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Am 5. September hatte das Literarische Colloquium Berlin zu einer ganz­tägigen Übersetzer*innen-Fortbildung zum Thema »Fremde Texte – eigene Texte« eingeladen. Die Übersetzerinnen Gabriele Leupold und Eveline Passet, Kuratorinnen dieser Fortbildungsreihe, sagten einleitend, das Thema sei u.a. inspiriert von der Welle hoch­kochender Emotionen im Mailing-Forum des Berufs­verbands der Literatur­übersetzer*innen, nachdem der Verbands­name geschlechter­gerechter angepasst wurde zu »Verband deutsch­sprachiger Übersetzer/innen literarischer und wissen­schaftlicher Werke e.V.« (mit Slash, also keines­wegs allzu neu­modisch oder diversere Geschlechter mitberück­sichtigend, und man kann nicht behaupten, dass der Name vorher besonders griffig gewesen wäre, weshalb intern ohnehin alle nur VdÜ sagen). Es solle jedoch nicht nur um das Gendern gehen, sondern all­gemeiner darum, inwieweit wir beim Über­setzen von Texten eigene An­passungen vornehmen.

Referent am Rednerpult, neben ihm an die Wand projiziert steht

Anatol Stefanowitsch stellte seinem Vortrag im LCB eine Inhaltswarnung voran.

Um hoch­kochende Emotionen ging es auch im Vortrag des Sprach­wissenschaftlers Anatol Stefanowitsch, bekannt u.a. durch Sprachlog.de und den »Anglizismus des Jahres«. Weiterlesen »

Derzeit höre ich in Berlin noch öfter Italienisch als üblich, weil sich den hier lebenden Italiener*innen, die ich in Läden oder auf Spielplätzen in meinem Kiez treffe, noch die sommerlichen Städte-Tourist*innen hinzugesellen.
Diese bekommen auf http://www.cosafarei.it/berlino 13 Tipps, was sie in Berlin unbedingt machen sollten. Spannender als die einigermaßen vorhersehbaren touristischen Highlights fand ich die anschließenden vier Hinweise, was Italiener*innen in Berlin lieber nicht tun sollten:
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Wenn’s im Rücken zwickt und knotet, weil man zu viel am Schreibtisch gesessen oder zu schwere Kleinkinder rumgeschleppt hat und eindeutig zu selten tanzen war, kann das schon mal auf die Gedankengänge ausstrahlen oder auf die tapsigen Finger oder beides. Jedenfalls habe ich eine dieser Spam-Mails, die ich sonst routiniert ignoriere, versehentlich angeklickt statt sie zum Löschen wegzuwischen. Und dann bin ich an dem Wort »Massagen« hängen geblieben. Weiterlesen »

Buchcover Stefano Benni: Prendiluna. Roman

© Verlag Klaus Wagenbach

Ich übersetze gerade Stefano Bennis Prendiluna, einen angenehm abgedrehten Roman über den Wahnsinn dieser Welt im Allgemeinen und der italienischen Gesellschaft im Besondern und darüber, wie man es schafft, unter diesen Umständen zu den »Gerechten« zu gehören. In einem Kapitel besucht die Protagonistin Prendiluna (eine pensionierte Lehrerin, die ihre zehn Katzen an zehn Gerechte verschenken muss, um die Apokalypse zu verhindern) eine ehemalige Schülerin, die nun in einem Sexshop arbeitet. Diese schenkt ihr zum Abschied ein Dildofon.

Der Klingelton dieses Dildofons besteht im italienischen Original aus zwei Zeilen des Scherz­lieds »Mal d’Africa« (Afrikaweh), auch bekannt unter den Titeln »Africa lontana« (Fernes Afrika), »Il pianto di Zambo« (Zambos Klage) oder einfach »La canzone di Zambo« (Zambos Lied), nämlich:

»La negretta disse a Zambo
Non ti voglio senza gambo«

(Die kleine [N-Wort] sagte zu Zambo
Ohne Stängel will ich dich nicht).

Wie gehe ich damit in der deutschen Übersetzung um? Weiterlesen »

Vor Jahren habe ich hier im Blog mal Adam und Eva herangezogen, um über unterschiedliche Schuldgefühle und Schuldzuweisungen bei als Männer oder Frauen sozialisierten Menschen zu schreiben (vgl. den Beitrag »Der Apfel ist schuld«). Durch einen spannenden Text von Debora Antmann im Missy Magazin über »Die sechs Geschlechter im Judentum« ist mir (wieder einmal) aufgefallen, wie christlich geprägt meine als allgemein widergegebene Behauptung war, »Eva sollte schuld an der Vertreibung aus dem Paradies sein, weil sie Adam verführt habe«. Weiterlesen »

Bereits im Oktober letzten Jahres ging die Website zum Forschungsprojekt #frauenzählen online. Die Hauptergebnisse der Studie, für die innerhalb eines Monats 2036 Buchbesprechungen in 69 deutschen Medien (Print, Hörfunk, TV) sozialwissenschaftlich ausgewertet wurden, sind folgende:
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Am 6. März 2019 hatte das Literarische Colloquium Berlin sich und uns James Baldwin »auf Wiedervorlage« gelegt (vgl. Veranstaltungsankündigung). Erster Programmpunkt war der Dokumentarfilm I Am Not Your Negro (Raoul Peck, 2016), der auf beeindruckende Weise deutlich macht, wie aktuell Baldwins Werk auch heute noch ist und dass die notwendige grundlegende Veränderung der Verhältnisse noch immer aussteht.

Anschließend waren die Übersetzerin Miriam Mandelkow, deren Neuübersetzungen von Baldwins Werken seit 2018 bei dtv erscheinen, und die Autoren Max Czollek, Michael Götting und Temye Tesfu eingeladen, Lieblingstextstellen aus Baldwins Texten vorzustellen und zu diskutieren. Weiterlesen »