofort auf die ersten Horden Verkleideter, die zielgerichtet Halle 1 zuströmen. Man selbst hat vorerst noch gar kein genaues Ziel, schlägt aber vorsichtshalber die Gegenrichtung ein und landet in Halle 2. Dort merkt man, dass man ja mal einen Tag ohne Kinderbücher verbringen wollte, und schlendert weiter in Halle 4. Trotzdem sorgt es für gute Stimmung, dass hier im Vergleich zur Frankfurter Messe so viele vor dem Bauch getragene oder selbst durch die Gänge stolpernde Kleinkinder zu sehen sind.

Aufruf zur Individualität

11:20 Halle 4: Beim Picus-Verlag schnappt man eine Ansprache in angenehm österreichischer Diktion an angehende Buchhändler*innen auf: „Der Sinn, dass Sie diese Ausbildung machen, liegt nicht darin, dass Sie hinterher Regalbetreuer sind. Sie müssen einen Unterschied machen, für die Kunden muss es einen Unterschied machen, ob Sie da sind oder am nächsten Tag Ihr Kollege.“

Wer den Preis für Mutterschaft bezahlt

11:25 Der Israel-Stand ist von einer Menschentraube umringt. Orna Donath gibt Auskunft über ihre Studie #regretting motherhood – Wenn Mütter bereuen. (mehr …)

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In den letzten Monaten ist hier auf unserem Blog ja nichts mehr weiter passiert. Das liegt unter anderem daran, dass die meisten oder fast alle von uns fertig mit dem Promovieren sind und nun keine Zeit mehr zum Prokrastinieren (oder andere Möglichkeiten dafür gefunden und bevorzugt) haben. Es ist sogar so, dass die Mitglieder unseres Blogkollektivs voneinander größtenteils gar nicht mehr wissen, was sie mittlerweile eigentlich machen. Viele sind der Wissenschaft geblieben und einige von uns haben dafür versucht herauszufinden, was andere Wissenschaftler_innen so machen, wenn sie arbeiten. Das ist ein längeres Projekt, von dem hier früher schon einmal kurz berichtet wurde. Nun ist tatsächlich ein Buch darüber erschienen: Library Life: Werkstätten kulturwissenschaftlichen Forschens, veröffentlicht in dem neu gegründeten meson press Verlag.

Ausgehend von den Laborstudien der Science & Technology Studies sind wir darin der Frage nachgegangen, wie eigentlich ein wissenschaftlicher Text entsteht. Dafür haben wir die persönlichen Schreiborte von Kulturwissenschaftler*innen verschiedener Disziplinen aufgesucht und sie befragt. Was wir dann in den Werkstätten kulturwissenschaftlicher Wissensproduktion in Erfahrung gebracht haben, ist ein unvermutet komplexes Zusammenspiel technisch-materieller, praktischer, medialer, sozialer, institutioneller, ökonomischer, politischer und ideeller Dimensionen einer Form von Arbeit, von denen man meinen könnten, man bräuchte doch eigentlich nur Stift und Papier dafür. Die Vielfalt der Dinge, Verhältnisse und Zustände, derer es bedarf, um einen Text zu fabrizieren, hat uns jedenfalls überrascht und wir fanden es interessant genug, darüber selbst etwas zu schreiben.

Das Buch ist als open access Publikation erschienen und kann auf der Verlagsseite kostenlos als PDF heruntergeladen werden. Demnächst wird es auch als Druckausgabe erhältlich sein. Neben verschiedenen – teils sehr erstaunlichen – Aufschreibesystemen und Arbeitstechniken geht es darin auch um die Rolle der Produktionsverhältnisse, in denen Wissenschaftler_innen verschiedener Statusgruppen ein für sie praktikables Forschungsarrangement einrichten müssen. Wie das gelingt, hängt von sehr vielen Dingen ab: Wie man in einer bestimmten Disziplin arbeitet, was man dafür zur Verfügung hat, die Räume und Zeiten, die man dafür in Anspruch nehmen kann, wie die Geräte funktionieren (oder auch nicht), die man dafür braucht, welchen einen Eigensinn sie entwickeln, was für Vorlieben, Erfahrungen und Einfälle man entwickelt, was die anderen von einem wollen und nicht zuletzt auch, ob und wie man davon leben kann.

Über die Arbeitsbedingungen von Akademiker_innen wird ja in letzter Zeit häufiger in den Zeitungen berichtet und diskutiert. Unser Buch mag daher auch ein Anlass sein, das Thema dieses Blogs „Kultur oder Wissenschaft“ in diesem Licht vielleicht etwas wiederzubeleben – sofern unser eigenes „Library Life“ dafür Raum und Zeit lässt. Kommentare zu dem Buch oder eigene Erfahrungsberichte, die das Bild noch bunter, vielleicht sogar klarer oder auch komplizierter machen, sind jedenfalls herzlich willkommen.

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Happy Ruhetag!

Da persona madrelingua tedesca posso dire
La lingua tedesca mi è cara come una madre.
E siccome anche una madre, almeno un giorno
Ha bisogno di riposo
Lasciamola riposare oggi
Che è il suo giorno.

14. September 2013 Die deutsche Sprache tut so viel für uns. Gönnen wir ihr eine Pause! (Ruhe-)Tag der deutschen Sprache.

Finalmente può dormire fino a tardi
E mangiare la prima colazione al letto.

E poi
Magari anche in altri giorni ci viene in mente
Di farla riposare
E vedremo
Che ci sono tante altre lingue belle nel mondo
Madri di altre persone
E son tutte belle le mamme del mondo!

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Da es in diesem Blog schon mehrfach um Formen des verschlüsselten Schreibens ging (im Brief und im Logogryph), bietet es sich an, dem Thema eine Reihe zu widmen. Wer weiß, vielleicht sammeln wir auf diese Weise verschiedene Arten des geheimen Schreibens und Lesens, die – man kann es nie wissen – vielleicht einmal im eigenen Leben wichtig werden. Weiter geht es also mit der Geheimtinte.

Schon Ovid empfahl den Römerinnen, ihre geheimen Nachrichten mit Milch zu schreiben. Lenin soll diese Form der unsichtbaren Schrift in der Haft verwendet haben (und zwar nicht nur für politische Mitteilungen, sondern auch um zum Beispiel Nadeshda Krupskaja seine Liebe zu gestehen). Mittlerweile gehört die Geheimtinte zum Ferienspaß jeder Jugendfreizeit – mit Milch, Zitronensaft, Essig oder ähnlichem schreibt man eine Nachricht, die verschwindet, wenn sie getrocknet ist (am besten man verwendet eine Feder oder einen Füllfederhalten zum Selbstfüllen). Will man die Schrift wieder zum Vorschein bringen, hält man den Bogen an eine Glühbirne, über Feuer oder streicht mit dem Bügeleisen darüber.

*

Es gibt aber noch raffiniertere Rezepte – nämlich wenn man einen Brief in schwarzer Tinte erhält, mit einem bestimmten Fluidum die Schrift gänzlich zum Verschwinden bringt und stattdessen die andere, die geheime Nachricht, zu Tage tritt. Ein Rezept für solch eine „sympathetische Tinte“ (grch. ‘Zuneigung ausdrückend’, laut Duden auch ‘eine geheimnisvolle Wirkung ausübend’) findet sich in dem nützlichen Handbuch Der vollständige Schreibmaterialist (mehr …)

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