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Posts Tagged ‘Waldkulturerbe’

Dear Rasta-Raupe, you make me moves. Trois-Îlets, Martinique. 2011.

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International Year of Forrests 2011

Das Jahr 2011 ist das Internationale Jahr der Wälder. Dies hat die Generalversammlung der Vereinten Nationen im Dezember 2006 entschieden, um mit der Kampagne die Erhaltung und nachhaltige Entwicklung aller Arten von Wäldern zu fördern. Für die Koordination des deutschen Beitrags zum Schutz des „Waldkulturerbes“ hat das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz ein entsprechendes Kampagnenbüro eingerichtet. Unter der Schirmherrschaft des Bundespräsidenten Christian Wulff sind im Laufe des Jahres 5000 bundesweite, regionale und lokale Veranstaltungen geplant, die dazu anregen sollen, sich über den Wald zu informieren und ihn neu zu entdecken. Auch Bundesumweltminister Norbert Röttgen erklärt in seinem Grußwort, dass das Jahr der Wälder als „ein Weckruf“ zu verstehen sei, denn: „Der Wald braucht unseren Schutz.“

Der Freistaat Sachsen beteiligt sich an dem hehren Vorhaben nun mit einer grotesken Aktion: Mit einem Budget von einem dreistelligen Millionenbetrag soll durch die künstliche Verknappung der heimischen Baumbestände der Wert des sächsischen Waldes erhöht werden. Das Ausmaß dieser Initiative lässt sich nur überschlagen: Angenommen, die Fällung eines Baumes kostet 1.000 Euro, so erlauben 100.000.000 € die Abholzung von 100.000 Bäumen. Veranschlagt man weiterhin 10 m², die ein Baum für sich beansprucht, so lässt sich das sächsische Waldkulturerbe mit diesem Budget also um eine Million Quadratmeter Forst verknappen und sein Seltenheitswert damit bedeutend erhöhen.

Leipziger Waldkulturerbe

Leipziger Waldkulturerbe

Die Spuren der großflächigen Rodungen sind bereits an vielen Stellen im Land zu besichtigen. Ist dies wieder einmal die eigenwillige sächsische Art, sein Kulturerbe öffentlichkeitswirksam zu inszenieren? Im Fall der Waldschlösschenbrücke waren es ökonomische Gründe, die das Dresdner Elbtal erfolgreich für die Rote Liste des gefährdeten Welterbes empfahlen und schließlich zu einer bisher einmaligen Aberkennung des UNESCO-Weltkulturerbetitels führten.

Das sächsische Waldkulturerbe darf nun auf keine bevorzugte Behandlung hoffen. Auch dieses muss ökonomischen Interessen weichen – die auch hier wieder etwas mit Flussufern zu tun haben. Nur geht es diesmal nicht um deren Überbrückung, sondern um deren Eindeichung. Denn die großflächige Rodung wird, unter „Gefahr im Verzug“, mit Hochwasserschutzmaßnahmen begründet.

Tornado-Erlass fegt Deiche leer

Worin die Gefahr besteht, das hat der sächsische Umweltminister Frank Kupfer (CDU) im August letzten Jahres erklärt. Wie sich nämlich Mitte 2010 bei Meißen gezeigt habe, könnten umstürzende Bäume durch plötzlich auftretende Tornados Löcher in die Deiche reißen, wodurch sie ein nicht akzeptables Restrisiko für die Landesbevölkerung und ihre Sachwerte darstellen.

So hat der sogenannte „Tornado-Erlass“ die gesetzliche Grundlage dafür geschaffen, alle Bäume zu fällen, die auch nur in der Nähe sächsischer Deiche wachsen. Dann können sie schließlich nicht mehr umfallen; stattdessen lassen sich praktische Deichstraßen anlegen, um schnell Sandsäcke an brüchige Stellen zu transportieren. Zwei Drittel der insgesamt 680 Kilometer Deiche waren mit Gehölzen bewachsen. Nach der Flut 2002 wurden bereits 105 Kilometer abgeholzt; innerhalb der nächsten Monaten und Jahren sollen nun noch weitere 100 Deichkilometer „beräumt“ werden.

Auwald, schattenfrei

Auwald, schattenfrei

Da geplant ist, einer Schneise von 5 Metern Breite an beiden Uferseiten zu schlagen, um die Deiche von bedrohlichen Bäumen zu befreien, kommt man so auf die oben überschlagenen 1.000.000 m². Wenn die Maßnahme abgeschlossen ist, wird es keine Schatten mehr auf den betroffenen Deichen geben. Viel schlimmer ist aber, dass wichtige Biotopverbundstrukturen beseitigt werden, die nicht nur das Landschaftsbild dramatisch verändern, sondern auch den großflächigen Verlust von Lebensräumen geschützter Tier- und Pflanzenarten bedeuten.

Doch „Gefahr im Verzug“ schlägt „Naturschutz“, und so brauchen die anerkannten Naturschutzvereine  nicht an den Plänen beteiligt werden, wie es sonst bei derart drastischen Eingriffen auch in Landschafts- und Naturschutzgebiete obligatorisch ist. Die zuständige Landestalsperrenverwaltung (LTV) darf ungestört ihres traurigen Amtes walten. Die betroffenen Vereine sind verständlicher Weise außer sich und auch viele Bürger können das Ausmaß der fortschreitenden Zerstörung ihrer Wälder nicht verstehen. Denn um ein Verständnis der Bürger muss bei „Gefahr im Verzug“ nicht geworben werden. Es geht schließlich um ihre Sicherheit. (mehr …)

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