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Posts Tagged ‘Umwelt’

Die Schleuderkraft des Grimsvötn

Die zweite Aschewolke aus Island innerhalb von 14 Monaten – diesmal ein wenig dünner – sorgte erneut für Hysterie, gerade in Deutschland. Dabei meine ich nicht die durchaus nachvollziehbare Sorge, dass der Flugverkehr gefährdet sein könnte, sondern die argumentativen Salven, die aufgeboten werden. Sie stammen vor allem von Bundesverkehrminister Peter Ramsauer, dem man in Presse, Funk und Fernsehen von der „deutschen Sicherheitskultur“ sprechen hören konnte, als es hierzulande um niedrigere, unbedingt auf andere EU-Staaten zu übertragenen Grenzwerte ging. Nach seiner Forderung soll der Flugverkehr eingestellt werden, wenn die Masse von  Aschepartikeln pro Kubikmeter Luft ging größer als 2 mg beträgt. Was mich am meisten ärgerte. ist weniger der Inhalt seiner Forderung, sondern seine Behauptung, dass nur deshalb Länder wie Frankreich diese Sicherheitskultur nicht besäßen, weil sie einen höheren Grenzwert (bis 4 mg) befolgten.

Aus zweierlei Gründen ist diese Interpretation von Auffassungunterschieden  absurd, zum einen wegen des Begriffs „Sicherheitskultur“, zum anderen wegen der groben Verallgemeinerung, zwei Länder (Deutschland und Frankreich) kulturell mit Hilfe einer unterschiedlich strengen Gesetzesvorgabe zu vergleichen.  Kann ein Land durch Grenzwerte seine Haltung zu einer Gefahr überhaupt zeigen, gerade im Milligrammbereich? Wenn ja, könnte es jemand anders bestimmen als ein paar Experten, die über lange Versuchsreihen diesen Wert ermittelt haben? Kantige Worte sind vor allem dazu da, Aufmerksamkeit zu erlangen – das ist Ramsauer zumindest im Inland gelungen. Es scheint leider so zu sein, dass Politiker nur dann zitiert und erhört werden, wenn sie rustikal statt diplomatisch vorgehen und damit wiederum einiges aufs Spiel setzten, nämlich den Willen zur Zusammenarbeit. Als Franzose würde ich mir seine Worte nicht gefallen lassen und hätte gar kein Interesse mehr daran, dem deutschen Politiker ohne inneren Zwang entgegen zu kommen. Ein schlechtes Signal für die deutsch-französische Zusammenarbeit – sie wird dadurch nur noch schwieriger.

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Der an der Stanford University lehrende französische Philosoph Michel Serres, hat in seinem umstrittenen Buch „Le contrat naturel“ (1990) (dt. „Der Naturvertrag“, 1994) erörtert, wie bestimmte Objekte der Natur, etwa das Meer, zu Subjekten des Rechts werden können. Nun erklärt er in einem Interview mit der Tageszeitung:

In Anbetracht des aktuellen Desasters am Golf von Mexiko würde ich mir nichts dringlicher wünschen als einen Prozess vor einem internationalen Gericht, in dem BP im Namen des Meeres angeklagt wird. Hier hätte es einen ganz konkreten Sinn, wenn das Naturobjekt ein Rechtsubjekt wäre.

Michel Serres, Foto: Linda A. Cicero

In seinem neuen Buch Le mal propre: polluer pour s’approprier? (2008) (dt. „Das eigentliche Übel“, 2009), stellt Serres die Frage, warum wir unsere Umwelt verschmutzen. Dabei geht der Philosoph davon aus, dass Umweltverschmutzung die selbe Funktion hat wie tierisches Reviermarkieren und begründet darauf eine Theorie des Eigentumsrechts.

Das zentrale Axiom beruht auf der Doppeldeutigkeit des Begriffs propriété (Eigentum/Sauberkeit) und lässt sich vermutlich kaum ins Deutsche übertragen: Le propre, c’est le sale (ungefähr: Das Eigene ist das Verschmutzte). Etwas zu verschmutzen, bedeutet, sich etwas anzueignen, etwas in Besitz zu nehmen. Auf die Katastrophe am Golf von Mexiko angewendet, könnte man sagen: BP ist durch den Akt der Verschmutzung gerade dabei, den Golf von Mexiko in Besitz zu nehmen. (mehr …)

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In Zeiten der Energie-, Umwelt- und Finanzkrise (welche Krise haben wir eigentlich gerade nicht?) wächst der Bedarf an guten Ideen – und mit ihm die Bereitschaft, sie zu unterstützen. Umso mehr, wenn man von der Umsetzung direkt profitiert. Was aber nützen gute Ideen, wenn die Mittel fehlen, sie zu realisieren? Etwa weil die Bank mit Krediten knausert, weil man keine reichen Eltern hat, weil öffentliche Fördertöpfe ausgeschöpft sind und weil es an Talent zur Sponsorenakquise mangelt? Wie sollen dann die guten Ideen zu den Menschen und die Krisen zu ihren Lösungen kommen? (mehr …)

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